Andreas und Cristina R. kommen vor einer Skischule ins Gespräch und bemerken, dass sich ihre Wege schon vor Jahren hätten kreuzen können. Die Verlobung feierten sie ein Jahr später auf der Skipiste.
Fast zwei Jahren lang lebten sie in Stuttgart-Wangen nur 300 Meter voneinander entfernt, besuchten das gleiche Freibad, gingen in den gleichen Supermarkt – und begegneten sich nie. Damit sie sich trafen, brauchte es eine Skischule, die noch nicht geöffnet hatte.
Cristina R. (79) zieht mit 21 von Argentinien nach Stuttgart, Andreas R. (80) kommt mit sieben aus dem damaligen Jugoslawien nach Deutschland. Als beide auf einen zweiwöchigen Skiausflug fahren und dort vor der Skischule stehen, kommen sie ins Gespräch. „Ich habe sie gesehen und wusste, das ist meine Frau“, sagt Andreas R. heute. Über die fünf D-Mark Umbuchungsgebühr, die Cristina R. zahlen muss, weil sie den Ausflug aufgrund eines Familienbesuchs aus Argentinien verschieben muss, ärgert sie sich – später erweisen sie sich als eine Investition in ihre Zukunft.
Kennenlernen beim Après-Ski in Skistiefeln
In Sulden in Südtirol verbringen die beiden zwei Wochen lang abends Zeit miteinander – häufig in ihren Skistiefeln beim Après-Ski. Wieder zu Hause in Stuttgart treffen sie sich weiterhin. Ursprünglich hatte Cristina R. nicht vor, länger in Deutschland zu bleiben. Stattdessen wollte sie nach Kenia, Südafrika und Mexiko zum Arbeiten.
Ein Jahr nach ihrem Kennenlernen feiern die Beiden offiziell ihre Verlobung – wieder auf der Skipiste. Seinen Eltern schicken sie ein Paket mit einer Flasche Sekt und der Verlobungskarte. Ihre Eltern bekommen Post nach Argentinien. Damals habe man die zukünftigen Schwiegereltern noch um Erlaubnis fragen müssen, erzählt Andreas R. „Ich hätte ihn auch geheiratet, wenn sie was dagegen gehabt hätten. Aber ich wusste, dass sie nicht Nein sagen“, sagt Cristina R. Sie sitzt neben ihrem Mann auf dem Balkon in ihrer Göppinger Wohnung, neben ihnen gedeihen Tomaten, Hortensien blühen in einem Topf.
Fünf Jahre Moskau und das „Spiel des KGB“
1981 bekommt der Maschinenbauer einen Job in Moskau. „Meine Vorgesetzten haben mich damals gefragt: Hält das Ihre Frau aus? Und ich habe in meiner vorlauten Art gesagt: Sie ist in Südamerika aufgewachsen und hatte bis zu ihrem 14. Lebensjahr keinen Strom. Ich denke schon.“ Rückblickend bezeichnen die beiden die fünf Jahre in Russland als ereignisreiche Erfahrung, doch das „Spiel des KGB“, wie sie es nennen – die abgehörten Telefongespräche, jede Reise, die angemeldet werden muss, der kalte Zigarettengeruch und das fremde Parfüm, das manchmal in der Luft hängt, wenn sie nach Hause kommen – wird ihnen irgendwann zu viel. „In den Jahren waren wir sehr viel mehr aufeinander angewiesen, und man hat zu schätzen gelernt, was man hat“, sagt Andreas R. Trotzdem zieht es sie am Ende zurück nach Deutschland.
53 Jahre Ehe – ohne Vertrauen funktioniert es nicht
2020 feiern sie ihre goldene Hochzeit im Kreis ihrer Familie. Was es für eine Ehe von 53 Jahren braucht? Die Chemie müsse stimmen, und die Interessen sollten ähnlich sein, zählen sie gemeinsam auf. Daran hat es dem Ehepaar nie gefehlt: In wenigen Wochen steht die Schiffsfahrt von Passau bis zum Schwarzen Meer an. „Dann haben wir auch diesen Teil der Donau zusammen erkundet“, sagt Cristina R.
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