Die Pendler, die das Parkhaus in Plochingen nutzen, müssen mit einem deutlichen Preisanstieg rechnen. Foto: Horst Rudel

Die Deutsche Bahn und ihr Partner Contipark wollen Profit machen mit dem P+R-Parkhaus am Plochinger Bahnhof. Das ist legitim, verkehrspolitisch aber falsch, meint unser Redakteur Thomas Durchdenwald.

Stuttgart - Ein Unternehmen hat ein Produkt, das knapp ist und stark nachgefragt wird. Das sind beste Voraussetzungen, den Preis zu erhöhen und mehr Gewinn zu erzielen. Es mag also betriebswirtschaftlich sinnvoll sein, was die Bahn und ihr Partner Contipark mit dem P+R-Parkhaus am Bahnhof Plochingen vorhaben. Doch das unverschämte Preise-rauf-Motto für Pendler ist verkehrspolitisch ein Skandal.

So werden Pendler verprellt

Die Deutsche Bahn konterkariert damit auf geradezu schamlose Weise das Ziel von Land, Region und Städten, den Nahverkehr attraktiver zu machen. Wer Pendlern den Umstieg vom Auto in Busse und Bahnen vermiesen will, muss so handeln, wie es die Bahn tut. Besonders kurios: Dabei verprellt ein Teil des Verkehrskonzerns aus Gewinnstreben die Kunden, auf die ein anderer Teil, in diesem Fall die S-Bahn Stuttgart, angewiesen ist. In Plochingen wird einmal mehr deutlich, wie negativ sich die Aufteilung der Bahn in verschiedene Bereiche auswirkt, was man auch am Zustand von Bahnhöfen, Aufzügen und Infrastruktur sehen kann.

Region verfolgt andere Ziele

Die nun von ersten Erfolgen begleiteten Versuche des Verbands Region Stuttgart, eine einheitliche P+R-Strategie für die gesamte Region umzusetzen, machen den Plochinger Fall noch skandalöser. Die Bahn hat sich als Partner für die Verkehrswende einmal mehr aufs Abstellgleis manövriert. Die Region muss in die Lage versetzt werden, alle P+R-Anlagen zu übernehmen. Damit sie für die Pendler da sind – und nicht für die Gewinnmaximierung.

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