Dreifacher Oscar-Gewinner: der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón Foto: AP

Gleich drei Dankesreden musste in dieser Oscar-Nacht der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón halten. Sein Film „Roma“ hat drei wichtige Academy Awards gewonnen – viel Ruhm damit auch für den Produzenten Netflix.

Los Angeles - So kann man’s natürlich auch machen: Hollywood hat sich in der 91. Oscar-Nacht tief verneigt vor der Filmkunst und das mexikanische Netflix-Drama „Roma“ mit drei Academy Awards geehrt. „Nur drei?“ mag da mancher fragen, da der Film doch mit insgesamt zehn Nominierungen ins Rennen gegangen war.

Aber in diesem Fall muss man auf die Qualität der Quantität achten: beste Kamera, bester fremdsprachiger Film, beste Regie – alle drei „Roma“-Preise gingen persönlich an Alfonso Cuarón, der deswegen im Lauf des Abends auch gleich drei Dankesreden halten musste. In seiner letzten erinnerte er an das Schicksal der Millionen illegaler Arbeitsimmigranten in den USA und dankte emphatisch seinem Heimatland Mexiko. Klare Worte, die in der aktuellen politischen Lage in Amerika wohl jeder Oscar-Zuschauer einzuordnen wusste.

Drei Preise für „Green Book“

Beim „besten Film“ allerdings haben sich die rund 5500 Mitglieder der Academy of Motions Picture Arts and Sciences in ihrer geheimen Abstimmung für das Rassendrama „Green Book“ von Peter Farrelly entschieden, das von einem schwarzen Musiker und seinem weißen Chauffeur im Amerika der 1960er-Jahre erzählt. Der Film war zuvor schon mit dem Oscar für das beste Originaldrehbuch und für die beste männliche Nebenrolle (Mahershala Ali) bedacht worden.

So machte die Akademie letztlich nochmals den Skandal anhaltender Rassenspannungen in den USA zum großen Thema der diesjährigen Oscar-Gala. Dies umso mehr, da auch Spike Lee einen Oscar gewonnen hat: für das „beste adaptierte Drehbuch“ zu seiner galligen Realsatire „BlacKkKlansman“. Der 61-jährige Künstler nutzte die Gelegenheit zu einer hochemotionalen Dankesrede, in der er daran erinnerte, dass die meisten seiner familiären Vorfahren als Sklaven in Amerika hatten leben müssen.

Man kommt zackig zum Ende

Für den weiteren großen Favoriten des Abends, „The Favourite“ von Giorgos Lanthimos, der ebenfalls zehn Nominierungen aufzuweisen hatte, ging es so aus, wie es in der Vergangenheit schon bei vielen Nominierungs-Spitzenreitern in der Oscar-Gala gelaufen ist: Realität wurde schließlich gerade ein Award – aber immerhin einer der wichtigsten: für Olivia Colman als beste Hauptdarstellerin, die auf der Leinwand die herrlich durchgeknallte englische Queen Anne zum Leben erweckt.

Ansonsten präsentierte sich die Oscar-Verleihung angenehm schlank und ganz auf die Preise konzentriert. Ohne offiziellen Gastgeber-Moderator – der hierfür eigentlich engagierte Kevin Hart hatte aufgrund homophober Äußerungen einen Rückzieher machen müssen – und ohne große Showacts war man sogar eine Stunde früher fertig als gewohnt. Fragt man, wer am Ende den größten Eindruck hinterließ, so muss man die Ehre in diesem Jahr auf zwei verteilen: auf Alfonso Cuarón und Spike Lee. Kunst und Politik: Hollywood und das liberale Amerika wollen die Kräfte bündeln.

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