In der Oscar-Paret-Schule in Freiberg (Kreis Ludwigsburg) ist ein Wasserrohr aufgeplatzt. Die betroffenen Fachräume können vermutlich lange nicht genutzt werden. Wie konnte es in der nagelneuen Schule dazu kommen?
Gerade einmal drei Monate lang sind die Schüler im Neubau der Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg unterrichtet worden – bevor nun die Fachräume im Erdgeschoss schon wieder dicht sind. Am 9. Dezember ist in einem Physikraum Wasser aus dem Boden gequollen, ein Rohr war gerissen. Der Schaden ist so groß, dass ein Teil der Wände abgerissen und neu gebaut werden muss.
Erst dachte der Rektor René Coels, die Schule habe Glück im Unglück gehabt. Kurz nach acht Uhr, als die ersten Schüler im Unterricht saßen, kam das Wasser aus dem Boden. Schüler und Lehrer haben sofort reagiert, der Hausmeister hat das Wasser abgestellt, die Freiwillige Feuerwehr war auch schnell da.
In den Räumen sammelte sich kein Wasser, dafür aber im Bodentank, in dem Rohre und Leitungen liegen. Dort standen 30 bis 40 Zentimeter Wasser, berichtet René Coels. In den Tagen danach hat man in den betroffenen Räumen die Feuchtigkeit gemessen. „Es sah zunächst danach aus, dass wir die Zimmer einfach normal trocknen können“, sagt Coels. Aber schnell war klar: Das geht nicht. Denn das Wasser hat die Trockenbauwände angegriffen, bis zu einem halben Meter vom Boden hoch sind sie feucht.
Ausstattung des Chemieraums muss umziehen
Die Schule und die Stadt Freiberg als Träger der Schule gehen davon aus, dass ein Schaden in siebenstelliger Höhe entstanden ist. Der wird von der Versicherung getragen. Die betroffenen Wände müssen nun ausgetauscht werden, das Mobiliar begutachtet und bei Bedarf ebenfalls erneuert werden. In den Fachräumen und der Mensa müssen Trocknungsgeräte aufgestellt und Bodenbohrungen durchgeführt werden. Und der größte Knackpunkt: Die Ausstattung in den Physik-, Chemie-, Biologie- und EDV-Räumen muss raus. Das sind mehr als 10 000 Dinge, darunter auch Gefahrenstoffe. Das alles musste schon einmal umziehen und zwar von der ehemaligen OPS in den Neubau, in dem nun der Wasserschaden ist. Damals hat es eine Spezialfirma und acht Monate gebraucht, um alles fachgerecht zu verpacken und umzuziehen. „Ich gehe davon aus, dass wir die Fachräume deshalb bis zu den Pfingstferien nicht nutzen können“, sagt Rektor Coels. Erschwerend kommt hinzu, dass über Weihnachten nun kaum Firmen erreichbar sind, die sich zeitnah um das Equipment kümmern könnten. Ein Zwischenlager dafür muss auch noch gefunden werden, denn in der Schule gibt es nicht genug Platz.
Große Renovierung drei Monate nach Fertigstellung des Neubaus
Die Oscar-Paret-Schule ist drei Jahre lang neu gebaut und im Sommer offiziell eingeweiht worden. Das Projekt hat etwa 80 Millionen Euro gekostet. Wie in so einem neuen Gebäude solch ein großer Schaden entstehen kann, ist bisher unklar. Schulleiter René Coels kann nur mutmaßen und ausschließen. „Das Rohr ist jedenfalls nicht gerostet und an einer Dichtung lag es auch nicht“, sagt er, „denn das ganze Rohr ist richtig aufgeplatzt.“
Der Rektor nimmt den Vorfall so gelassen, wie es geht. „Im alten Gebäude waren wir es gewohnt, Wasserschäden zu haben“, sagt er, „letztes Jahr hatten wir an Weihnachten einen Wasserschaden im alten Bau, dieses Jahr haben wir einen im neuen.“ Die Klassen können alle in anderen Räumen weiter unterrichtet werden – wenn auch etwas theoretischer als sonst. Dafür hat die Schulleitung schon neue Stundenpläne geschrieben. Und wenn alles getrocknet und renoviert ist, bleibt von dem Schaden nichts zurück – das war René Coels und auch der Stadt wichtig. „Die Schüler haben so lange auf einen guten Neubau gewartet, da haben sie ein Anrecht darauf, dass er in ein paar Jahren immer noch gut ist und keine Schäden von dem Vorfall zurückbleiben“, sagt Coels. Er sei froh, dass die Stadt die große Renovierung mitträgt und nicht nur kleine Ausbesserungen vornehmen will.
Rektor: Hätte schlimmer kommen können
Vor ein paar Monaten, als die Oscar-Paret-Schule gerade am Umziehen war, hat sich René Coels gegenüber unserer Zeitung eher als „Krisenmanager“ als als Schulleiter bezeichnet. „Ja, das möchte einfach nicht abreißen“, sagt er nun und erinnert an die vergangenen Jahre, die nicht nur wegen dem Umzug sondern auch wegen Corona schwierig waren. Er komme einfach nicht zur Ruhe. Von dem Wasserschaden lässt er sich die Feiertage aber nicht verderben. „An Heiligabend ist es zehn Monate her, dass in der Ukraine der Krieg angefangen hat – da ist unser Wasserschaden Jammern auf hohem Niveau“, sagt er. Außerdem hätte es schlimmer kommen können: Wenn die Fachräume für Bildende Kunst oder Ernährung und Soziales zum Beispiel betroffen wären. Denn dort müssen Schüler der Abschlussklassen fachpraktische Prüfungen ablegen. „Das hätte mir größere Sorgen gemacht“, sagt René Coels.
Wasserrohrbrüche: Wissenswertes
Häufigkeit
Mehr als eine Million Schäden an Wasserleitungen werden Jahr für Jahr in Deutschland gemeldet. Statistisch gesehen platzt alle 30 Sekunden ein Rohr, löst sich eine Dichtung oder leckt eine Armatur. Die Zahlen stammen vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.
Ursachen
Ein Wasserrohrbruch kann unter anderem ausgelöst werden von Material- oder Herstellungsfehlern, Materialermüdung und starker Korrosion. Außerdem kann Kälte zum Bersten der Leitung führen, wenn das Wasser darin einfriert und sich ausdehnt. Das Wasser kommt dann erst aus der Leitung, wenn es auftaut.
Vorbeugung
Leitungen im Außenbereich sowie in unbeheizten Räumen sollen vor Frostperioden geleert und stillgelegt werden. Wer mehrere Waschbecken und Ähnliches hat, sollte alle benutzen, um Korrosion zu vermeiden.