Das Land fördert Ostfilderns Klimaanpassungskonzept. Zwar hat die Stadt schon konkrete Projekte umgesetzt, doch auf dem Weg gibt es „Frustrationspotenzial.
Klimaschutz hat in der Stadtentwicklung von Ostfildern hohe Priorität. Doch die angespannte Haushaltslage setzt dem Grenzen. Jetzt votierten die Gemeinderäte einstimmig für ein Klimaanpassungskonzept. Dabei geht es unter anderem um Hitzeschutz in den Stadtteilen, um mehr Grünflächen und um Trinkbrunnen. Da sich wegen des Klimawandels Starkregenereignisse häufen, hat auch Hochwasserschutz große Bedeutung.
Durch das Strategiepapier wird die Stadt Ostfildern „in die Lage versetzt, auf die Herausforderungen des Klimawandels zu reagieren“. Das Land Baden-Württemberg unterstützt die Große Kreisstadt bei der Erstellung des Konzepts mit 4 Euro pro Einwohner. Parallel dazu hat die Stadt bereits einige konkrete Projekte umgesetzt, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Die kommunale Wärmeplanung hat die Stadt Ostfildern als eine der ersten Städte im Landkreis Esslingen auf den Weg gebracht. Im Ausschuss für Technik und Umwelt hat Carina Hornung, die Leiterin des Fachbereichs, einige der konkreten Schritte zum Klimaschutz vorgestellt. Um mehr Menschen zum Umstieg aufs Fahrrad zu bewegen, hat die Stadt das Radwegenetz weiter ausgebaut, zum Beispiel in der Breslauer Straße in der Parksiedlung.
„Uns geht es darum, Projekte für den Klimaschutz auf den Weg zu bringen“, sagte Oberbürgermeister Christof Bolay in der Sitzung des Gemeinderats im Stadthaus. Als gelungene Beispiele nannte er den Pop-up-Hitzeschutz am Stadthaus im Scharnhauser Park und die geplanten Trinkbrunnen in den Stadtteilen. Die Fördermittel, die das Land nun für das Klimaanpassungskonzept bewilligt, sieht Bolay als Chance, den Prozess weiter voranzubringen.
Dass das Land die Großen Kreisstädte und die Landkreise verpflichtet, solche Konzepte zu erstellen, und diese auch fördert, lobte Steffen Kaiser (Freie Wähler). „Es scheint, wenigstens das Land hat verstanden: wer bestellt muss auch bezahlen.“ Dass Ostfildern gerade in Sachen Hochwasserschutz und Starkregenmanagement vorbildlich aufgestellt sei, betont Kaiser ausdrücklich. „So gut aufgestellt sollte es auch gelingen, ohne zusätzliche finanzielle Mittel ein schlüssiges Konzept zu erstellen. Wir sind gespannt auf das Ergebnis.“
Lokale Akteure in Klimaanpassung einbeziehen
Axel Deutsch (CDU) legt Wert darauf, in den Prozess die lokalen Akteure einzubeziehen. Landwirte, Stadtwerke und Unternehmen müssten in den Prozess einbezogen werden: „Wir müssen das Thema in die Bevölkerung tragen.“ Die Folgen des Klimawandels sind nach seinen Worten für jeden spürbar: „Die Anzahl der Hitzetage und tropischen Nächte steigen, Starkregenereignisse und Stürme nehmen ebenfalls zu.“ Bei der Konzeption soll es darum gehen, welche Maßnahmen die Stadt Ostfildern ergreifen muss, um mit diesen Veränderungen in Zukunft umgehen zu können.
Es sei zu wünschen, dass ein möglichst hoher Betrag von den Fördermitteln in konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung wie zum Beispiel Trinkbrunnen und Schattenplätze fließe, sagte Martina Sandhorst-Schäfer (SPD). Zuerst ist nach ihren Worten aber die Erstellung eines fundierten Konzepts wichtig und auch vorgeschrieben. Die Kommunalpolitikerin sieht hinsichtlich des Mobilitätskonzepts „Frustrationspotenzial“. Dies betreffe zum einen die Mobilitätsstation am Kreuzbrunnen. „Es scheinen oft andere Ausgaben, die nicht den Klimaschutz oder die Klimaanpassung zum Ziel haben, wichtiger.“ Auch der Landkreis habe aus Kostengründen die Linienbündel für den Busverkehr in reduzierter Form ausgeschrieben.
Auf ein umfassendes Konzept legt Anja Raatzsch (Grüne) großen Wert, denn sonst blieben die Projekte punktuell. Dennoch sind aus ihrer Sicht kleine, aber konkrete Schritte unverzichtbar. „Man sieht, dass auch Ostfildern Schritte unternimmt, um unsere Stadt klimaresistenter zu machen. Die kürzlich beschlossene Neugestaltung eines Platzes in der Otto-Schuster-Straße in Nellingen zeigt Raatzsch, „das selbst mit reduziertem Budgeteinsatz eine grünere Stadt möglich ist.“ Dabei entstehe der erste Trinkbrunnen der Stadt.
Verbraucher beim Klimaschutz in die Pflicht nehmen
Ein Problem für das Grundwasser und die Biodiversität ist für Jutta Zwaschka (Linke) die zunehmende Versiegelung von Böden, was gleichfalls nach ihren Worten Hitzestau verursacht. Das bereitwillige Opfern von Grünflächen, Wäldern und Ackerböden für Neubauten könne so nicht weitergehen. Da nimmt Zwaschka die Verbraucher in die Pflicht, die Energie und Wasser „gedankenlos“ verschwendeten. „Hier geht es nicht um Ideologie, sondern um konkrete Vorsorge“, sagte Joachim Werner (FDP). Da denkt er an Hochwasserschutz, Hitzevorsorge, Trinkbrunnen oder Gebäudedämmung.