Herbert Hoffmann (links) und Florian Hoffmann haben den neuen Band zur Ditzinger Stadtgeschichte zusammen mit dem Verlag Regionalkultur erarbeitet. Foto: factum

Ein neues Geschichtsbuch stellt die einstmals selbstständigen Orte Hirschlanden und Ditzingen und ihre 1250-jährige Geschichte in den Mittelpunkt. Die Schulen, die Feste und Vereine, der Umbruch von Hirschlanden und die Kirchengeschichte sind weitere Themen.

Ditzingen - Der Titel ist schlicht: „1250 Jahre Ditzingen und Hirschlanden“ heißt das Buch, das „Neue Beiträge zur Stadtgeschichte“ präsentieren will. Zwei Historiker haben es recherchiert und geschrieben: Florian Hoffmann, seit 2016 Leiter des Stadtarchivs, und sein langjähriger Vorgänger Herbert Hoffmann. Die beiden, die nicht verwandt sind, konnten und wollten aber nicht die Stadtgeschichte komplett neu schreiben. Ihr Ansinnen war es vielmehr, zum Doppeljubiläum 1250 Jahre Ditzingen und Hirschlanden einige Themen herauszugreifen, die beiden Stadtteile verbinden.

Viele historische Fotos

Dies gelingt in vier Aufsätzen, wie die Autoren ihre Beiträge bescheiden nennen. Und weil man die Leser nicht mit Text erschlagen will, sind auf den 240 Seiten viele, viele historische Fotos beigefügt. Wer dafür ein Faible hat, für den lohnt es sich bereits deswegen, das Buch anzuschaffen. Zumal, das wissen die Autoren aus langjähriger Erfahrung, viele Ortsgeschichtsbücher in den Haushalten im Lauf der Zeit verschwinden. „Wir wollten einen Sammelband, der beiden jubilierenden Ortsteilen gerecht wird“, erzählt Florian Hoffmann. Denn diese haben Verbindendes, trotz ihrer unterschiedlichen Größe.

An der Schulgeschichte hat Herbert Hoffmann eines fasziniert: „Es ist spannend, wie sich in diesem schwäbisch-pietistischen Ort die Schulbildung im Lauf der Jahrhunderte ausgewirkt hat.“ Das heißt auch: Sehr lange gab es nur Volksschulen im Ort. „Das hat die beruflichen Perspektiven der Leute beeinflusst“, sagt der Historiker – und zwar negativ. Denn höhere Schulen gab es erst seit Mitte der Siebzigerjahre – und damit den ortsnahen Weg zum Abitur und zur Uni. Deswegen besuchte ein bekannter Ditzinger, der spätere CDU-Politiker Günther Oettinger, das Gymnasium in Korntal. Heute gibt es ein Vollangebot an Bildung für Kinder, von der Förderschule bis zum Gymnasium. „Das wurde rasend schnell geschaffen“, betont Herbert Hoffmann, „dann waren das Gymnasium und die Realschule ratzfatz voll.“

Feiern war nicht gerne gesehen

Herbert Hoffmann hat zudem das Vereinsleben und die Festkultur beleuchtet. „Das Feiern war nicht gern gesehen, kirchliche Feste außer der Kirbe gab es nicht, nur noch die Märkte.“ Die Vereine aber hätten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Freizeitkultur entwickelt, „hier war der Bär los“. Und dann wurde in der Nazizeit alles umfunktioniert.

Florian Hoffmann befasste sich mit der Veränderung, die der heutige Ditzinger Stadtteil Hirschlanden im Lauf der Zeit erfahren hat. Kurz gesagt: der Ort wurde vom Bauerndorf zur Pendler- und Wohngemeinde, vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Dies ging einher mit einer völligen Veränderung des Ortsbildes, auch durch Neubaugebiete. Einen anderen Blick auf Hirschlanden bietet die Kirchengeschichte, mit einer Liste aller evangelischer Pfarrer. Viele traten hier ihre erste Stelle an – auf dem Weg zu Bedeutenderem.

Nur fünf Monate für das Manuskript

Beide Historiker hatten bei ihrer Arbeit für das Buch eines gemeinsam: nur fünf Monate Zeit. Das hieß, dass alle zeitaufwendigen Formen der Themenaufarbeitung, wie Interviews mit Zeitzeugen, nicht infrage kamen. Das ist schade, denn so beschränkt sich die Darstellung im Wesentlichen auf das Zusammenfassen von Quellen. Dafür ist der Band ansehnlich.

Das Buch ist für 22 Euro im Ditzinger Rathaus, im Stadtmuseum und in den Verwaltungsstellen in den Ortsteilen erhältlich, zudem im örtlichen Buchhandel.

Das Programm des Hafenscherbenfestes

Termine
Das 16. Hafenscherbenfest geht vom Freitag, 6. September, bis zum Sonntag, 8. September. Am Donnerstagabend gibt es um 19 Uhr eine Auftaktveranstaltung im Bürgersaal des Rathauses. Florian Hoffmann, der Stadtarchivar, und sein Vorgänger Herbert Hoffmann stellen das neue Buch zur Stadtgeschichte vor. Zudem wird im Arthaus die Ausstellung mit Malerei und Graffiti von sieben Künstlern aus der Ukraine eröffnet.

Veranstaltungsorte
Es gibt vier Bühnen: Auf dem Laien, auf dem Parkplatz Schlossgarten, an der Wilhelmschule und auf dem Parkplatz Gerlinger Straße. Zudem werden an anderen Stellen zwischen dem Parkplatz Schlossgarten und dem Laien Aufführungen stattfinden.

Freitag
Zum Start des 16. Hafenscherbenfests machen zwei Discjockeys am Laien von 18 bis 24 Uhr Musik. Von etwa 21.30 Uhr an werden zu elektronischer Musik auf die Fassade des Dreigiebelhauses Videobilder projiziert.

Samstag
Die offizielle Eröffnung durch Oberbürgermeister Michael Makurath beginnt um 16 Uhr auf dem Laien. Danach gibt es 14 Veranstaltungen bis in die Nacht hinein – von Musik über Sport bis zum Tanz.

Sonntag
Der Tag beginnt um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Konstanzer Kirche. Der Frühschoppen startet um 11 Uhr in der Münchinger Straße, dann geht es Schlag auf Schlag. Um 14.10 Uhr darf getrommelt werden, um 14.30 Uhr spielt die Stadtkapelle. Einer der Höhepunkte ist sicher um 17.30 Uhr der Auftritt des Profi-Mentalmagiers Andy Häussler auf der Schlossbühne.

Offene Geschäfte
Am Sonntag haben viele Geschäfte von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

Besuch
Aus den Partnerstädten kommen zahlreiche Besucher aus Gyula in Ungarn und Rillieux-la-Pape nach Ditzingen. Sie präsentieren ihre Feinkost-Spezialitäten.

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