In etlichen Stunden und mit viel Fleißarbeit haben Mitglieder des Korber Vereins „Der Remstaler“ die Gaststättengeschichte recherchiert und aufgearbeitet. Herausgekommen ist eine vielseitige Ausstellung.
Der Tisch ist eingedeckt, als würden jeden Moment feine Herrschaften zum gemütlichen Schmaus erwartet. Das Porzellan der Teller ist einheitlich mit grünem Blumendekor, dazu feine Gläser und edles Besteck. In der Mitte wartet ein Kerzenständer nur noch darauf, mit einer brennenden Kerze ausgestattet zu werden. Daneben ein „Reserviert“-Schild und eine Original-Visitenkarte aus dem Gasthaus Lamm in Steinreinach, einer früheren Teilgemeinde von Korb.
Am Tisch nebenan geht es zünftiger zu. Dicke Krüge und eine Art Schlabberlatz stellen ein Rittermahl nach, wie es im Restaurant Rebblick in Korb früher üblich war. „In solchen alten Gasthäusern, das Lamm war eines der renommiertesten, hat das Geschirr, auch wenn es nicht die edelste Marke war, Jahrzehnte gedient. Notfalls wurde es mit der Bürste bearbeitet, damit es wieder sauber wurde und eingesetzt werden konnte“, erklärt Jochen Fischer, der zum harten Kern des engagierten Vereins „Der Remstaler“ gehört und dort sowohl für Textarbeiten als auch für Recherchen zuständig ist.
Die Ehrenamtlichen schmökerten sich teils durch 150 Jahre alte Dokumente
Und recherchieren mussten die Vereinsmitglieder in den letzten Monaten jede Menge für die Aufarbeitung der Gaststättengeschichte von Korb, Steinreinach und Kleinheppach. Das „Gaststätten-Team“ schmökerte sich dazu durch teils 150 Jahre alte Dokumente. Wo noch möglich, wurden auch Zeitzeugen befragt. Einzelne Aufarbeitungen werden begleitend im Magazin „Der Remstaler“ veröffentlicht. Später soll ein Gesamtwerk in Buchform entstehen.
Seit nunmehr eineinhalb Jahren befassen sich die Mitglieder mit dem Thema Gaststätten und haben die Schau auf die Beine gestellt. Am Freitag, 23. Juni, wird in der Alten Kelter von Korb Vernissage gefeiert. Bis dahin gibt es aber noch genug zu tun. Denn die vielen Exponate und Fakten – darunter besagte eingedeckte Tische, aber auch Bilder oder ein antiker Gasthaus-Ausleger aus Stahl vom Adler – müssen in die Alte Kelter gebracht werden. „Langsam kommen wir echt in Zeitdruck, weil es noch so viel zu tun gibt und es eng wird, um noch alles rechtzeitig zu schaffen“, sagt der Vorsitzende des historisch interessierten Vereins, Jürgen Klotz.
Die Nachforschungen ergaben 88 Gaststättennamen
Kein Wunder, denn der 54-köpfige Verein, darunter sechs bis zehn Personen, die in jeder freien Minute in den alten Ordnern und Papieren schmökern, haben sich ganz schön viel vorgenommen. Durch ihre Nachforschungen sind sie auf 88 Gaststättennamen gekommen. „Da manche sich auch mal umbenannt haben, handelt es sich um circa 40 Gaststätten, die wir in der Schau berücksichtigen“, sagt der Vorsitzende. Ziel sei gewesen, zu zeigen, was es alles gab, denn beispielsweise bei Restaurants, die 1920 geschlossen hätten, seien kaum noch Zeitzeugen da. „Die sterben weg oder sind längst tot. Und wenn ein Restaurant abgerissen wurde, musste auch bei der Stadt nichts mehr dokumentiert werden. Deshalb wollen wir es festhalten, bevor es zu spät ist.“
Ein Besuch im Büro des Vereins direkt neben der letzten funktionstüchtigen, aber nicht mehr genutzten Kegelbahn des Ortes im Untergeschoss des Restaurants Rebblick in Korb zeigt, wie viele Ordner es zu durchforsten galt und gilt. Tatsächlich möchten die Ehrenamtlichen auch unabhängig von der aktuellen Schau sämtliche Dokumente und Bilder zur Ortsgeschichte in einem Archiv versammeln, sichten, ordnen und digitalisieren. „Wir betreiben als Verein im Ehrenamt das Archiv und unterstützen damit die Gemeindeverwaltung“, sagt Klotz, bei dem auch Sohn Saladin mit aktiv und an diesem Mittag vor Ort ist. Genauso wie der zweite Vorsitzende Michael Steichele, Jürgen Klotz selbst und Jochen Fischer.
Dass auch ohne ein solches Archiv viele Fotos, Anekdoten und Infos über die Vergangenheit erhalten geblieben sind, die ihnen bei der Recherche zu den historischen Gaststätten geholfen haben, ist Gotthold Schwarz zu verdanken. Gut drei Jahrzehnte hat er, der im Korber Rathaus arbeitete,ehrenamtlich Unterlagen gesammelt und Wissenswertes aufgeschrieben. Zudem lieferte zum Beispiel der Inhalt etlicher Ordner, welche die Verwaltung an den Verein abgegeben hat, viel Wissenswertes über die Geschichte der Gaststätten. Im eigenen Magazin „Der Remstaler“ können Interessierte diese und andere Forschungen, Anekdoten und Kuriositäten drei mal im Jahr nachlesen.
Der Verein „Der Remstaler“, dessen Ursprung die 1973 gegründeten Münzenfreunde Rems sind, zeigt mit der Gemeinde vom 23. Juni bis zum 2. Juli die Ausstellung „Korber Gaststättengeschichte“ in der Alten Kelter. Die Vernissage am Freitag, 23. Juni, ist um 17 Uhr. Gezeigt werden Bilder und Exponate von längst geschlossenen Gaststätten, von fast allen gibt es Fotos. Parallel erscheint ein Begleit-Magazin.