Überall im Kreis Böblingen haben fleißige Bürgerinnen und Bürger am Samstag ihre Ortschaft geputzt. In Altdorf hatten die 120 Helferinnen und Helfer weniger zu tun als erwartet.
Grau ist es und kalt am Samstagvormittag, aber nicht sehr schmutzig. Zumindest nicht in Altdorf, einer der vielen Gemeinden im Kreis Böblingen, die für diesen Tag zur Putzete aufgerufen hatten. Wie anderswo auch durchkämmen dort viele fleißige Bürgerinnen und Bürger ihren Wohnort und dessen Ränder.
Menschen, oft mit Signalwesten, stehen in Gräben und Büschen, zücken Greifzangen und sammeln ein, was andere acht- oder gedankenlos weggeworfen haben. In Altdorf allerdings staunen alle darüber, wie wenig sie dieses Mal zu tun haben, wie wenig Müll sie in der Landschaft finden – und der eine oder andere äußert beiläufig einen sehr schwäbischen Verdacht: „Die Leute hier haben ihre Kehrwoche gemacht!“
Klaus Schwolow ist einer der Ortsputzer. Er gehört der Altdorfer Kulturinitiative an und nimmt zum ersten Mal teil an einer Putzete. „Wir gehen hier die Holzgerlinger Straße entlang und in das Naherholungsgebiet“, sagt er. „Die Gemeinde hat die Vereine angeschrieben, und da ich zu einem Verein gehöre, mache ich auch mit. Ich finde, das ist eine gute Sache, um den Zusammenhalt in der Gemeinde zu fördern.“
Fast schon enttäuscht zeigen sich Irmgard Berner und Gertrud Göbel, die mit ihrer Gruppe ebenfalls entlang der Altdorfer Ortsdurchfahrt unterwegs sind. „Der Müll hält sich in Grenzen“, sagt ein Mann aus ihrer Gruppe. „Die Altdorfer sind eben sauber und ordentlich.“ Die Frauen haben eine eher nüchterne Erklärung: „Es ist nicht warm genug, die Leute haben keinen Durst, wenn sie unterwegs sind. In ein paar Monaten wird es ganz anders aussehen. An der Bushaltestelle liegen sonst jede Menge leere Dosen und Flaschen.“ Sehr häufig finden die Putzerinnen und Putzer Zigarettenkippen: „Das ist ja auch giftig. Und es sind Erwachsene, die das wegwerfen“, konstatieren sie.
Dafür, dass sie freiwillig den Müll andere Leute wegräumen, wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Putzete auch Anerkennung zuteil, wie eine Frau berichtet: „Ein Mann mit einer Tüte voller Backwaren kam mir entgegen und sagte: ,Ich kann zwar nicht mitmachen, aber ich danke Ihnen für das, was sie da machen.’“
Jürgen Kröber, Integrationsmanager in Altdorf, ist mit etwa zehn Menschen aus der Ukraine, Afghanistan, Syrien, Gambia ebenfalls unterwegs. „Wir haben sie ausgerüstet, und sie haben aufgeräumt“, sagt Kröber. „Wir sind auch einmal um die Unterkünfte gelaufen und haben dort sauber gemacht. Die Flüchtlinge sind fleißig, und es ist eine gute Gelegenheit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, auch über ihre Probleme. Es ist etwas ganz anderes, als wenn man im Büro sitzt.“ Dass es wenig Müll gebe, stellt Jürgen Kröber allerdings nicht fest: „Die Leute schmeißen alles Mögliche weg“, sagt er. „Vor allem Zigarettenkippen.“
Eher weniger Müll indes findet auch die Fünfergruppe der örtlichen Jäger, berichtet Ralph Birnkammer. „Wir kennen uns hier relativ gut aus. Wir haben die Außenbereiche kontrolliert – und wir waren erstaunt. Es gibt zwar einen Grillplatz, an dem wir relativ viele Flaschen gefunden haben, aber sonst war es sehr wenig Müll, auch im Vergleich zu den Vorjahren. Sogar am Sportplatz lag nur sehr wenig.“ Insgesamt sind acht Gruppen in Altdorf unterwegs. Rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten sich gemeldet, sagt die Hauptamtsleiterin Karin Grund. Schulklassen und Kindergärten könnten sich leider nicht beteiligen, da nur am Samstag Müll gesammelt wird.
Auch viele Kinder sind dabei
Trotzdem sind viele Kinder mit dabei. Beispielsweise Colin und Aria, acht und fünf Jahre alt, sowie drei weitere Geschwister. Sie ziehen mit ihren Müttern durch die Altdorfer Ortsmitte, die Obere Straße, die Bachstraße und dann noch aufs Feld hinaus. Colin findet das Putzabenteuer spannend, Aria dagegen langweilt sich ein wenig. Zwei halb volle Säcke tragen die Erwachsenen vor die Festhalle des Dorfes. Drinnen: „Nichts Besonderes“, sagt die Mutter Katja Hahn. „Aber es war schlimm, dass wir gar nicht richtig in die Feldwege konnten. Überall lag Hundekot. Es hatte mehr Hundekot als Müll!“
Wie Kinder und Eltern laden auch alle anderen ihre Müllsäcke vor der Festhalle ab. Der Bauamtsleiter Jörg Bürglin wird sie mit seinen Mitarbeitern aufsammeln, am Montag zum Müllverbrennungswerk bringen und dort auch wiegen.