Oriol Romeu (li.) verstärkt das defensive Mittelfeld des VfB Stuttgart Foto: Pressefoto Baumann

Oriol Romeu wird für die Spielzeit 2014/15 vom FC Chelsea London ausgeliehen. Der Spanier verstärkt das defensive Mittelfeld der Stuttgarter. Hat der VfB auf dieser Position nun ein Überangebot?

Mayrhofen - Wirklich neu ist die Methode ja nicht, José Mourinho hat sie in diesen Tagen dennoch wieder angewandt. Mit dem FC Chelsea verlor er ein Testspiel gegen Werder Bremen 0:3 – und anstatt den deutschen Fußball anschließend zu loben, schlüpfte der Star-Trainer in seine Lieblingsrolle: die des Provokateurs. „Die englische Liga ist nicht wie die deutsche, wo du weißt, wer Erster und Zweiter wird“, bruddelte der Portugiese und meinte: „Die Premier League ist hart.“ Komisch nur, dass fast zeitgleich in Mayrhofen ein gewisser Oriol Romeu erklärte: „Mourinho hat mir dazu geraten, zum VfB zu wechseln.“ Also in die Bundesliga.

Oriol Romeu sitzt am Montagmittag in der Jagdstube des Hotels Elisabeth im österreichischen Zillertal, als er vom Gespräch mit „The Special One“ erzählt, das noch nicht wirklich lange zurückliegt. Denn erst in der vergangenen Woche wurde beim FC Chelsea entschieden: Romeu wird noch einmal ausgeliehen. „Danach“, sagt der 22-jährige Spanier, „ging alles ganz schnell.“

Vom Trainingslager in den Niederlanden reiste Romeu nach Barcelona, um die Familie noch einmal zu sehen. Am Sonntag ging’s nach Stuttgart, wo beim VfB der Medizincheck zu überstehen war. Am Abend fuhr der Mittelfeldspieler dann mit Sportdirektor Jochen Schneider ins Zillertal, um 0:50 Uhr kam das Duo an, um 10 Uhr am Montagmorgen stand Romeu mit seinen neuen Kollegen auf dem Trainingsplatz. Kurz danach erklärt er: „Ich komme mit viel Selbstvertrauen und glaube an meine Fähigkeiten.“ Weshalb Fredi Bobic ergänzt: „Er war unser Wunschspieler.“ Nicht erst seit gestern.

Schon vor einem Jahr, versichert der Sportvorstand des VfB, habe man sich um den jungen Spanier bemüht, damals entschied der sich aber für den FC Valencia. Als nun Bobic mit dem neuen Trainer Armin Veh übereinkam, dass die Mittelfeldzentrale noch nicht ausreichend besetzt ist, erinnerten sich beide (Veh: „Ich kannte ihn schon“) an den Schützling der Nachwuchsakademie des FC Barcelona. „Das war ein Zeichen von Vertrauen“, sagt Romeu, „dies zu spüren ist das Allerwichtigste.“ Nun beginnt die Phase, in der er es zurückzahlen möchte.

Für ein Jahr ist der Katalane nun ein Stuttgarter, die Leihgebühr soll lediglich 250 000 Euro betragen, dafür ist der bisherige England-Legionär alles andere als ein Billiglöhner. Eine Kaufoption konnte Bobic dem FC Chelsea nicht abringen, da man in London trotz des erneuten Leihgeschäfts von Romeu überzeugt ist. Dessen Vertrag wurde kürzlich bis 2017 verlängert. „Das ist aber kein Problem, weil er immer – egal wo – sehr professionell gearbeitet hat“, sagt Bobic, der sicher ist: „Er erhöht die Qualität unserer Mannschaft. Er ist präsent in den Zweikämpfen, sehr robust, und er ist fußballerisch beschlagen.“

Das klingt nicht schlecht. Andererseits: Tummelten sich beim VfB nicht schon genug Spieler, die als Sechser einsetzbar sind? „Nein“, sagt Armin Veh und hält es mit seinem Vorgänger Huub Stevens, der in Carlos Gruezo den einzigen echten Sechser gesehen hatte. Mittlerweile ist zwar auch William Kvist zurückgekehrt, Bedarf sah der Coach dennoch: „Einen Schuss Aggressivität haben wir schon noch gebraucht.“

Die soll neben Gruezo nun auch Oriol Romeu ins VfB-Spiel bringen – wobei völlig offen ist, ob die beiden überhaupt gemeinsam auf dem Platz stehen werden. Veh schließlich war seit jeher ein Verfechter eines 4-4-2-Systems mit nur einem Sechser. Nun aber sagt er: „Ich bin da überhaupt nicht festgelegt und werde je nach Gegner entscheiden, wen ich brauche.“ Entsprechend wollte er zunächst drei zentrale defensive Mittelfeldspieler. Der erst 19-jährige Gruezo, Kvist, der eine andere Art Fußball verkörpert – und nun also Romeu, der sagt: „Der Trainer will schönen Fußball, der die Fans begeistert. Ich denke, das ist der richtige Weg.“ Sein eigener liest sich zumindest verheißungsvoll.

Bis er zwölf Jahre alt war, spielte er bei Espanyol Barcelona, dann wechselte er in die Barça-Jugend und spielte später in der zweiten Mannschaft auch unter Trainer Pep Guardiola. Mit 19 wechselte er zum FC Chelsea, für den er in der Premier League und der Champions League spielte – 2012 saß er beim Gewinn der Königsklasse in München auf der Bank. Ein Kreuzbandriss stoppte ihn Ende 2012, ehe er in der vergangenen Saison an den FC Valencia ausgeliehen war, mit dem er ein Testspiel gegen den VfB 0:1 verlor.

So ein bisschen weiß Oriol Romeu also, was auf ihn zukommt. Er sagt: „Die Bundesliga ist eine sehr attraktive Liga. Ich freue mich darauf.“ Auch wenn José Mourinho das ein wenig anders sieht.

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