Anette Benner beim Bemalen von Ochsen. Seit etwas mehr als einem Jahr hat die Firma Holzspielwaren Ackermann ihren Sitz in Kemnat. In der offenen Werkstatt werden unterschiedlichste Figuren von Hand hergestellt und bemalt. Im Advent boomt das Geschäft. Foto: Caroline Holowiecki

Handgefertigte Holzspielwaren aus Kemnat (Kreis Esslingen) erleben einen Boom. Besonders in der Vorweihnachtszeit sind die Krippenfiguren gefragt. Was macht die Werkstatt so besonders?

Ochsen, Ochsen, immer wieder Ochsen. In aller Seelenruhe nimmt sich Anette Benner ein Holztier nach dem anderen vor, bemalt mit einem feinen Pinsel erst die Körper in einem Erdnussbutter-Farbton, dann werden etwas heller die Hörner und die Schnauzen herausgearbeitet, und am Schluss kommen die Äuglein drauf. Unaufhörlich.

 

„Heute ist Ochsentag“, sagt sie lachend, während die kleine Herde auf dem Tisch vor ihr stetig wächst. Das Kleinteilige, das liegt ihr, wie sie sagt. „Ich puzzle daheim auch gern, ich kann mich da verlieren“, sagt Anette Benner. Und ja, sie wird noch ein bisschen durchhalten müssen mit ihren vielen Ochsen. Die Tiere gehören zur Krippe dazu, und gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit haben die bei Holzspielwaren Ackermann Hochbetrieb. Hirten und Könige, Marias, Josefs und Jesuskinder stapeln sich in Regalen und Kisten.

Ackermanns Geschichte – erst seit 2024 in Ostfildern

Erst seit dem Oktober 2024 hat die Firma ihren Sitz im Gewerbegebiet von Kemnat, einem Ortsteil von Ostfildern. Dabei ist sie schon deutlich älter. Der Grundstein wurde in Oberschwaben gelegt. „1980 war der Gründer Manfred Ackermann das erste Mal in Schwabing auf dem Markt“, berichtet der heutige Chef Joshua Golms. Angefangen habe alles mit einem Holzpferd, das der Gründer, ein Maschinenschlosser, in seiner Garage für seine Tochter hergestellt hatte, „und so hat es sich entwickelt, dass viele Leute nachgefragt hatten“. Die Resonanz sei derart positiv gewesen, dass 1990 ein Business gegründet wurde.

Der Namensgeber schafft laut Joshua Golms bis heute von daheim aus mit, hat das Geschäft aber mittlerweile in jüngere Hände gelegt. „Ich war als kleiner Bub früher immer in der Werkstatt“, sagt Joshua Golms (35), selbst gelernter Schreiner und Architekt. Durch Zufall habe er von der Nachfolgersuche erfahren, „und ich habe gesagt, es ist zu schön, um es sterben zu lassen“.

Liebe, Sicherheit und Nostalgie: Handarbeit aus Ostfildern

Nach Ostfildern ging’s schließlich der Liebe wegen. Joshua Golms Partnerin stammt aus der Region. Das Paar hat zwei kleine Kinder. Ein Bettchen steht in der helle Werkstatt, im Verkaufsraum ist eine Spielecke aufgebaut. Schließlich geht es ja um Kinder.

Entsprechend wird bei der Produktion der Figuren auf die Sicherheit der Kleinen geachtet. Joshua Golms betont, dass die Farben speichelfest und ungiftig sind. Verwendet werde nur regionales Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Und gearbeitet wird von Hand. Zunächst wird die spätere Form des Tieres per Stempel auf den Rohling übertragen, dann kommen eine Bandsäge und eine Schleifscheibe zum Einsatz. Schließlich wird die Spielzeugfarbe händisch aufgetragen. Vielen Kundinnen und Kunden sei das alles wichtig, deswegen seien sie auch bereit, für „made in Kemnat“ mehr zu zahlen als für Chinaware oder Plastik. „Jungen Familie und ganz klar Großeltern“, sagt Joshua Golms, denn ja, die Holzfiguren haben auch etwas Nostalgisches. „Viele gucken und schwelgen in Erinnerungen.“

250 unterschiedliche Figuren gehören zum Ackermann-Portfolio. Giraffen, Nilpferde, Igel, Delfine. Besonders beliebt seien aktuell Füchse, Pinguine und Einhörner, „danach kommen schon die Krippenfiguren“, sagt Joshua Golms. Hauptabnehmer seien hierfür Kindergärten, aber auch bei jungen Familien seien Maria, Josef und Co. beliebt – allen Meldungen über Mitgliederschwund in den Kirchen zum Trotz.

„Für viele gehört es einfach zu Weihnachten“ – Krippen im Trend

In diesem Jahr würden wieder mehr Krippen gekauft, „für viele gehört es einfach zu Weihnachten“, sagt er. Vera Münch, seine Partnerin, glaubt, dass es dabei mehr um die Tradition und weniger um den religiösen Kontext geht. „Wie bringt man Kindern sonst den Ursprung des Festes bei?“, fragt sie. Die Firma jedenfalls reagiert. Für besonders Designaffine gibt es seit diesem Jahr eine puristische unbemalte Krippe, zudem wurde ganz neu eine Hirtin auf den Markt gebracht. „Da sagt jeder: Au ja, dass es das noch nicht früher gab“, erzählt Joshua Golms.

Chef Joshua Golms mit Kisten voller Nachschub. Foto: Caroline Holowiecki

Das Unternehmen Ackermann ist klein. Drei Personen arbeiten in der Produktion, fünf malen. Das war’s. „Wir wollen gar nicht so groß werden. Wir wollen das Produkt so vertreten, wie es unserer Philosophie entspricht“, sagt Joshua Golms. Dennoch will man mit der Zeit gehen. Die Figuren sehen zwar seit Jahrzehnten gleich aus, regelmäßig kommen aber neue dazu, um den Geschmack der Kundschaft zu treffen. Bald soll es beispielsweise Dinos geben, die Prototypen sind bereits fertig, kündigt Joshua Golms an. „Man kann nie sagen, was nächstens Jahr in ist. Letztes Jahr haben wir fast keine Nikoläuse gebraucht, dieses Jahr mussten wir schon dreimal nachproduzieren.“

Wo findet man die Produkte der Firma Ackermann?

Vertrieb
Im klassischen Einzelhandel sind die Figuren von Holzspielwaren Ackermann nicht erhältlich. Sie werden online vertrieben, und auf Märkten ist die Firma auch präsent. Am vierten Adventswochenende beispielsweise wird sie auf dem Esslinger Weihnachtsmarkt einen Stand haben, auch auf dem Kunsthandwerkermarkt auf dem Stuttgarter Karlsplatz ist sie täglich bis zum 23. Dezember noch zu finden. Das Ladengeschäft an der Schönbergstraße in Kemnat ist donnerstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, außerdem an jedem ersten Samstag von 10 bis 14 Uhr.

Workshops
Die Firma Ackermann richtet auf Anfrage für Gruppen auch Workshops im Bemalen von Figuren aus, das Angebot soll künftig ausgebaut werden. Kontaktmöglichkeiten findet man online auf www.holzspielwaren-ackermann.de. car