Im denkmalgeschützten Schulgebäude und einem Neubau könnte etwas für die Bürgerinnen und Bürger entstehen. Viele, unter anderem Wilfried Raff, begrüßen das Konzept. Foto: Kutzer

Ein Arbeitskreis des Bezirksbeirats Stuttgart-Degerloch hat sein Konzept für eine neue Ortsmitte vorgestellt. Die Reaktionen waren vorrangig positiv.

Degerloch - Seit 1952 spielte sich ein wichtiger Teil des Degerlocher Gemeindelebens im Bürgertreff an der Mittleren Straße ab. Mangelnde Barrierefreiheit und die dem Brandschutz geschuldete Begrenzung der Saalnutzung im Obergeschoss auf 35 Personen sind nur zwei der Gründe, warum seit geraumer Zeit feststeht, dass ein neuer Bürgertreff her muss.

„Die Bedarfe ändern sich“, konstatierte Bezirksvorsteher Marco-Oliver Luz am vergangenen Dienstagabend zu Beginn der Informationsveranstaltung zur Entwicklung der Ortsmitte. Eine der Ideen, die zuletzt im Raum standen, war die Schaffung eines Bürgerhauses im alten Wannenbad oder ein Neubau an gleicher Stelle. Letzterem steht der Bebauungsplan im Wege, wie Luz den Bürgerinnen und Bürgern in seinem einführenden Überblick darlegte. Das bestehende Gebäude wiederum biete maximal 400 Quadratmeter Fläche. Verglichen mit den 650 Quadratmetern, die an der Mittleren Straße verfügbar sind, wäre das sogar ein Rückschritt.

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Nun hat sich eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe des Bezirksbeirats mit der möglichen Neuordnung der Ortsmitte befasst. Dreh- und Angelpunkt soll nach deren Dafürhalten die Große Falterstraße 18/20 werden. Im denkmalgeschützten ehemaligen Schulgebäude und einem zusätzlichen Neubau anstelle der Nummer 18 könnten 1700 Quadratmeter Geschossfläche verfügbar gemacht werden.

Das Ziel ist ein moderner Treffpunkt

Neben Volkshochschule (130 Quadratmeter) und Musikschule (400 Quadratmeter) ließen sich so auch Räume für fünf der in Degerloch dringend benötigten acht neuen Kita-Gruppen bereitstellen. Luz sprach von einem „modernen Bürgertreff, der den Ansprüchen der nächsten Jahre und Jahrzehnte“ gerecht würde.

Das Wannenbad bliebe frei und könnte als Stadtteilhaus ein Ort der Begegnung für Familien, Jugendliche und ältere Menschen mit einem offenen Café werden. Ausdrücklich betonte der Bezirksvorsteher, dass es sich bei alledem nicht um konkrete Pläne handle, die nun zügig umgesetzt würden. Vielmehr sei das vorgestellte Konzept die Grundlage dafür, in die konkrete Planung einzusteigen. Die Öffentlichkeit soll weiterhin in den Prozess einbezogen werden.

Auch am Dienstag hatten die rund 50 Anwesenden Gelegenheit, sich zu Wort zu melden. Viele, darunter Wilfried Raff, Vorsitzender des Wein-, Obst- und Gartenbauvereins, Carsten Singer, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins und Elisabeth Eiche, Vorsitzende des Frauenkreises Degerloch, begrüßten das neue Konzept. Letztere erklärte, der Frauenkreis sei bereit, sich der Aufgaben in einem Stadtteilhaus anzunehmen.

Lieber ein grüner Park als grauer Beton

Im Detail gab es auch Kritik: Gerhard Bretschneider, Anwohner der Kleinen Falterstraße mahnte an, den Agnes-Kneher-Platz nicht zuzubetonieren, und schlug vor, lieber eine Art Park zu schaffen. Luz versicherte, man wolle „nichts zupflastern“. Parkplätze auf dem Platz etwa seien die „unwahrscheinlichste Vorstellung“. Um der Verkehrsentwicklung Rechnung zu tragen sei eine Verlängerung der Tiefgarage Epplestraße angedacht.

Einzelne Punkte sind noch offen. Wie genau eine Einbindung der Alten Scheuer aussehen könnte, muss noch geklärt werden. Wo das aktuell an der Großen Falterstraße untergebrachte Gesundheitsamt unterkommen wird, ist unklar. Wichtig sei es nun, „zügig ein Signal an die Stadt zu senden“, so Luz. Der nächste Schritt ist eine Sondersitzung des Bezirksbeirats am Montag, 8. November.