Beamte eines Spezialeinsatzkommandos schützen in diesem Sommer das Verfahren gegen acht Mitglieder des Osmanen Germania Boxclubs vor dem Landgericht Stuttgart in Stammheim. Foto: Lichtgut

Polizisten fanden nur wenige der scharfen Waffen der Osmanen. Die halten im deutschen Grenzgebiet weiterhin engen Kontakt zueinander und bauen informelle Netzwerke auf. Die Gruppe war Erdogans bewaffneter Arm in Deutschland.

Stuttgart - Der Präsident des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, Ralf Michelfelder, fordert, verurteilte Anführer der inzwischen verbotenen rockerähnlichen Gruppe „Osmanen Germania Boxclub“ in die Türkei abzuschieben, sobald sie ihre Haftstrafen verbüßt haben. Das sagte Michelfelder unserer Zeitung sowie dem ZDF-Magazin „Frontal 21“ und der „Neuen Züricher Zeitung am Sonntag“: „Natürlich sind wir daran interessiert, Straftäter und insbesondere solche erheblichen Straftäter nicht mehr länger in Deutschland zu haben.“ Von dem Verbot wären Vize-Weltpräsident Selcuk Sahin und der frühere Stuttgarter Osmanen Statthalter Levent Uzundal betroffen. Weltpräsident Mehmet Bagci ist deutscher Staatsangehöriger.

Der LKA-Chef wies darauf hin, das bei Durchsuchungen im Zuge des Vereinsverbots nur ein geringer Teil ihres gehorteten Arsenals an Waffen gefunden wurde. „Wir haben aber Projektile und Hülsen gefunden. Wir wissen so, dass sie über Waffen verfügten und damit schossen. Irgendwo müssen die also sein.“

Die Waffenkäufe der Osmanen wurden durch einen Jugendfreund des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan, den Parlamentarier Metin Külünk, finanziert. Im Gegenzug sollten die Osmanen Kritiker Erdogans einschüchtern. Zudem rief Külünk zur Gewalt gegen in Deutschland lebende Kurden auf. Unsere Zeitung hatte nach fast zweijähriger Recherche erstmals im April 2017 über die politischen Bezüge hinter einem eskalierenden Rockerkonflikt zwischen Osmanen und kurdisch geprägten Angehörigen der „Bahoz“ („Sturm“) im Raum Ludwigsburg berichtet.

Waffenlieferant der Osmanen lebt im Rhein-Main-Gebiet

In Juli wurden die Osmanen durch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) verboten. Nach gemeinsamen Recherchen unserer Zeitung, des ZDF und der „NZZ am Sonntag“ sind führende Osmanen-Anführer in Nachbarländer umgezogen und halten im Grenzgebiet zur Schweiz, zu Österreich, den Niederlanden und Dänemark intensiven Kontakt zu alten Kumpanen, bauen wieder informelle Netzwerke auf. In Bosnien-Herzegowina gründeten sie wenige Tage nach dem Verbot in Deutschland einen Ableger.

Ein mutmaßlicher Waffenlieferant der Osmanen war früher Offizier der bosnisch-serbischen Armee. Er lebt heute im Rhein-Main-Gebiet als Bauunternehmer.

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