Oskar-Frech-Seebad Stadtwerke wollen Schäden einklagen

Von Oliver Hillinger 

Problembereich Beckenboden: Auf den Grund lösen sich großflächig Fliesen ab Foto: Gottfried Stoppel
Problembereich Beckenboden: Auf den Grund lösen sich großflächig Fliesen ab Foto: Gottfried Stoppel

Die Stadtwerke Schorndorf stehen wegen Fliesenschäden im vor sieben Jahre eröffneten Oskar-Frech-Seebad vor einem längeren Gerichtsverfahren. Der Gemeinderat hat grünes Licht für eine Klage gegeben.

Schorndorf - Die Stadtwerke Schorndorf stehen wegen Fliesenschäden im vor sieben Jahre eröffneten Oskar-Frech-Seebad vor einem längeren Gerichtsverfahren. Der Gemeinderat habe in seiner Februarsitzung nichtöffentlich grünes Licht für eine Klage gegeben, sagte der Schorndorfer Stadtwerkechef Andreas Seufer am Mittwoch bei einem Pressegespräch.

Das Zivilverfahren soll sich gegen jene richten, welche in dem im Jahr 2008 fertiggestellten Hallenbad an der Verlegung der Fliesen beteiligt waren, die sich seit dem Jahr 2010 großflächig ablösen. Für den Regress in Frage kommen unter anderem ein Planungsbüro aus Bad Urach (Landkreis Reutlingen), ein Fliesenleger aus dem Filstal und ein Hersteller eines Fliesenklebers aus dem Kreis Esslingen.

Man habe im Vorfeld der Klage Gutachten anfertigen lassen, „damit die Sache in die richtige Richtung geht“, sagte der Bauingenieur Markus Hoppe, der die Stadtwerke beraten hat. Er stellte unter anderem einen Kontakt zu Professor Rolf Gieler her, der Bautenschutz an der Bauhaus Universität im Weimar lehrt.

Gieler nahm zum ersten Mal vom Herbst 2012 die Sache in Augenschein, nachdem alle Gespräche mit den beteiligten Firmen „einen mehr oder weniger unbefriedigenden Ausgang“ genommen hatten, wie der Stadtwerkechef Andreas Seufer formuliert. „Der Gutachter hat uns sehr geholfen, die richtigen Fragen für das Verfahren zu formulieren“, schildert Markus Hoppe. Fast zwei Jahre lang zog sich danach das Beweisverfahren mit dem gerichtlich bestellten Gutachterbüro hin.

Seit Dezember liegt nun das Gutachten der gerichtlich bestellten Sachverständigen vor – und kommt zu dem Schluss, das vor allem die Auswahl der Fliesen und des Klebers als Ursache für den Schaden in Frage komme. Den Gutachtern ist auch eine Bildung des Minerals Ettringit am Boden der Becken aufgefallen. Wenn sich dieser Stoff bilde, komme es zu einer Volumenausdehnung, die das Abplatzen der Fliesen unter Umständen begünstige, sagt Markus Hoppe. Auch für diesen Effekt soll die Verwendung des Klebers die wahrscheinlichste Ursache sein, hat die Gerichtsgutachterin nun befunden.

Die Kostenschätzungen, dies alles zu reparieren, gehen indes weit auseinander. Während die Gutachterin von rund einer halben Million Euro spricht, rechnet der Stadtwerkechef Andreas Seufer mit 1,5 Millionen bis zwei Millionen Euro – eingerechnet der Einnahmeausfälle, die eine mehrmonatige Schließung des Bades mit sich bringt.

Erst nach Ende des Verfahrens soll die groß angelegte Sanierung angegangen werden, sagt Seufer. Um die Verletzungsgefahr vorzubeugen, soll der Boden des Sportbeckens bereits diesen Juli neu gefliest werden. Der Boden des Lehrschwimmbeckens ist bereits im Februar komplett erneuert worden.

Zu allem Unglück gibt es im Oskar-Frech-Seebad auch noch einen Schaden an der Fassade, von welcher sich stellenweise der Putz abgelöst hatte. Auch in diesem Fall wollen die Stadtwerke auf Regress klagen. Bis zu 200 000 Euro könnte die Reparatur kosten, schätzt Seufer. Die Aussagen der Gutachter deuteten auf Baumängel hin.

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