Kutte eines Mitglieds der rockerähnlichen Gruppe „Osmanen Germania Boxclub“ Foto: dpa

Auf eine Grünen-Anfrage räumt Innenressort ein, die Umtriebe der Osmanen nie gegenüber der Türkei thematisiert zu haben. Für Cem Özdemir ein Skandal.

Stuttgart - Die Bundesregierung hat bislang die Aktivitäten der rockerähnlichen Gruppierung „Osmanen Germania Boxclub“ nie bei ihren Gesprächen mit der türkischen Regierung zur Sprache gebracht. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor, die unserer Zeitung und dem ZDF-Magazin Frontal 21 vorliegt. Demnach räumt das Ressort ein, „Sachverhalte mit Bezug“ zu den Osmanen mit ihren türkischen Gesprächspartnern „nicht thematisiert“ zu haben.

Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir empört die Regierungsantwort: „Das ist doch ein Skandal. Die Erkenntnisse hessischer Ermittler bis hin zu abgehörten Telefonaten Recep Tayyip Erdogans mit seinen in Deutschland aktiven Schergen werden unter den Tisch gekehrt.“

Mitgeschnittenes Telefonat zwischen Metin Külünk und dem türkischen Staatspräsidenten

Von diesen Telefonaten will die Bundesregierung offenbar nichts wissen. Sie behauptet, von einer „unmittelbaren Zusammenarbeit“ zwischen der türkischen AKP-Regierung und den Osmanen „keine Erkenntnisse zu haben“. Die jedoch liegen spätestens seit dem 12. April 2017 dem Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln vor, das dem Innenministerium unterstellt ist.

Frontal 21 und unserer Zeitung vorliegende Berichte belegen, dass in der Kölner Runde auch ein mitgeschnittenes Telefonat des in Berlin weilenden Erdogan-Vertrauten Metin Külünk mit dem türkischen Staatspräsidenten am 1. Juni 2016 zur Sprache kam. In dem geht es um die Organisation von Protesten gegen die Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages am folgenden Tag. Külünk hatte zu Protesten den Osmanen Germania Boxclub im vollen Ornat vor dem Brandenburger Tor in Berlin aufmarschieren lassen. Am selben Tag übergab der Erdogan-Freund Osmanen-Chef Mehmet Bagci Geld für Waffenkäufe.

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