Ostfildern Neues Projekt unterstützt geflüchtete Frauen

Von Jürgen Veit 

Für Deba Omobude    ist die Nähstube ein Glücksfall: sie schneidert gerne und will ihre Deutschkenntnisse verbessern. Foto: Stadt Ostfildern
Für Deba Omobude ist die Nähstube ein Glücksfall: sie schneidert gerne und will ihre Deutschkenntnisse verbessern. Foto: Stadt Ostfildern

Wie in vielen anderen Kommunen besteht in der Stadt Ostfildern kein Bedarf mehr für eine Kleiderkammer für Asylbewerber. Deshalb ersetzt der Freundeskreis Asyl diese durch eine Nähstube sowie ein Job- und Sprachcafé.

Ostfildern - Dass der Ostfilderner Freundeskreis Asyl in der Lage ist, auf Entwicklungen bei der Betreuung von Flüchtlingen zu reagieren, hat er einmal mehr bewiesen. Erst kürzlich hat er seine Kleiderkammer in der Hindenburgstraße im Stadtteil Nellingen – ursprünglich eingerichtet, um die Geflüchteten auszustatten – geschlossen und stattdessen dort ein Job- und Sprachcafé sowie eine Nähstube eingerichtet. Das Angebot wird vom Kreisdiakonieverband des Landkreises Esslingen, vom Freundeskreis Asyl und von der Stadt Ostfildern gemeinsam getragen. Die drei Lernwerkstätten ein Stockwerk tiefer sind weiterhin dort beheimatet.

Die neue Nähstube in der Hindenburgstraße, die an diesem Montag erstmals öffnet, ist freilich mehr als nur eine Einrichtung für Hobbyschneiderinnen. Die 38-jährige Deba Omobude aus Nigeria beispielsweise verknüpft dort ihre Leidenschaft für das Nähen mit ihrem Wunsch, „besser Deutsch“ zu lernen, wie sie jüngst beim Einweihungsfest erzählte. In der Kleiderkammer bietet sich ihr die Möglichkeit, beides miteinander zu verbinden. Zumal sich in dem großen Raum jetzt auch ein Job- und Sprachcafé befindet. Das schaffe idealerweise einen Ort für Begegnungen, ist Ursula Zitzler, die Vorsitzende des Freundeskreises Asyl, überzeugt. „Die Nähstube ist ein geschützter Raum für Frauen. Und aus einer Begegnung kann sich auch mehr ergeben“, sagt sie. Sie ist zudem davon angetan, dass es immer wieder aufs Neue gelinge, Ehrenamtliche für diese Aufgaben zu gewinnen. So engagieren sich in der Nähstube eine gelernte Schneiderin und eine Hobbynäherin, zudem soll eine Kinderbetreuung organisiert werden.

Keine Notwendigkeit mehr für Kleiderkammern

Die Kleiderkammer war vor rund vier Jahren in Ostfildern eingerichtet worden – zunächst war sie in Ruit, dann in Scharnhausen und zuletzt mehr als ein Jahr in Nellingen beheimatet. Inzwischen lebten die geflüchteten Menschen seit zwei bis drei Jahren in der Stadt und viele von ihnen arbeiteten bereits, berichtet Ursula Zitzler. Deshalb sei es eine naheliegende Entscheidung gewesen, die Kleiderkammer zu schließen. Denn der Bedarf sei – wie bei vielen anderen Helferkreisen in diversen Kommunen auch – nicht mehr gegeben. Aber die Notwendigkeit, den Menschen durch Begegnungen und eine Sprachvermittlung die Integration zu erleichtern, bestehe weiterhin. Mit der neuen Einrichtung soll dafür ein wichtiger Beitrag geleistet werden. Eberhard Haußmann, der Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands, begrüßt es, dass die Kleiderkammer aus seiner Sicht sinnvoll nachgenutzt wird. „Man hat eine Idee und setzt sie um, und wenn man merkt, etwas Neues wäre besser, macht man das Neue“, sagt er.

Die Nähstube, die zunächst auf zwei Jahre Laufzeit angelegt ist, „ist unser erstes großes Projekt für Frauen“, lobt Andrea Koch-Widmann, die Integrationsbeauftragte der Stadt. Die Idee habe schon seit längerer Zeit existiert, „doch jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sie umzusetzen“.

Das Job- und Sprachcafé ist ein Nachfolgeangebot der sogenannten DAT-Wifibox im Scharnhauser Park. Wie berichtet, hatte die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) dort drei Container mit Computern und einem Internetanschluss für Geflüchtete zur Verfügung gestellt. Nach dem Ende des Projekts hatte die DAT dem Freundeskreis Asyl die Computer überlassen. Sie sollen künftig nicht nur Geflüchteten zur Verfügung stehen, um mit einer speziellen Lernsoftware Deutsch zu lernen und Unterstützung beim Schreiben von Bewerbungen und Wohnungsgesuchen zu erhalten.

Berufsvorbereitung für Flüchtlinge

In der Hindenburgstraße 47 sind zudem eine Fahrradwerkstatt sowie Elektro- und Malerwerkstätten untergebracht. Dort wird Asylbewerbern und anerkannten Flüchtlingen Basiswissen zu den verschiedenen Berufszweigen vermittelt, als Abschluss gibt es ein Zertifikat. Laut einer Mitteilung der Stadtverwaltung haben seit dem Beginn des Projekts im vergangenen Jahr 33 Teilnehmer die Kurse gemeistert, 14 von ihnen hätten Arbeit und weitere drei hätten Praktikumsstellen gefunden.

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