Michael Gaedt, Roland Baisch und Otto Kuhnle (von links) Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Komiker Otto Kuhnle, Michael Gaedt und Roland Baisch treten als „KGB“ mit ihrem Programm „Der Jubel rollt“ im Theaterhaus auf – im Interview erklären sie, was es damit auf sich hat.

Stuttgart - Bis zum 9. September präsentieren die drei Stuttgarter Humorspezialisten Otto Kuhnle, Michael Gaedt und Roland Baisch im Theaterhaus ihr gemeinsames Programm „Der Jubel rollt“. Im August konnte man ihnen bei Werkschauen dabei zusehen, wie sie es erarbeitet haben.

Herr Kuhnle, Herr Gaedt, Herr Baisch, wie liefen die offenen Proben?
Baisch: Mit dem hohen Interesse des Publikums hatten wir nicht gerechnet. Eigentlich dachten wir, da kommen vielleicht 20 Leute, mit denen wir dann ein bisschen diskutieren können. Gleich am Anfang waren es aber schon 200, die eine Show sehen wollten und applaudierten, als wir auf die Bühne kamen. Dabei hatten wir das Programm in gerade mal fünf Tagen zusammengebastelt.
Gaedt: „Zusammengebastelt“ ist ein bisschen sanft ausgedrückt! „Zusammengenagelt“ trifft’s eher!
Baisch: Die erste Werkschau war dann jedenfalls eher mäßig...
Gaedt: …aber die zweite war eigentlich schon so gut, dass wir gar nicht mehr proben wollten.
Kuhnle: Am meisten überrascht hat uns aber, dass Dinge, die man plant, dann tatsächlich auch funktionieren.
Womit erklären Sie sich das Interesse?
Baisch: Na damit, dass Michael regelmäßig im Fernsehen zu sehen ist (Anm. d. Redaktion: Michael Gaedt spielt den KFZ-Mechaniker Schrotti in der Krimiserie „SOKO Stuttgart“).
Gaedt: Man darf eine Vorabendkrimiserie, die seit zehn Jahren läuft, nicht unterschätzen.
Baisch: Deshalb ist Michael ja überhaupt dabei.
Jeder von Ihnen steht seit gut 40 Jahren auf der Bühne. Wie kam es dazu, dass Sie jetzt zu dritt arbeiten?
Gaedt: Gegen den Terminus „arbeiten“ muss ich erstmal ganz vehement ins Feld ziehen. Ist bestimmt nett gemeint, aber das lass‘ ich mir nicht nachsagen!
Kuhnle: Auch wenn wir zu dritt in dieser Form noch nie zusammengearbeitet haben, standen wir ja immer wieder gemeinsam auf der Bühne. Michael Gaedt und ich haben zum Beispiel schon vor vierzig Jahren zusammen Straßenmusik gemacht.
Baisch: Außerdem war jeder von uns in bekannten Gruppen unterwegs, ich mit dem „Scherbentheater“, Otto im „Trio Blamage“ und Michael mit der „Kleinen Tierschau“. Der Theaterhausleiter Werner Schretzmeier hat immer gesagt, wir drei sollten mal was zusammen auf die Beine stellen.
Gaedt: Also mir hat er das nie gesagt.
Wie muss man sich das gemeinsame Konzipieren der Show vorstellen? Neben allen erdenklichen Instrumenten waren bei der Werkschau auch Stepptanzeinlagen und Toilettendressur zu sehen.
Kuhnle: Es gab kein System. Manchmal kam Roland zu mir nach Berlin und wir entwickelten ein paar Ideen oder Michael und Roland haben sich hier in Stuttgart getroffen.
Baisch: Bei Otto und mir geht das recht schnell, weil wir einfach ganz gut eingespielt sind.
Gaedt: Und weil ihr halt auch keinen Anspruch habt.
Und wie gelang das Proben?
Kuhnle: Sehr gut. Jeder von uns dreien weiß ja genau, wie’s geht.
Gaedt: Genau. Die einzige Aufgabe für jeden war, zu akzeptieren, dass die anderen beiden auch wissen, wie es geht.
Baisch: Es ist, als ob Russland, Amerika und Saudi-Arabien plötzlich gut miteinander auskämen. Im Grunde ist unsere Kooperation ein Zeichen für den Weltfrieden. Ich sehe uns als Apostel der Liebe.
Was kann die jüngste Komikergeneration von Ihnen lernen?
Gaedt: Es gibt heute leider keine Comedians mehr, die scheitern, die ihre Nummern auch mal in die Grütze fahren.
Kuhnle: Außerdem gibt es fast nur noch Stand-Up-Comedians oder Einzeldarsteller, da sind wir als Gruppe eine Rarität. Ich selbst habe lange solo gespielt, deshalb ist es für mich jetzt wieder ein Riesenspaß, mit anderen auf der Bühne zu stehen.
Gaedt: Komisch, merkt man gar nicht.
Baisch: Im Comedy-Bereich erzählt heute jeder mit fünf Jahren Lebenserfahrung, wie die Welt funktioniert. Das geht mir tierisch auf den Zeiger. Jeder hat eine Meinung, aber keine Ahnung. Zwar singe ich in unserer Show auch mal als Donald Trump „From Russia with Love“, aber ich bin kein politischer Kabarettist, sondern Komiker. Das Thema ist so eklig und absurd, dem sollen sich andere annehmen.
„Der Jubel rollt“ ist also kein politisches Programm?
Gaedt: Wir kommen ja aus einer sehr politischen Zeit und würden unserer politischen Überzeugung vermutlich einen Bärendienst erweisen, wenn wir sie auf die Bühne bringen würden. Ich glaube, die Gegenwart hat eher ein solches Programm wie das unsere verdient. Dieser herrliche Quark ist ein wunderschöner Kommentar. Im postfaktische Zeitalter braucht es postfaktische Witze.

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