Einfach riesig: Goldhasen von Lindt im Großformat in einem Garten in Eschenbach. Foto: Tilman Ehrcke

Sie kamen einst als Kaufhaus-Deko von Lindt in die Welt – jetzt sind die beiden Goldhasen in Eschenbach im Kreis Göppingen Hingucker für Passanten. Das ist ihre Geschichte.

Es sind zwei stille Stars, die da goldglänzend in einem Eschenbacher Vorgarten stehen. Sie wirken wie einem Supermarkt entsprungen und unglaublich gewachsen. Gestatten: Lindt-Goldhasen im XXL-Format. Die Ohrenspitzen reichen einem Erwachsenen locker bis zur Hüfte.

 

Nanu, gibt es das? Da bleiben immer wieder Leute stehen, lächelt Carsten Lindner, der die Hingucker hierhergebracht hat. Schulklassen halten inne, wenn sie vorbeilaufen. Kinder kriegen große Augen. Der Blick von Busfahrgästen bleibt an ihnen hängen. Es halten sogar Leute an, erzählt Lindner. Sie steigen aus, machen ein Foto. Lindner und seine Familie haben auch schon gehört. „Sie sind doch das Haus mit den Hasen. Das Hasenhaus. Das Hasenheim.“ Er schmunzelt.

Familie reagiert begeistert auf die Osterhasen

Man könnte auch sagen: das Willkommenshaus für die Lindt-Hasen. Carsten Lindner hat sie gerettet. Geschaffen wurden die Maxi-Hasen als Kaufhaus-Dekoration, zu Werbezwecken von Lindt. Vielleicht 100 von ihnen mag es gegeben haben, erzählt Lindner. Gegossen aus Kunststoff, überzogen mit Goldfolie. Das war vor etwa 15 Jahren. Es war eine Einmal-Edition des Schweizer Schokoladen-Herstellers.

Zugelaufen sind die beiden dann dem Einzelhandels-Kaufmann Carsten Lindner in Berlin. Er führte dort ein Einkaufszentrum. Das war die angemessene Bühne für solche Hasen-Kunstwerke. „Die waren bei mir“, sagt Lindner, „und im KaDeWe.“ Also im berühmten Kaufhaus des Westens, nicht weit weg vom Kurfürstendamm. Da standen die Goldhasen aber nicht so wie jetzt auf dem Rasen. Sondern über und über drapiert mit richtigen Lindt-Schokohasen. Und zwischen ihnen war eine Bank, mit rotem Bezug, wie das Rot der Goldhasen-Schleife. Mit der Bank waren sie verschraubt.

Im kleinen Format stehen die Osterhasen in Scharen in den Supermärkten. Foto: imago/Bihlmayerfotografie

Einfach zu schön. Als Ostern damals rum war, rief der Einkaufscenter-Chef bei Lindt an: Könnt ihr mir die Hasen dalassen? Ich zahl auch was. Das wurde dann eine ergebnisoffene Verhandlung, lässt er durchblicken. Die Schweizer mussten erst drüber nachdenken, wegen der Markenrechte und so. Aber dann: Ja, sie verkaufen. Lindner: „Die wären sonst auf dem Müll gelandet.“ Er hatte zuvor seine Familie gefragt: Was sagt ihr dazu? Denn das war ja ein richtiger Familienzuwachs, möbelgroßes Inventar für die Wohnung oder den Wintergarten. Er fand Begeisterung. Und die war’s dann auch. Schwager Michael Seger holt ein Foto, auf dem die Eltern auf der Bank sitzen, zwischen den Goldhasen, und sich königlich freuen.

So kamen die Hasen nach Eschenbach. Erst waren sie im Haus. Aber als es wieder mal auf Ostern zuging, hat die Familie gesagt. „Wir stellen sie raus.“ Da schauen sie auf die Straße. „Das sieht hübsch aus.“

Vier Wochen vor Ostern kommen die Lindt-Hasen ins Freie

So geschieht es seither Jahr für Jahr, und die XXL-Lindt-Hasen gehören längst zu Eschenbach. Man muss betonen: Der Garten selbst ist eine einzige Osterdekoration. Dafür sorgt Lindners Schwester mit Ostereiern am Strauch gleich daneben, mit Blumen und Sinnsprüchen auf Schritt und Tritt. Auch der Wintergarten ist einmalig, von Kunst und Deko eingerahmt.

Vier Wochen vor Ostern kommen die Hasen raus ins Grüne. Vier Wochen im Jahr glänzen sie bei Sonne, Wind und Wetter. Das hat über die Jahre an ihnen gezehrt. Die Männer im Haus haben schon gesagt: Wir müssen was tun. Michael Seger wird sich darum kümmern. Die porös gewordenen Kunststoff-Körper wird er mit Epoxidharz und Glasfasermatte ertüchtigen. Und für den Lack nimmt er Goldspray. Hat er zwar noch nie gemacht, lächelt er, aber dem Heimwerker ist nichts zu schwer. Wer genau hinguckt: Nur ein Hase hat noch sein Goldglöckchen. Vorne, an der Schleife. Aber macht nichts. „Wir machen Neue, mit 3D Drucker“, sagt Lindner.

Wunsch nach Riesen-Nikolaus geht nicht in Erfüllung

Carsten Lindner, der ursprünglich aus Uhingen stammt, liebt gute Dekoration. Als mal das Thema Kirschblüten in seinem Einkaufscenter Einzug hielt, wollte er dazu auch Vogelgezwitscher. Das hat sich umsetzen lassen. Und es gibt ja auch den Lindt-Nikolaus. Der hat auch seine besondere Form. Kennt auch jeder. Als die Schweizer Schokoladen-Meister mal einen Super-Weihnachtsmann mit drei Kilo auflegten, hat er sie gefragt: Wollt ihr den Nikolaus nicht auch als Deko in groß machen? Die Schweizer winkten ab. Und die Osterhasen-Aktion blieb einmalig. Das macht Lindners zwei goldglänzende Exemplare noch einmal besonders: „Das sind Unikate.“

Wer hat’s erfunden?

Geschichte
 Die Lindt-Goldhasen gibt es seit 1952. Nach einer Geschichte auf der Homepage von Lindt hat ein Maitre Chocolatier von Lindt den Goldhasen erfunden, nachdem seine Tochter an Ostern, beim traditionellen Osterbrunch, durchs Fenster einen echten Hasen im langen Gras entdeckte. Sie fragte die Eltern: darf ich mit ihm spielen? Aber wie sie nach draußen ging, war der Hase auch schon weg. Der Goldhase vom Papa sollte sie trösten. Von nun an fand sie an Ostern ihren Goldhasen im Garten. So passen die Goldhasen im Garten in Eschenbach fabelhaft zu dieser Geschichte.

Vermarktung
Die Goldhasen passen auch zu Deutschland, weil sie laut Lindt zuerst hier auf den Markt kamen und zu einem Verkaufsschlager wurden. Erst viel später seien sie auch in die Schweiz und nach Österreich gehoppelt, heißt es weiter von der Schokoladenfirma.