Nach 17 Jahren als Ortsbaumeister in Denkendorf geht Michael Heidrich in den Ruhestand. Sein letztes Projekt ist der neue Bauhof, den er weiterhin begleitet.
Das Vermächtnis von Michael Heidrich wächst gerade am Ortsausgang von Denkendorf in die Höhe. Die Pläne für den neuen kommunalen Bauhof in der Esslinger Straße hat der studierte Architekt selbst entworfen. Auch die Umsetzung wird der 64-Jährige aus dem Ruhestand heraus noch teilweise begleiten, auch wenn für Michael Heidrich die passive Phase der Altersteilzeit gerade begonnen hat.
Seit 2008 war er als Ortsbaumeister in der Gemeinde zuständig für die baulichen Aspekte der öffentlichen Gebäude wie Kindertagesstätten, Schulen, Sporthallen, Festhalle, Rathaus, Bücherei und weitere gemeindeeigene Liegenschaften. Doch nicht nur große Bauprojekte wie die Sanierung und Erweiterung der örtlichen Schulen, der Neubau des Kinderhauses Alter Eichwald oder eben der neue Bauhof haben seine Arbeit im Denkendorfer Ortsbauamt bestimmt. Oft gehörten auch defekte Klobrillen oder nicht funktionierende Rollläden in den mehr als 100 kommunalen Wohnungen dazu.
Empathie und Verständlichkeit: Heidrichs Bauphilosophie
Gebäude sollten den Menschen dienen, das sei immer sein Anliegen gewesen, erzählt Heidrich. Dafür brauche es Empathie und ein Gefühl dafür, wo die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer liegen. Wichtig war ihm zudem, eine auch für architektonische Laien verständliche Sprache zu sprechen – ob im Gemeinderat oder im Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern. „Ihnen die fachlichen Sachverhalte nahezubringen, ist eigentlich gar nicht so schwierig“, meint Heidrich.
Von der freien Wirtschaft zur Kommunalverwaltung
Eigentlich hatte Michael Heidrich nach dem Studium der Architektur und Stadtplanung eine Karriere als Architekt in der freien Wirtschaft im Auge gehabt. Rund 20 Jahre lang arbeitete er in einem Architekturbüro. Als dort die Aufträge einbrachen, entschied sich der Vater zweier Kinder, die damals im Teenager-Alter waren, für „etwas Sicheres“. Er habe zwar mit dem Wechsel in die Kommunalverwaltung eine neue Welt betreten, es jedoch nie bereut. „Man wechselt die Seiten, ist nicht mehr Planer, sondern vertritt den Bauherrn, die Kommune“, erklärt er. Doch weil er vom Fach war, habe er mit den Auftragnehmern auf Augenhöhe sprechen können.
Trotzdem gab es immer wieder Projekte, die Heidrich selbst realisieren konnte, die Kinderkrippe im ehemaligen Fruchtkasten des Klosters etwa oder eben der neue Bauhof.
Herausforderungen und Chancen im kommunalen Bauwesen
In den ersten Jahren sei vor allem das kommunale Energiemanagement eine seiner Hauptaufgaben gewesen. Damit verbunden waren energetische Sanierungen vieler kommunaler Gebäude, allen voran der Schulen. Gerade die beiden örtlichen Schulen wurden unter laufendem Betrieb saniert. Die Schülerinnen und Schüler wurden während der Bauzeit teils in Containern unterrichtet. „Das waren oft große logistische Herausforderungen“, erinnert sich Heidrich. Doch dadurch habe man auch viel Geld gespart. Technisch eine der größten Herausforderungen sei die Sanierung der historischen Friedhofskapelle gewesen. Da habe der Denkmalschutz jedes Holzstück inspiziert. Auch die Sanierung des denkmalgeschützten Alten Bären sein spannend gewesen, berichtet Heidrich. Sanierungen seien komplizierter und viel weniger planbar als Neubauten. „Sie bergen oft viele Überraschungen, da muss man schnell reagieren.“ Doch Heidrich weiß auch, „dass Sanierungen oder das Bauen im Bestand die Zukunft sind“. Natürlich könne man sich mit dem Bauen auf der grünen Wiese am meisten verwirklichen. „Aber das wird es nicht mehr oft geben“, ist er überzeugt.
Herausforderungen und Wandel im kommunalen Bauwesen
Die Aufgaben im Ortsbauamt haben sich in 17 Jahren gewandelt. Vor allem auch die Bürokratie sei angewachsen, erzählt Heidrich. „Wir müssen immer mehr Dokumentationen erstellen.“ Und finanzielle Prognosen seien immer schwieriger geworden. „Heute sind Kostenberechnungen ein bisschen wie ein Lotteriespiel.“ Dabei musste er die für sein Ressort nötigen Finanzmittel oft schon lange vor dem Baubeginn in die Aufstellung des Haushaltsplans einbringen.
Energiezukunft: Paradigmenwechsel und neue Wärmeplanung
Auch im Bereich der Energie habe es viele Paradigmenwechsel gegeben, sagt Heidrich – etwa weg von Gasheizungen, die vor Jahren noch als zukunftsträchtig angesehen worden seien. Inzwischen arbeite die Kommune an einer Wärmeplanung, um die Weichen für die Zukunft zu stellen.
In einer Gemeinde, die – auch dank der nötigen Finanzmittel – viel baue, sei das Team im Ortsbauamt stets gefordert gewesen, sagt Heidrich. Sein Nachfolger Nicolas Leonhardt ist bereits seit Wochen im Amt. „Die Dinge geordnet übergeben zu können, ist ein schönes Gefühl.“
So ganz verabschieden wird sich Michael Heidrich nicht aus Denkendorf. Er bleibt ehrenamtlicher Gutachter für die Kommunen Plochingen, Altbach, Köngen und eben auch Denkendorf.
Architekt und Stadtplaner
Architekt
Michael Heidrich ist in Filderstadt aufgewachsen und hat ab 1982 an der Universität Stuttgart Architektur und Stadtplanung studiert. Ab 1988 arbeitete er in einem Architekturbüro in der Region. 2008 übernahm er die Stelle des Ortsbaumeisters in der Gemeindeverwaltung Denkendorf. Dort war er unter anderem zuständig für zwölf Kindertagesstätten, rund 20 weitere kommunale Gebäude und über 100 gemeindeeigene Wohnungen.
Familie
Der 64-Jährige ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Er lebt mit seiner Familie in Kleinbettlingen. Eines seiner Hobbys ist das Reisen, das er im Ruhestand intensivieren will. Auch einige Kunstbücher warten darauf, gelesen zu werden. Außerdem will Heidrich seine Italienischkenntnisse auffrischen und wieder mehr Sport treiben. Bis vor wenigen Jahren spielte er aktiv Tischtennis.