Daumen hoch: Fifa-Präsident Gianni Infantino Foto: AFP/Franck Fife

Das Machtwort des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino hat die Welt verbessert: Endlich können wir wenigstens den Fußball genießen.

Stuttgart - Seit ein paar Tagen begegnen einem nur noch glückliche Menschen. Überall hört man sie jubeln: Danke, Fifa! Grazie, Gianni! Der Fußball zeigt dieser verwahrlosten Welt, wie es geht. Wie von Höllenqualen befreit atmen wir alle auf, seit Gianni Infantino beim Fifa-Kongress in Paris zur Feier seiner Wiederwahl als Präsident die Bombe platzen ließ: „Niemand spricht mehr von Skandalen, niemand spricht mehr von Korruption.“

 

So hat kein Satz eines Präsidenten mehr eingeschlagen, seit Donald Trump die Welt mit dem Machtwort beruhigte: „Es gibt keinen Klimawandel.“ Oder seit Irans Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei einer Rede in New York mit der faustdicken Überraschung aufwartete: „Es gibt im Iran keine Homosexuellen.“

Schlagartig ist nun klar: Auch die Fußballwelt ist komplett anders, als uns Scharen von Stinkstiefeln, Whistleblowern, Enthüllungsjournalisten oder FBI-Ermittler immer wieder weismachen wollen – an den Haaren herbeigezogen, mindestens aber völlig überholt sind jedenfalls die Latrinenparolen, dass der Fußball vom Kopf her stinkt und sich in der Fifa Spitzbuben tummeln, die die bestechende Eigenschaft des Geldes zu nutzen wissen. Alles Fake News.

Reinhard Grindel und die Uhr vom Oligarchen

Infantino hat sie nun beendet, diese unerträgliche Situation. Man konnte als Fußballfunktionär ja kaum noch ungeniert ein nettes Schmuckstück verschenken oder annehmen, ohne dass nicht sofort getuschelt wurde. Ein Fall aus Brasilien ist bekannt. Und auch der ukrainische Verbandschef Grigori Sorkis dachte sich nichts Böses, als er seinem deutschen Kollegen Reinhard Grindel beiläufig so eine schicke Uhr schenkte. Doch was passierte, als die pingeligen Weltverbesserer davon Wind bekamen? Grindel wurde in den Rücktritt getrieben – und kein Kritiker kam auch nur entfernt auf die Idee, dass der spendable Ukrainer womöglich einfach nur ein netter Oligarch ist, der nicht mitansehen kann, wie arme Säcke mit Plastikuhren aus Kaugummi-Automaten herumlaufen.

Es ist immer dasselbe mit diesen Skeptikern und Wadenbeißern: Sie säen Misstrauen und stoßen selbstlose Fifa-Funktionäre vor den Kopf, nur weil die sich oder anderen eine unvergessliche Freude machen wollen.

Das krasseste Beispiel für solche Missverständnisse ist folgende Anekdote. Sie ist zwar frei erfunden, dafür aber umso aufschlussreicher. Ein Schiedsrichter aus einem mittelamerikanischen Staat muss ein wichtiges Spiel zwischen X und Y leiten, und kurz vor dem Anpfiff sucht ihn ein Gesandter des Teams X in der Kabine auf und fragt: Dürften wir Ihnen die Ehre erweisen, Ihnen eine Strandvilla auf den Seychellen zu schenken?

„Kommt nicht in Frage“, wehrt der Schiedsrichter ab, „ich kaufe die Villa.“

Man einigt sich auf einen Kaufpreis von fünf Pesos, was dem Gegenwert von drei Kokosnüssen entspricht. Der Schiedsrichter reicht seinem Besucher einen Zehn-Pesos-Schein – und winkt, als der herausgeben will, jovial ab: „Stimmt so. Geben Sie mir für den Rest einfach noch so ein Haus.“

Byron Moreno und die sechs Kilogramm Heroin

Kann man sich korrekter verhalten? Stattdessen gelten Schiedsrichter immer schnell als korrupt, Beispiel Byron Moreno. Bei der WM 2002 pfiff der Ecuadorianer das Achtelfinale zwischen Gastgeber Südkorea und Italien, also eines dieser kostbaren Spiele, in denen es um die Wurst geht – und nur, weil Moreno einen schlechten Tag und ein Herz für Korea hatte, spielte die Staatsanwaltschaft in Rom hinterher mit dem Gedanken, gegen ihn wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu ermitteln. Eine sizilianische Stadt benannte sogar die Pissoirs an der Strandpromenade nach ihm.

Machen wir es kurz: Das einzig Nachteilige, das über Moreno je ans Tageslicht kam, war später ein kleiner Zwischenfall auf dem John F. Kennedy-Flughafen in New York, wo er mit sechs Kilogramm Heroin verhaftet wurde, Teile davon fand man in seiner Unterhose. Aber was, fragte sich der Fußball zurecht, hat das mit uns tun? Hatte Moreno etwa damals nach dem Sieg der Koreaner sieben Kilo Schmiergeld in der Unterhose? Kein Gramm. Nix.

Das sind die Fakten, und sie decken sich mit dem, was Gianni Infantino dieser Tage gesagt hat: Die Fifa ist sauber: „Wir wissen genau, woher jeder Dollar kommt und wohin jeder Dollar fließt. Wir haben bei der Fifa keinen Platz mehr für Korruption. Nie wieder.“