Vier Jahre Haft – so lautete das Urteil gegen den 39 Jahre alten Mann aus Ostfildern, der seinen Vorgesetzten angegriffen und an Hals und Bauch verletzt hat. Foto: dpa

Als versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung wertete die Richterin am Landgericht den Messerangriff eines 39 Jahre altem Mannes auf seinen Chef. Sie schickte den Mann für vier Jahre hinter Gitter.

Ostfildern - Das Opfer hatte Glück. Die Schnitte des Angreifers führten nur zu leichten Verletzungen am Hals und am Bauch. Trotzdem sah die Vorsitzende Richterin Regina Rieker-Müller die Tatmerkmale des versuchten Totschlags sowie der gefährlichen Körperverletzung als erfüllt an. Dass der 39-Jährige die Angriffe auf seinen 33-jährigen Vorgesetzten nicht selbst einstellte, sondern von Kollegen aufgehalten werden musste und das Opfer nur entkam, weil es floh, wirkte sich strafverschärfend für den zweifachen Familienvater aus. Mit der Verurteilung zu vier Jahren Haft lag das Schwurgericht ein halbes Jahr über der Forderung der Staatsanwaltschaft, wie der Pressesprecher des Landgerichts Johannes Fridrich am Dienstag bestätigte. Die Verteidigung hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert.

Opfer fühlte sich ungerecht behandelt

Im Zuge des Verfahrens arbeitete das Gericht heraus, was genau den Angestellten einer Logistikfirma im Ostfilderner Stadtteil Kemnat zu der brutalen Attacke am 12. Oktober des vergangenen Jahres trieb. Die Stimmung in dem Unternehmen sei schlecht gewesen, seit das Opfer zum Teamleiter befördert worden sei. Dies hat der Täter der Geschäftsleitung in einem anonymen Brief mitgeteilt. Dem Angegriffenen bescheinigte die Richterin wenig Führungsqualitäten. Er sei autoritär und ehrabschneidend gegenüber seinen Mitarbeitern gewesen, wie die Richterin aus verschiedenen Zeugenaussagen schloss. Am Tag der Tat habe das Opfer den Täter morgens wegen einer Verspätung angesprochen, sagte der 33-Jährige aus. Der Verurteilte erklärte, er habe an diesem Tag seine Tochter vor der Arbeit noch zum Kindergarten bringen müssen.

Über den Vormittag habe der Täter gemäß Zeugenaussagen die Wut über den Chef in sich hineingefressen. Offenbar habe er sich zum wiederholten Mal von seinem Teamleiter ungerecht behandelt gefühlt. Nach der Mittagspause sei es dann zu dem Angriff mit einem Cutter gekommen.

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