Das gewachsene Gebiet in Schöckingen wandelt sich. Foto: factum/Archiv

Wenn ein Unternehmen weicht, entsteht Platz für Reihen- und Mehrfamilienhäuser. Wo jahrzehntelang gearbeitet wurde, soll künftig vor allem gewohnt werden. Die Neugestaltung freut nicht jeden.

Ditzingen - Sollen die Unternehmer weichen, weil das Industriegebiet zum Wohngebiet wird? Die Pläne des Gemeinderats begrüßt nicht jeder. Schließlich waren die Unternehmer zuerst da. Nun aber würden sie immer mehr gegängelt, schimpften sie schon vor Jahren. Doch die Stadträte halten an ihrem Vorhaben fest.

Die Stadt Ditzingen will das Schöckinger Industriegebiet in ein Wohngebiet umwandeln. Das Land fördert die Umgestaltung mit 1,1 Millionen Euro aus dem Sanierungsprogramm Stadtumbau West. Die Neuordnung des Quartiers soll auch Konflikte lösen: Klagen der Anwohner über den Lärm der angrenzenden Betriebe im Industriegebiet Daimlerstraße wurden von den Kommunalpolitikern oft diskutiert.

Relikt vergangener Zeiten

Das Schöckinger Industriegebiet ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Der einst noch selbstständige Ditzinger Teilort war darauf angewiesen, aus eigener Kraft existieren zu können. Dafür unabdingbar waren Gewerbe- und Industrieansiedlungen, die entsprechend steuerpflichtig sind und damit verlässlich die Gemeindekasse füllten. Dann wurde Schöckingen 1971 ein Teil von Ditzingen. Seitdem wird in der Kernstadt die Industrie gebündelt. Die Begleiterscheinungen wie Lärm, Abgase und Verkehr werden konzentriert, um in den Ortsteilen die Wohnqualität zu steigern. Nun ist in Schöckingen eine vergleichsweise lockere Bebauung geplant, mit Reihenhäusern und mit Geschosswohnungsbau.

Verlagerung innerhalb der Stadt

Die Verlagerung eines Betriebs für Oberflächentechnik von Schöckingen in den wenige Kilometer entfernten Stadtteil Heimerdingen vor rund sechs Jahren markierte den Beginn der Umwandlung in ein Wohngebiet. Die Stadt kaufte das Areal, übernahm es aber erst, als klar war, dass der Boden nicht durch Schadstoffe belastet ist. Auch wenn Gemeinderat und Verwaltung gerne schneller neuen Wohnraum schaffen wollen – ihnen sind die Hände gebunden. Schließlich genießen die Unternehmen Bestandsschutz.

Bis das letzte Unternehmen gewichen ist, müssen Wohnen und Industrie nebeneinander funktionieren. Die Stadt gab deshalb ein Lärmgutachten in Auftrag. Es dient den Räten nun als Basis, wenn sie über Bauprojekte im Gebiet entscheiden.

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