Ultraorthodoxe Juden backen Matze: ein dünner Brotfladen, der von religiösen und traditionsverbundenen Juden während des Pessach-Festes gegessen wird. Matze wird aus Wasser und einer der fünf Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer oder Dinkel ohne Triebmittel gefertigt. Foto: dpa/Nati Shohat

Ostern ist das höchste Fest der Christen so wie Pessach das höchste Fest der Juden ist. Beide sind Gedächtnisfeiern und stehen im Zentrum des Glaubens beider Weltreligionen.

Stuttgart - „Pésach Sameach“ bedeutet auf Hebräisch „Fröhliche/Frohe Ostern“. Pessach ist das wichtigste Fest des Judentums und bedeutet „Vorüberschreiten“. Das Fest erinnert an den Exodus, die Geburtsstunde des jüdischen Volkes – den Auszug und die Befreiung der Israeliten aus ägyptischer Sklaverei.

Pessach – das höchste jüdische Fest

Da Pessach mit dem ersten Frühjahrsvollmond beginnt und acht Tage dauert, variiert sein Zeitpunkt. In diesem Jahr wird es vom 4. bis zum 11. April im jüdischen Frühlingsmonat Nissan gefeiert.

Es ist eines der drei zentralen Wallfahrtsfeste – neben Schawuot, dem Wochenfest, das 50 Tage (sieben Wochen plus einen Tag nach Pessach) und Sukkot, dem Laubhüttenfest, das im September oder Oktober begangen wird (fünf Tage nach dem Versöhnungstag ) und sieben Tage dauert.

Zur Erinnerung an die Leidensgeschichte ihres Volkes essen Juden essen Mazzen (ungesäuertes Brot) und wünschen sich „Chag Sameach“ (Fröhliches Fest). Die Familien lesen im Buch der „Pessach-Haggada“, in dem die biblische Exodus-Erzählung aufgeschrieben ist.

Ostern – Gedächtnisfeier der Auferstehung Christi

Das christliche Osterfest (lateinisch: Pascha) wird am Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond gefeiert. Wie Pessach ist es eine Gedächtnisfeier, an dem der Auferstehung Jesu Christi gedacht wird. Dessen Tod und Auferstehung fielen laut Neuem Testament in eine Pessach-Woche, weshalb der Termin des flexiblen jüdischen Hauptfestes auch das Datum der christlichen Osterfeier bestimmt.

Ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. wurde Ostern als Dreitagefeier (lateinisch: Triduum Sacrum oder Triduum paschale) begangen. Seitdem erstrecken sich die Gottesdienste von der Feier des Letzten Abendmahls am Gründonnerstagabend, dem Vorabend des Karfreitags über den Karsamstag – den Tag der Grabesruhe Christi – bis zum Anbruch des neuen Ostersonntags in der Osternacht.

Ostersonntag markiert den Beginn der österlichen Freudenzeit. Sie dauert 50 Tage bis zum Pfingstfest, an dem die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die in Jerusalem versammelten Jünger Jesu und seine Mutter Maria gefeiert wird. I

Schlachttag der Pessach-Lämmer

Die Kreuzigung Jesu fand nach Aussage der drei synoptischen Evangelien des Neuen Testamentes von Markus, Matthäus und Lukas am Hauptfesttag des jüdischen Pessach – dem 15. Nisan – statt. Nach dem Johannesevangelium starb Jesus am 14. Nisan zu derselben Zeit, als die Juden die „Pessach-Lämmer“ im Tempel zu Jerusalem schlachteten.

Was Pessach und Ostern gemeinsam haben

Zwischen dem jüdischen Pessach und dem christlichen Ostern gibt es aber noch eine weitere Parallele: So wie Jahwe, der Gott Israels, seinem Volk die Freiheit wieder schenkte, als er es im „Exodus“ aus dem „ägyptischen Sklavenhaus“ herausführte, befreite Jesus Christus durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung die Menschen von Tod und Sünde. Deshalb erinnern die Christen im Gottesdienst der Osternacht auch an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten.

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