Ostfildern Senioren-WG statt Pflegeheim

Von Jürgen Veit 

Mit diesem Foto auf der entsprechenden Broschüre wirbt die Stadt bei den Bürgern dafür, sich an dem Entwicklungsprozess rege zu beteiligen. Foto: Stadt Ostfildern
Mit diesem Foto auf der entsprechenden Broschüre wirbt die Stadt bei den Bürgern dafür, sich an dem Entwicklungsprozess rege zu beteiligen. Foto: Stadt Ostfildern

Zum Projekt „Gutes Älterwerden in Nellingen“ startet die Verwaltung mit Partnern und den Bürgern einen Entwicklungsprozess. Ein Ziel ist die Einrichtung einer Wohngemeinschaft.

Ostfildern - Wie die Bürger Ostfilderns im Alter gut in ihrer Stadt leben können, sollen sie selbst mitgestalten. Die Verwaltung, die Bürgerstiftung Ostfildern und die städtische Sanierungs- und Entwicklungsgesellschaft (SEG) stoßen deshalb einen sogenannten Quartiersentwicklungsprozess mit dem Titel „Gutes Älterwerden in Nellingen – wir gestalten unserer Zukunft“ an. Ein Ziel ist es unter anderem, eine ambulant betreute Senioren-Wohngemeinschaft in einem bereits in der Planung befindlichen Haus an der Esslinger Straße zu gründen. Die Rahmenbedingungen und Anforderungen an eine solche Einrichtung sowie für ein Stadtteilkonzept und ein entsprechendes Netzwerk sollen noch bis Weihnachten an vier sogenannten Bürgertischen erarbeitet werden.

Eine Senioren-WG für acht bis zehn Menschen

Wer im Alter möglichst lange selbstbestimmt in seiner gewohnten Umgebung leben möchte, „sollte selbst aktiv werden und sich nicht auf andere verlassen“. Mit diesen Worten warb der Ostfilderer Oberbürgermeister Christof Bolay (SPD) in einem Pressegespräch am Mittwoch bei den Bürgern dafür, sich bei diesem Thema einzubringen. Nur aus Gesprächen der Initiatoren mit den betroffenen Menschen könne sich ergeben, was für eine gelingende gemeinsame Zukunft im Alter benötigt werde.

Gabriele Beck von der Leitstelle für Ältere will die Protagonisten an vier Bürgertischen zusammenbringen. An diesen werden verschiedene Aspekte beleuchtet, die für ein gutes Älterwerden unabdinglich sind. Dazu zählen ganz pragmatische Dinge wie die Trägerschaft einer Senioren-WG für acht bis zehn Menschen. Aber auch die Beantwortung von Fragen wie: Wie stelle ich mir eine Versorgung vor, wenn es zu Hause nicht mehr geht? Gute Erfahrungen mit einer solchen Wohnform hat die Stadt bereits mit der WG „Lichtblick“ für Menschen mit Demenzerkrankungen gemacht. Diese Einrichtung hat sich in den vergangenen sechs Jahren im Nachbarschaftshaus im Scharnhauser Park etabliert.

15 000 Euro von der Bürgerstiftung

Nellingen sei hier nicht von ungefähr als Modell-Stadtteil ausgesucht worden. Dort steige die Zahl hochbetagter Menschen in den kommenden Jahren am stärksten, sagt Gabriele Beck. Möglicherweise ließen sich die dort gesammelten Erfahrungen später auf andere Stadtteile übertragen. Mit im Boot ist auch die Bürgerstiftung, die 15 000 Euro beisteuert. Das Projekt in Nellingen passe ideal zum Stiftungszweck, berichtete das Vorstandsmitglied Sonja Abele. Und der SEG-Geschäftsführer Reinhardt Kampmann ist froh, einen freien Bauträger für das WG-Projekt gefunden zu haben, „der sich auf das Abenteuer einlässt“.

Zum Auftakt spricht ein „Alternsforscher“

Bürgertische
Die vier Bürgertische mit unterschiedlichen Themenbereichen treffen sich von 17. September an bis Anfang Dezember jeweils an fünf Terminen. Ihnen werden Moderatoren zur Seite gestellt, die die Teilnehmer bei der Erarbeitung ihrer Konzepte begleiten und unterstützen.

Ergebnisse
Der Oberbürgermeister Christof Bolay hofft, schon an Weihnachten „gute Ergebnisse“ sehen zu können. Denn das Projekt sei auch „zeitlich ambitioniert“, sagt der Rathauschef. Wenn alles planmäßig laufe könne das Haus, in das die WG einziehen soll Anfang 2020 fertig sein.

Auftakt
Die Auftaktveranstaltung geht am Dienstag, 24. Juli, von 19 Uhr an im Kubino in Nellingen, In den Anlagen 6, über die Bühne. Der Festredner ist an diesem Abend Professor Andreas Kruse von der Universität Heidelberg, der sich selbst als Alternsforscher bezeichnet.

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