Wie schon bei Kuka und Aixtron grätscht Minister Gabriel nun auch bei Osram dazwischen. Foto: dpa

Ein Verkauf der Osram-Tochter Ledvance an die Chinesen wäre der für alle Seiten bestmögliche Deal. Er sollte nicht wegen durchschaubarer politischer Muskelspiele blockiert werden, meint Wirtschaftskorrespondent Thomas Magenheim. .

München - Wenn falsche Industriepolitik dilettantisch ausgeübt wird, macht sie sich lächerlich. Dieses Spektakel vollzieht sich gerade im Bundeswirtschaftsministerium von Sigmar Gabriel. Der SPD-Politiker hat es zur Rettung deutscher Hochtechnologie verdonnert und in nun drei weitgehend bis völlig untauglichen Fällen eingegriffen. Für den Augsburger Roboterbauer Kuka hat Gabriel vergeblich einen weißen Ritter aus Deutschland gesucht, obwohl Kuka händeringend vom chinesischen Midea-Konzern übernommen werden wollte. Der Aachener Chip-Anlagenbauer Aixtron benötigt dringend Hilfe und hat sich friedlich mit chinesischen Investoren geeinigt. Wieder grätscht Gabriel dazwischen, auch wenn das zum Teil einer US-Intervention geschuldet ist.

Vollends lächerlich werden seine Bremsmanöver aber nun im Fall der Osram-Tochter Ledvance, die das krasse Gegenteil von Hightech ist. Ledvance baut altmodische Neonröhren und Stromsparlampen auslaufender Generation. Im Westen haben solche Produkte keine lange Zukunft mehr. Es ist ein Glücksfall, dass ein chinesisches Konsortium das Geschäft übernimmt. Die Zeiten in der modernen Lichtbranche sind hart, der technologische Wandel rasant und kostspielig. Einen zum langsamen Sterben verurteilten Sanierungsfall mit sich herumzuschleppen, kann Osram sich nicht leisten, und für Ledvance sieht es unter chinesischer Regie weniger schlecht aus. Die Erwerber aus dem Reich der Mitte haben Standort- und Beschäftigungsgarantien bis Ende 2018 gegeben. Osram hätte das nicht getan. Die Chinesen haben sich zudem verpflichtet, bei Osram Lichtchips im Wert von 300 Millionen Euro zu kaufen. Es ist der für alle Beteiligten bestmögliche Deal.

Das wegen durchschaubarer politischer Muskelspiele zu gefährden ist fahrlässig. Selbst Gewerkschafter zittern weit weniger vor Chinesen als vor manchem westlichem Finanzinvestor. Langfristgarantien, wie sie Chinesen bei Kuka abgerungen wurden, hätte kein westlicher Erwerber gegeben. Natürlich ist eine feindliche Übernahme von Osram ein denkbares Szenario. Aber die Erfahrung lehrt, dass das Wort feindlich in der Wirtschaft durch genug Geld relativiert werden kann. Falls bei Osram die Dinge wirklich aus dem Ruder laufen, kann die Politik immer noch eingreifen.

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