Stolz präsentieren Joseph Khoury und seine Frau Maja den Kuchen zum ersten Geburtstag ihres Geschäfts in der Markthalle. Foto: Ines Rudel

Joseph Khoury ist aus Syrien geflüchtet. Seit einem Jahr betreibt er in der Markthalle im Scharnhauser Park ein Feinkostgeschäft. Davor hatte der gelernte Chemiker keinerlei Erfahrung auf dem Gebiet der Gastronomie.

Ostfildern - Joseph Khoury ist angekommen. Nicht nur als syrischer Flüchtling in Deutschland, sondern auch als Geschäftsmann, der sich hier eine Existenz aufgebaut hat. Seit rund einem Jahr bietet er in der Markthalle im Scharnhauser Park in Ostfildern kulinarische Spezialitäten aus seiner Heimat an. Gemeinsam mit seiner Frau Maja und seinem Freund Adnan Al Rajab betreibt er den Laden mit dem vielsagenden Namen „Beituti“, was auf deutsch in etwa bedeutet „wie bei Mutti“ oder „wie zu Hause“. Denn so soll es seinen Kunden schmecken – denen, die sich Leckeres für zu Hause mitnehmen und jenen, die seinen Mittagstisch in der Markthalle besuchen.

Start mit Schwierigkeiten

Obwohl er in den ersten Monaten nach der Eröffnung seines Feinkostgeschäfts „mit vielen Schwierigkeiten, vor allem finanzieller Art“ zu kämpfen hatte, habe er den mutigen Schritt nie bereut, sagt Joseph Khoury. Aber etwas besser vorbereitet hätte er vor dem Sprung ins kalte Wasser schon sein können, gibt er zu: „Vielleicht hätte ich mir etwas mehr Zeit geben sollen.“ Andererseits habe er die Gelegenheit beim Schopf packen müssen. „Ich habe befürchtet, dass diese Chance so schnell nicht wieder kommt“, sagt Joseph Khoury.

Doch seine Kenntnisse der deutschen Sprache seien zunächst nicht so ausgeprägt gewesen, wie sie zum Führen eines Ladens hätten sein sollen. Inzwischen verstehe er, was die Kunden wünschen, und im täglichen Gespräch lerne man die Sprache schnell. Er spricht jetzt sogar vier Sprachen: Arabisch, Englisch, Italienisch und Deutsch. Mit dem Schwäbischen tue er sich aber nach wie vor schwer. Italienisch beherrscht er sehr gut, weil er als Kind viele Jahre mit seinen Eltern in Rom gelebt hat. Sein Vater war dort als Kunstmaler an der Akademie beschäftigt. Erst im Alter von 15 Jahren kehrte Joseph Khoury wieder nach Syrien zurück.

Dass er als gelernter Chemiker, der im syrischen Aleppo Edelmetalle bewertet und analysiert hatte, nicht unbedingt für die Gastronomie prädestiniert ist, habe er kompensieren können. Zum einen durch die Erfahrung seines Freundes Adnan Al Rajab, der als Koch mit diesem Metier bestens vertraut sei. Und zum anderen durch seine Frau Maja, die im August 2015 – ein Jahr nach ihrem Ehemann – nach Deutschland gekommen ist und „sehr gut kocht“.

Familie ist in Deutschland

Obwohl er nicht am Herd steht, hat Joseph Khoury alle Hände voll zu tun. Zwei Mal in der Woche muss er schon um vier Uhr in der Früh zum Großmarkt fahren, um Lebensmittel einzukaufen. Die arabischen Zutaten für seine Speisen besorge er bei einem Großhändler in Stuttgart. Danach stehe er von morgens bis abends in der Markthalle im Scharnhauser Park, auch an den Samstagen. Das Geschäft laufe bisher noch nicht so gut, dass er sich Aushilfskräfte leisten könne.

Dass er nach Syrien zurückkehre, könne er sich zurzeit nicht vorstellen. Auch sein Sohn – er studiert Luft- und Raumfahrtechnik – und seine Tochter seien inzwischen in Deutschland. Außerdem könne er in den nächsten zehn Jahren das Land ohnehin nicht verlassen: „Ich muss ja erst mal das Darlehen für meinen Laden zurückzahlen“, sagt Joseph Khoury und lacht.

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