Die Bauarbeiten an der Heumadener Straße in Kemnat sind auf der Zielgeraden. Foto: Ines Rudel/Ines Rudel

Die fast einjährige Durststrecke für die Geschäftsleute hat bald ein Ende. Ab dem 22. März rollt der Verkehr wieder über die Heumadener Straße.

Ab dem 22. März rollen die Busse wieder auf der Heumadener Straße durch den Ortskern von Kemnat. „Die letzten Arbeiten laufen noch, aber das schaffen wir“, sagt Christoph Ruth von der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Ostfildern. Damit endet auch die lange Durststrecke für die Geschäftsleute, deren Läden oder Lokale zum Teil nur noch schwer erreichbar waren. Bis zum 31. März werde noch am Straßenrand gearbeitet. Der Platz am Hirschbrunnen wird ab dem 24. März erneut für eine Woche gesperrt. „Die Arbeiten an der Ortsdurchfahrt waren so komplex, da sind wir mit drei Wochen Bauverzögerung hoch zufrieden“, zieht der Projektleiter Christoph Ruth schon jetzt eine positive Bilanz. Der Hauptgrund für die Verzögerung aber waren nach seinen Worten die Nachtfröste.

 

Ab Samstag, 22. März, werden die Busse nach seinen Worten wieder die gewohnte Strecke fahren. Weil noch Mülleimer und Fahrradständer anzubringen sind, wird am Straßenrand noch bis Ende März gearbeitet. „Das stört den Verkehrsfluss aber nicht.“ Dass der Bus bald wieder über die Ortsdurchfahrt rollen kann, sorgt bei vielen Eltern der Kinder in der Pfingstweideschule für Erleichterung. Denn die Busse aus Esslingen fuhren täglich an der Schule vorbei. „Mit guter Kommunikation“ habe man aber auch diese Schwierigkeit bewältigt, sagt Christoph Ruth.

Das Zentrum mit einem Supermarkt wird wohl erst 2027 fertig. Foto: Ines Rudel

Ostfildern will mehr Grünflächen schaffen

Im April pflanzen die Arbeiter dann die ersten Bäume. „Die Begrünung ist ein wichtiger Baustein des städtebaulichen Konzepts“, sagt Reinhardt Kampmann, der Geschäftsführer der SEG. Gerade in Zeiten des Klimawandels sind grüne Oasen in den Zentren als Schattenräume von wachsender Bedeutung. Neu gestaltet hat die Stadt Ostfildern auch den Platz am Hirschbrunnen. „Da schwebt uns eine vielfältige Nutzung vor“, sagt Kampmann. Im Alltag soll der kleine Platz zum Verweilen einladen. „Es wäre auch schön, wenn ihn die Vereine für ihre Feste nutzen“, findet der Chef der SEG.

Das Einkaufen in Kemnat werde künftig deutlich angenehmer. Da die meisten Geschäfte an der viel befahrenen Ortsdurchfahrt Heumadener Straße liegen, haben die Planer Gehwege und Fahrbahn noch besser getrennt. „Es ging uns darum, Kemnat als Einkaufsstandort aufzuwerten“, sagt Kampmann. Dass die Geschäftsleute durch die lange Sperrung stark behindert waren, räumt Christoph Ruth ein. „Wir haben versucht, durch gute Kommunikation die Lage zu erleichtern.“

Einzelhändler leiden unter Baustelle in Kemnat

Viele Einzelhändler berichten, dass angesichts der Großbaustelle die Kundenfrequenz deutlich nachgelassen hat. Der Netto-Markt hat seit einem Jahr geschlossen, und Anfang 2025 machte auch der Tierbedarfshändler Fressnapf zu. Die engagierten Mitglieder des Bunds der Selbstständigen und andere ließen sich davon nicht beirren. An den Ortseingängen haben sie Plakate aufgehängt. Solange es keinen Supermarkt in Kemnat gibt, haben sie ihr Angebot erweitert, damit die Nahversorgung für alle gesichert ist. Der Versuch der Stadt, eine Interimslösung in den Stadtteil zu holen, war nicht erfolgreich.

Wie sind die Kemnater Geschäftsleute nun mit der neu gestalteten Straße zufrieden? „Ich freue mich, wenn die Bäume gepflanzt werden“, sagt Riad Al Salman, der den Laden mit Obst, Gemüse und Bioprodukten führt. Dass der Platz am Hirschbrunnen vor seinem Laden umgestaltet wurde, gefällt dem Geschäftsmann. Große Einbußen habe er nicht erlitten, „denn ich habe viel Stammkundschaft, die Umwege in Kauf genommen hat.“ Er weiß aber, dass die Läden, die direkt an der Baustelle liegen, große Probleme hatten. Anders sieht das Sabine Gehrung, die einen Blumenladen an der Hauptstraße hat: „Die Laufkundschaft fehlt.“ Die einjährige Sperrung hat aus ihrer Sicht dazu geführt, dass viele ihrer Kolleginnen und Kollegen „mit starken Einbußen zu kämpfen hatten.“ Zwar sei die Heumadener Straße jetzt umfassend saniert, „aber es fallen viele Parkplätze weg und die Straße wird enger.“

Kemnat bekommt erst in zwei Jahren wieder einen Supermarkt

Nicht zufrieden ist auch Christoph Köhler, der seinen Spielwarenladen „Die Vitrine“ Mitte des Jahres schließen will. Die lange Bauzeit war für ihn „einer der Gründe, warum ich aufhöre“. Viel Kundschaft sei da weggeblieben, weil die Geschäfte nicht mehr gut zu erreichen waren. Köhler kann sich nicht vorstellen, „dass man für ein so kurzes Straßenstück so lange braucht.“ Das ist für ihn „ein Unding“.

Bis es in Kemnat wieder einen Supermarkt gibt, werden noch zwei Jahre vergehen. Dann soll das neue Zentrum an der Ortsdurchfahrt fertig sein, das ein privater Investor baut. Dort wird es einen Rewe-Supermarkt geben, der 1000 Quadratmeter Fläche hat. „Dem Netto-Markt konnten wir nur 400 Quadratmeter anbieten“, sagt Christoph Ruth. Das war nach seinen Worten „einfach zu wenig, um eine Perspektive an dem Standort zu haben.“

Perspektiven für die Ortsmitte

Städtebauförderung
Das Sanierungsprojekt Heumadener Straße im Ostfilderner Stadtteil Kemnat wurde vom Land Baden-Württemberg aus zwei verschiedenen Töpfen gefördert. Die Mittel kamen über die Städtebauförderung sowie über das Landesverkehrsfinanzierungsgesetz.

Neues Zentrum
Mit dem Neubau eines Zentrums an der Heumadener Straße bekommt der Stadtteil eine neue Perspektive. Dort werden neben einem Vollsortimenter, den Rewe betreibt, eine Kindertagesstätte sowie Wohnungen für Seniorinnen und Senioren Platz finden.