Marie-Louise und Peter Albeck aus Warmbronn haben sich 1963 im legendären Tanzlokal in Geislingen an der Steige kennengelernt, das heute im Freilichtmuseum Beuren steht. Wenn Marie-Louises Mutter nicht gewesen wäre, hätte es wohl nie ein zweites Treffen gegeben.
Der Tanzsaal der Wilhelmshöhe ist jedes Wochenende rappelvoll: In den 50er und 60er Jahren ist Geislingen an der Steige stark gewachsen, Geflüchtete fangen hier ein neues Leben an, schaffen bei der WMF. Die Menschen blicken nach vorne, wollen den Krieg vergessen und wieder fröhlich sein. Vor allem die jungen Geislinger. In dem legendären Tanz- und Hochzeitssaal der Wilhelmshöhe, der heute im Freilichtmuseum Beuren steht, feiert die katholische Jugend am 17. Februar 1963 Fasching.
Marie-Louise ist 16, groß gewachsen, schlank und fällt in dem Raum voller schüchterner Landjugend auf: Sie trägt das Kostüm einer japanischen Geisha, eine rote Robe mit Blumen. Peter, ein schüchterner 18-jähriger Bub, der früh seinen Vater verloren hat, ist nicht verkleidet. Von der Geisha kann er den Blick kaum abwenden. Er weiß genau, wer sich unter dem Kostüm verbirgt. Marie-Louise ist ihm bei den Wanderungen der Jugend ins Degginger Täle aufgefallen. Er hat Glück, beim Tanz erwischt er sie und schleudert sie atemlos durch den Saal. Am Ende des Abends sein Mut: Ob sie mal mit ihm ausgehe? Nach Göppingen, zu den Amis in einen Club. Marie-Louises Augen leuchten. Da spielen die Jazz, oder? Ja, da käme sie mit.
Am nächsten Tag erzählt das Mädchen seiner Mutter von der Begegnung und hat plötzlich Bedenken: „Mama, da geh ich nicht hin, der kennt mich doch gar nicht, der denkt jetzt, ich sehe aus wie eine Japanerin.“ Marie-Louises hellblonder Bubikopf hat Peter bei den Wanderungen doch längst sehr gut gefallen – aber das konnte sie nicht wissen.
Dass es dann doch noch zu einem Treffen kommt, haben Marie-Louise und Peter der Mutter zu verdanken, die streng sagt: „Was man zugesagt hat, muss man auch einhalten, du gehst hin!“ Der Abend in Göppingen ist schön, im Ami-Club haben die Jugendlichen das Gefühl, die Luft der großen weiten Welt zu schnuppern. Da schon zeichnet sich ab, was sie verbinden und ihr Leben bestimmen soll: Sie sind neugierig auf fremde Länder und Menschen. Später werden sie jedes Jahr verreisen, nach Afghanistan, nach Australien, in die Südsee und nach Hongkong.
Von diesem Tag in Göppingen an sind Marie-Louise und Peter unzertrennlich: mit Freunden ziehen sie am Wochenende zu Ausflügen los. Und wenn Marie-Louise im Geislinger Gymnasium Mittagsschule hat, fährt Peter meist sehnsüchtig mit seinem Fahrrad vor die Schule und wartet am Fenster. Die Klassenkameraden pfeifen: „Da ist schon wieder dein Freund, Marie-Louise!“ Sie sieht ihn in seinen Berkemannsandalen und der Lederhose und ihr Herz hüpft.
1964 verkleidet sich das Paar gemeinsam am Faschingsball in der Wilhelmshöhe. Marie Louise als Opa, er in einem Kleid ihrer Oma. Peter ist begeistert, wie einfallsreich sie ist. Irgendwann fragt er: „Wollen wir heiraten?“ Sie sagt Ja. Weil Peter einen Job bei IBM findet, zieht das Paar nach Sindelfingen und kauft in den 70ern eine Wohnung in Warmbronn. „ Wir wollten weg aus der elterlichen Obhut und gemeinsam was Neues aufbauen“, sagt Peter. Im April feiern Marie-Louise und Peter ihren 55. Hochzeitstag.
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