Für den Regierungspräsidenten Wolfgang Reimer ist die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt in Spiegelberg ein gutes Beispiel dafür, wie die Entwicklung des ländlichen Raums gelingen kann.
Spiegelberg - Uwe Bossert zählt zu den erfahrensten Bürgermeistern im Rems-Murr-Kreis. Seit nunmehr fast 21 Jahren als Schultes in Spiegelberg hat er schon einiges erlebt. Der Besuch eines Regierungspräsidenten auf heimischer Markung ist unlängst allerdings eine Premiere gewesen. Wolfgang Reimer hat sich vor Ort von der Sanierung der Ortsdurchfahrt selbst ein Bild gemacht – und das aus einem bestimmten Grund.
900 000 Euro Zuschuss für die Landesstraße
900 000 Euro hat seine Behörde zur Instandsetzung der maroden Landesstraße im Bereich des Hauptortes beigesteuert. Bei einem jährlichen Invest von fast 400 Millionen Euro ist das bei weitem nicht der größte Brocken. Dennoch sei die Maßnahme ein gutes Anschauungsbeispiel, wie verschiedene Ebenen unter der Regie des Regierungspräsidiums als sogenannte Bündelungsbehörde gemeinsam dazu beitragen können, den ländlichen Raum weiterzuentwickeln.
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Denn, das betont auch der Bürgermeister Bossert, „zu der Maßnahme gehört viel mehr als nur die Sanierung der Landesstraße“. Zum einen ist diese gewissermaßen in einem Aufwasch mit der Sanierung der Kreisstraße hinauf nach Jux ausgeschrieben und erledigt worden. Der Landkreis hat dafür rund 450 000 Euro investiert. Zum anderen aber hat die Kommune die Straßensanierungen genutzt, um die Randbereiche und öffentliche Flächen neu zu gestalten und an mehreren Stellen im Ort so die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Zudem sind mit Unterstützung der erstmals 2005 aufgelegten und mehrmals verlängerten Förderung im Rahmen des Landessanierungsprogramms mehrere private Gebäude auf Vordermann gebracht worden. Summa summarum seien in den vergangenen elf Monaten 2,5 Millionen Euro in Spiegelberg investiert worden, sagt der Bürgermeister. 600 000 Euro davon werde die Gemeinde selbst tragen müssen. Doch der Bürgermeister hat zahlreiche zusätzliche Fördertöpfe aufgetan. So konnten etwa vier barrierefreie Bushaltestellen mit Mitteln aus dem Ausgleichsstock zur Förderung des ländlichen Raums finanziert werden.
Voraussetzungen für schnelles Internet geschaffen
Der Straßenbau ist auch dazu genutzt worden, dass der Stromversorger die zum Teil auf den Dächern montierten Leitungen unter die Erde verlegen konnte. Auch die Voraussetzungen für Anschlüsse an schnelleres Internet wurden geschaffen.
Auf der Fahrbahn ist nicht nur an separate Fahrradstreifen und Querungshilfen für Radfahrer und Fußgänger gedacht worden. Das Tempo in der Ortsdurchfahrt wird auf einer Strecke von rund 500 Metern nun auch auf Tempo 30 heruntergebremst, eine Verschwenkung am Ortseingang soll dafür beitragen, dass der Durchgangsverkehr nicht mehr weitgehend ungebremst durch den Ort rauscht. „Wir hatten hier in Spiegelberg die Möglichkeit, mit einer Reihe von kombinierten Einzelmaßnahmen die Verkehrssicherheit zu verbessern, den Lärmschutz zu erhöhen und außerdem die Erhaltung eines Abschnitts einer Landesstraße aus einem Guss umzusetzen“, sagt der Regierungspräsident Reimer. Auch der Bürgermeister spricht von einer „nachhaltigen Aufwertung“ des Ortes.
Auffällig viele Lastwagen unterwegs
Zwei Ärgernisse werden ihm und den Anwohnern aber wohl bleiben. Durch den Ort fahren auffällig viele Lastwagen, laut Uwe Bossert „die Hälfte davon mit ausländischen Kennzeichen“. Die Vermutung liege nahe, dass Spiegelberg mitten in einer Mautausweichstrecke liege, sagt der Bürgermeister. Verbieten werde man deren Fahrt durch das Eingangstor zum Rems-Murr-Kreis nicht, weiß der Regierungspräsident, aber man habe die Sicherheit der Bürger durch die Geschwindigkeitsbegrenzungen sicherlich erhöht, sagt Reimer und fügt hinzu: „Wir müssen nur jetzt schauen, dass sie auch eingehalten werden.“
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Und die Nebenstrecken, auch die vom Kreis sanierte kurvige Straße nach Jux, sind bei Motorradfahrern sehr beliebt. Auch hier ist das Tempo in bestimmten Bereichen auf Tempo 40 gedrosselt, in einer Kurve sogar ein sogenannter Rüttelstreifen aufgebracht worden. Abgeschreckt habe das die, die dorthin eigens zum Rasen kämen, bisher noch nicht, meint der Bürgermeister.