Das alte Rathaus von Steinheim ist ein Schmuckstück, hat aber einige Mängel. Foto: Werner Kuhnle

In Steinheim an der Murr sollen ein neues Rathaus gebaut und der Marktplatz umgestaltet werden. Dazu wird ein Architektenwettbewerb ausgelobt.

Es geht um nichts weniger als „das Herz der Stadt“, wie es Petra Zeese von der FPZ Stadtplanung und Architektur in der Gemeinderatssitzung am Dienstag formulierte. Sie ist für die Betreuung eines Architektenwettbewerbs zuständig, der Ideen für die Aufwertung der historischen Mitte der Urmenschstadt hervorbringen soll – und zwar ohne dass diese ihre von schönen Fachwerkhäusern geprägte Identität verliert. Die Unterlagen für den Wettbewerb sollen im September verschickt werden, ein Baubeginn wäre dann schon 2025 möglich. Das geplante neue Rathaus bildet dabei den Dreh- und Angelpunkt.

 

Nötig ist es aus Sicht von Verwaltung und Gemeinderat aus mehreren Gründen. Das denkmalgeschützte, mehr als 400 Jahre alte Fachwerk-Rathaus ist zu klein für alle Mitarbeiter. Die arbeiten deshalb an vier verschiedenen Standorten, was die Abläufe erschwert. Ein barrierefreier Zugang ist nicht vorhanden, außerdem ist das Gebäude eine Energieschleuder, und eine Sanierung wäre nur mit einer nicht optimalen Innenwanddämmung machbar. Und schließlich könnte man in dem alten Gemäuer auch mit großen Anstrengungen wohl kaum Arbeitsplätze schaffen, die den aktuellen und künftigen Anforderungen entsprechen.

Die Stadt hat schon seit geraumer Zeit umliegende Häuser gekauft

Unabhängig davon gibt es in der Stadt schon seit Langem Überlegungen zu einer Umgestaltung der Stadtmitte. Dafür wurden sukzessive mehrere Gebäude in Marktplatznähe aufgekauft. Das hat bei den jetzigen Planungen den Vorteil, dass man relativ frei agieren kann.

So ist vorgesehen, die bestehenden Gebäude Brunnenweg 1 sowie Marktstraße 31 und 37 ebenso abzureißen wie das Haus in der Badtorstraße 4. In diesem Bereich soll das neue Rathaus entstehen. „Das wird schon ein stattliches Gebäude werden“, so die Einschätzung der Planerin. Es müsse sich aber in den historischen Kontext einfügen. Und das wird nicht zuletzt deshalb eine Herausforderung, weil die Fußbodenhöhe im Erdgeschoss des neuen Rathauses aus Gründen des Hochwasserschutzes einen halben Meter höher sein muss als die der umliegenden Gebäude.

Die Aufenthaltsqualität soll gesteigert werden

Angedacht ist auch, zwischen dem alten und dem künftigen Rathaus eine Freifläche zu schaffen, auf welcher der Verkehr allenfalls noch eine untergeordnete Rolle spielt, um die Aufenthaltsqualität zu steigern. So soll die bisherige Durchfahrt über den Marktplatz und die Badtorstraße zur Murrinsel nur noch für Fahrräder und Notfallverkehr möglich sein. Die denkmalgeschützten Gebäude in dem Bereich sollen in das Gesamtkonzept integriert werden. Für die Badtorstraße 2 etwa könnte man sich eine gastronomische Nutzung vorstellen.

Die Gesamtplanung sieht zudem vor, dass die Parkplätze auf der Murrinsel entfallen. Dadurch könnte man den Zugang zum Fluss aus Richtung Stadtmitte attraktiver gestalten. Ersatzparkplätze können auf dem aktuell durch Feuerwehr und Bauhof genutzten Gelände entstehen, ebenso in der Tiefgarage des neuen Rathauses. Ungelöst bleiben wird trotz des Realisierungs- und Ideenwettbewerbs hingegen das Problem der starken Verkehrsbelastung in der Marktstraße.

Der Wettbewerb kann nicht alle Probleme lösen

Auch die Hochwassergefährdung bei Starkregen wird ein Thema in Steinheim bleiben. Die Innenstadt leidet besonders unter Überflutungen. Immerhin unternimmt man auch da Schritte. So soll neben der genannten Fußbodenerhöhung im neuen Rathaus im Zuge der Bauarbeiten die Badtorstraße mit einem weiteren Kanal ausgestattet werden, über den das Regenwasser direkt in die Murr abgeführt werden kann.