Beim Schmücken des Fellbacher Bacchus-Brunnens bringen sich 25 Helferinnen und Helfer ein. Foto: Eva Herschmann

Zum 25. Mal haben die Fellbacher Landfrauen den Bacchus-Brunnen an der neuen Kelter mit Osterkrone, Eier-Girlanden, Blumen und viel Grün österlich geschmückt.

Mit kritischem Blick hat Birgit Burgel vom Vorstandsteam der Landfrauen in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) den Bacchus-Brunnen auf dem Platz vor der neuen Kelter umrundet. Ihr ist sofort aufgefallen, dass die Bögen der Girlande aus Scheinzypresse, Eibe und anderem Grün rund um das steinerne Wasserbassin nicht auf einer Ebene hängen – und beim 25. Osterbrunnen soll alles perfekt sein.

 

 Die rund 25 Helferinnen und Helfer, die am Samstagmorgen zum Arbeitseinsatz gekommen sind, haben sich also noch mal ans Werk gemacht. Sie haben hier gezupft und da das Grün neu zusammengebunden. Nach gut zwei Stunden sind alle zufrieden gewesen und haben sich vor Ort mit Hefezopf, Käselaugenstangen, Lauchschneckennudeln und Schinkenhörnchen gestärkt.

Osterbrunnen-Tradition: Von Franken bis nach Baden-Württemberg

In der fränkischen Schweiz sind Osterbrunnen weit verbreitet und hatten vermutlich auch dort ihren Ursprung. Das Wasser galt damals als knapp und als Ursprung allen Lebens, und so wurden seit Anfang des 20. Jahrhunderts die Dorfbrunnen in der Karwoche mit bunt bemalten Ostereiern geschmückt. In den 1980er Jahren verbreitete sich dieser Osterbrauch in weiten Teilen Süd-, Mittel- und Ostdeutschlands und ist längst auch in Baden-Württemberg angekommen. Bei vielen Landfrauenvereinen im Rems-Murr-Kreis von Althütte bis Rudersberg gehört das Osterbrunnenschmücken längst zur jährlichen Tradition.

Das Osterbrunnen-Schmücken hat in Fellbach eine lange Tradition. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv

In Fellbach verschönern die Landfrauen seit dem Jahr 2000 mit viel Einsatz und Handarbeit das Wasserspiel am Fuß des Kappelbergs, das seit dieser Woche auch wieder munter vor sich hin plätschert. „In den Corona-Jahren haben wir zweimal ausgesetzt, deshalb ist es in diesem Jahr der 25. Osterbrunnen“, sagt Birgit Burgel. Und es ist ein ganz besonders prächtiger geworden.

„Für manches brauchen wir aber auch die Männer“

Die Dekoration mit mehr als 1000 Plastikeiern ist üppig wie immer. Rund 60 Meter Eier-Girlanden, mehr als 80 Meter gebundenes Grün – „Das wird immer dienstags davor bei Familie Heid im Hasentanz wie ein Adventskranz gebunden“, sagt Birgit Burgel – dazu grüne, gelbe und weiße Bänder, blühende Gestecke mit Osterglocken, Traubenhyazinthen, Stiefmütterchen und kleinen Hasenfiguren zieren jetzt den Brunnen.

Die weibliche Hand ist nicht zu übersehen. „Für manches brauchen wir aber auch die Männer“, sagt Gerti Di Filippo, die mit Birgit Burgel und Doris Krauß das Vorstandsteam bildet. Etwa, um die Bögen der Osterkrone, um die sich die Eiergirlanden ranken, am Brunnenrand zu befestigen. Aber auch für höhere Aufgaben auf der Leiter sind sie gut. So hat Renato Di Filippo der schwindelfreien Sonja Joos assistiert. Gemeinsam haben sie Hasen aus Draht und Emailleschilder in der Osterkrone aufgehängt, die Fellbachs Landfrauen als Schöpferinnen des Osterbrunnens ausweisen und dazu zwei neue, schön gestaltete Hinweistäfelchen, die kundtun, dass es der 25. Osterbrunnen ist.

Zum Jubiläum haben die Fellbacherinnen mehr gemacht als sonst. Zum ersten Mal haben sie dem Brunnen nicht nur die Krone mit Ostereier-Girlanden aufgesetzt, sondern auch die Stele, auf der Bacchus thront, mit einer ganz besonderen und besonders bunten Eier-Girlande verziert. „Alle unser Mitglieder, insgesamt haben wir 174, haben dafür ein Ei ganz individuell gestaltet“, sagt Birgit Burgel stolz. Alle sind sich einig, dass der Brunnen damit noch schöner aussieht als sonst. Auch der bronzene Bacchus, der von dem 2020 verstorbenen Schmidener Bildhauer Günther Decool geschaffen worden war, hat ein Accessoire bekommen, eine bunte Bänder-Krawatte passend zum Osterbrunnen. „Ich finde, damit sieht er noch viel besser aus“, sagt Sonja Joos.

Jetzt hoffen die Landfrauen, dass der Jubiläums-Osterbrunnen nicht zerstört wird. „In den vergangenen Jahren ist es schon mal vorgekommen, dass die Eiergirlanden zerschnitten und die Plastikeier zerdrückt wurden“, sagt Birgit Burgel. Und gerade das Auffädeln der Eier mache viel Arbeit, die allerdings nicht nur anfällt, wenn Vandalen wüten. „Mit der Zeit wird der Plastikfaden porös und bricht, und dann müssen wir wieder ran“, sagt Birgit Burgel.