Lang hat man nichts mehr gehört vom Dauerbrenner Parkhaus in Bernhausen. Nun aber gibt es zumindest einen Siegerentwurf für einen Neubau. Wie wird der aussehen?
Platz für etwa 250 Autos, eine umfangreiche E-Lade-Infrastruktur, 200 Fahrradstellplätze, Sharing-Angebote und eine barrierefreie Verknüpfungen zur S-Bahn und zum Busbahnhof, und das alles in zwei Gebäudeteilen: Endlich ist bekannt, wie der zukünftige Mobilitätshub samt Parkhaus in Bernhausen aussehen wird. Nach einem mehrheitlichen Beschluss in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats sollen nun die Vorplanungen starten.
Zuvor war es eine lange Zeit ruhig geworden um einen der größten Aufreger in der Stadt. Das marode Parkhaus am Bahnhof von Bernhausen ist, nachdem es jahrelang gesperrt gewesen war, 2024 bis auf die unteren Ebenen zurückgebaut worden, eine abgespeckte Interimsversion bietet zentrumsnah immerhin 110 Stellplätze. Der Wiederaufbau ist längst beschlossene Sache. Fest stand schnell, dass der Neubau einen sogenannten Mobilitätshub enthalten soll, also einen Bereich, wo unterschiedliche Mobilitätsarten zusammentreffen und sich Umstiegsmöglichkeiten ergeben. Zu den vorgesehenen Bestandteilen gehören unter anderem Leihfahrräder, Abstellplätze für Zweiräder und Carsharing. Dass entgegen ursprünglicher Planungen wieder Parkplätze gebaut werden müssen, hat der Verband Region Stuttgart gefordert. Die ehemals 350 Stellplätze müssen demnach im näheren Umfeld des S-Bahnhofs Bernhausen beziehungsweise Sielmingen vorgehalten werden. Will heißen: Das Soll wird mit dem neuen Parkhaus in Bernhausen noch nicht erfüllt sein.
Siegerentwurf hat eine Doppelhelixstruktur
Für den Neubau in Bernhausen gab es einen Realisierungswettbewerb. Gewonnen hat der Entwurf des Architekturbüros Nething Generalplaner GmbH aus Neu-Ulm. Manches war vorgegeben gewesen, etwa eine nachhaltige und attraktive Gestaltung, eine integrierte Toilettenanlage oder eine digitale Anzeigetafel an der Fassade. Der nun zum Sieger gekürten Entwurf sieht einen zweigeteilten Gebäudekomplex mit sechs Geschossen und einem Untergeschoss vor. Der Kopfbau beherbergt laut Architekturbüro eine kompakt organisierte Doppelhelixstruktur, die eine effiziente Einbahnerschließung der Parkebenen ermöglicht.
Separate Gebäudeteile sorgen für Flexibilität
Der zweite Gebäudeteil, der Mittelbau, wird als modulares Holzhybridgebäude mit hohem Vorfertigungsgrad ausgeführt. „Die klare funktionale Trennung der beiden Baukörper schafft langfristige Flexibilität in der Nutzung und Anpassungsfähigkeit für zukünftige Anforderungen“, erläutert das Planungsteam. Der Kopfbau funktioniere vollständig autark vom Mittelbau. Diese Unabhängigkeit ermögliche es, beide Gebäudeteile separat zu betreiben, vielleicht später mal umzunutzen oder zu modernisieren; ein wesentlicher Vorteil angesichts sich wandelnder Mobilitätskonzepte. Eine differenzierte Fassadengestaltung soll die unterschiedlichen Funktionsbereiche unterstreichen. Der technisch gehaltene Kopfbau bekommt eine transparente, perforierte Metallhaut, während der Mittelbau eine begrünte Fassade erhalten soll. Die verbindende Erdgeschosszone wird durch eine sichtdurchlässige Lamellenstruktur zusammengefasst.
Auch an die Nachhaltigkeit wurde gedacht. Auf beiden Dachflächen sind Photovoltaik-Anlagen vorgesehen, deren Energie vor Ort gespeichert und vorrangig für die Ladeinfrastruktur bereitgestellt wird. Ein integriertes Regenwassermanagement versorgt die Fassadenbegrünung oder den Sanitärbereich.