Der Zugverkehr war vom Sturmtief stark betroffen. Foto: dpa/Marijan Murat

Mit Macht ist Orkan Sabine über den Südwesten gefegt. Vor allem Pendler und Fluggäste mussten improvisieren. Die Sturmschäden fielen aber eher gering aus.

Stuttgart - Das Orkantief Sabine ist am Montagmorgen über Baden-Württemberg hinweggezogen, ohne die befürchteten großen Schäden zu hinterlassen. Zwar wurden zahlreiche Bäume entwurzelt, Straßen gesperrt und einige Dächer abgedeckt. Allerdings erlitten nur wenige Menschen Verletzungen, mindestens ein Autofahrer wurde schwer verletzt. „Noch ist alles glimpflich verlaufen“, sagte ein Polizeisprecher im Lagezentrum des Innenministeriums am Morgen.

Die wirtschaftlichen Folgen von Sabine dürften dagegen immens sein. Denn wo das Tief über das Land fegte, fuhr kaum noch ein Zug. Zehntausende Pendler steckten fest und kamen nicht zur Arbeit. Auch Dutzende Starts und Landungen am Flughafen in Stuttgart wurden gestrichen.

177 Stundenkilometer auf dem Feldberg

Bis in die Mittagsstunden erreichten die Böen teilweise orkanartige Kraft vor allem über dem Schwarzwald. Auf dem Feldberg erreichte der Wind Geschwindigkeiten von bis zu 177 Stundenkilometern. Erst gegen Mittag hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) seine Unwetterwarnungen schrittweise auf.

In nahezu ganz Baden-Württemberg berichteten die Polizeistellen von umgestürzten Bäumen, die zum Teil auf geparkte Autos gestürzt waren. Bauzäune wurden umgerissen, Werbetafeln umhergeweht, Klohäuschen stürzten um, mindestens ein Hallendach wurde abgedeckt. In vielen Regionen hielten sich die befürchteten Schäden aber in Grenzen.

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Bei Titisee-Neustadt (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) krachte ein Baum auf das Dach eines Wagens. Ein Mensch wurde dabei verletzt. In Eppingen (Kreis Heilbronn) fiel ein Teil eines Lastwagens auf ein Auto, ein Mensch erlitt schwere Verletzungen. Auf der Autobahn 81 kippte ein Lastwagen um. Auf einem Wanderparkplatz in Kaisersbach (Rems-Murr-Kreis) kam ein Camper-Ehepaar mit dem Schrecken davon. Nach Angaben der Polizei hielten sich die beiden in ihrem Wohnwagen auf, als eine im Sturm entwurzelte Tanne auf einen Teil des Fahrzeugs krachte. Der Baum drückte den Heckbereich des Wohnwagens ein und verklemmte die Eingangstür. Das Ehepaar blieb unverletzt, musste aber von der Feuerwehr befreit werden.

Für große Teile Deutschlands hatte der DWD die zweithöchste Unwetterstufe herausgegeben, im Schwarzwald galt in einigen Regionen sogar die höchste der vier Warnstufen.

Fährbetrieb auf dem Bodensee eingestellt

Deshalb standen am Feldberg auch die Lifte still. „Am Montag werden aufgrund des Sturmtiefs alle Lifte geschlossen bleiben“, twitterte der Liftverbund Feldberg. „Wir bitten die Warnungen und Empfehlungen des Deutschen Wetterdienstes zu beachten.“ Bis Montagmorgen war nach Angaben der Betreiber nicht absehbar, wann der Skibetrieb wieder starten kann. Auch der Fährbetrieb auf dem Bodensee wurde vorübergehend eingestellt.

Sabine wirbelte zum Wochenbeginn auch die Reisepläne zahlreicher Pendler gewaltig durcheinander. Vor allem Bahnfahrer mussten Geduld aufbringen und improvisieren. Die privaten Betreiber Go-Ahead und Abellio wollten gemeinsam mit der DB Netz je nach Wetterlage und nach Erkundungsfahrten sowie eventuellen Reparaturarbeiten entscheiden, ob sie wieder anfahren können. Die ersten Züge am Morgen waren bereits in den Depots geblieben. „Es ist leider schon jetzt absehbar, dass die Störungen den ganzen Tag über andauern werden“, teilte der Betreiber Go-Ahead mit.

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Auch die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG) mit Sitz im Schwarzwald stellte ihren Zugverkehr in Baden „bis auf weiteres“ ein. Der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) ließ Busse und Straßenbahnen zunächst in den Depots. Da die meisten Züge von privaten Bahnunternehmen wie Go-Ahead und Abellio auf den Gleisen der Deutschen Bahn rollen, kommt es bei den Privatbahnen in der Regel zu denselben Einschränkungen.

Die Deutsche Bahn ließ ihren Fernverkehr auf den baden-württembergischen Hauptstrecken nur langsam wieder anrollen. „Wir stellen immer wieder neue Störungen fest“, sagte ein Bahnsprecher. Deshalb seien die Verbindungen noch nicht stabil. „Wir empfehlen jedem, der heute nicht fahren muss, die Fahrt zu verschieben.“ Die S-Bahn in Stuttgart lief am Mittag langsam wieder an, erreichte aber noch nicht ihren normalen Takt.

Kinder müssen nicht in die Schule

Vor Problemen standen am Morgen auch Eltern von Schulkindern: Weil es auf dem Schulweg gefährlich werden könnte, durften sich ihre Kinder vom Unterricht befreien lassen, wie das Kultusministerium in Stuttgart mitteilte. In einigen Regionen in Baden-Württemberg wurde sogar empfohlen, am Montag wegen des erwarteten Sturms zu Hause zu bleiben.

Der Flughafen in Stuttgart hatte bereits am Wochenende vorgesorgt und Flüge gestrichen. Nach Angaben eines Sprechers wurden insgesamt mehr als 75 Starts und Landungen abgesagt. Mit Einschränkungen rechnete der Flughafen aber bis in den Nachmittag hinein. Die Airline Eurowings strich fast alle Flüge für die Dauer des Sturmtiefs - auch davon war Stuttgart stark betroffen.

Sabine ist laut DWD ein Winterorkan, wie er etwa alle zwei Jahre vorkommt. So stark wie „Kyrill“ (2007) oder „Lothar“ (1999) werde Sabine nicht.

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