Deutsch-indische Koproduktion in der Böblinger DAT-Kunstschule. Foto: Stefanie Schlecht

Böblingen trifft Bangalore: Der Theaterteenclub der DAT-Kunstschule kooperiert für die länder- und kulturverbindende Produktion „Hero by Heart“ mit jungen Bühnentalenten aus Indien. Und das auf besonders ausgetüftelte Weise.

Plumps, da liegen sie. Wie aus dem Nichts werden der Reihe nach sieben Jugendliche aus Böblingen an einen mystischen Ort katapultiert. Sie alle befinden sich auf einer persönlichen Heldenreise, sie alle haben ein Problem zu lösen. Hilfe bekommen Sie aus einer unerwarteten Richtung: aus Bangalore im fernen Indien.

 

Die Ausgangssituation für die neue Inszenierung der Böblinger DAT-Kunstschule mag auf den ersten Blick etwas verwirrend klingen. Lange dürfte es aber nicht dauern, bis das Publikum sich in dem Stück namens „Heroes by Heart“ zurechtfindet.

Von Banagalore nach Böblingen dauert es nur wenige Sekunden

Dann könnte die Verwirrung schnell in Staunen umschlagen, wenn die Theaterproduktion mittels clever eingesetzter Videotechnik mühelos mehr als 7000 Kilometer überwindet und junge Theatertalente aus Indiens Hightech-Metropole in den Städtischen Feierraum holt.

Jugendliche auf Heldenreise im Städtischen Feierraum. Foto: Stefanie Schlecht

Die beiden kreativen Köpfe hinter diesem länder- und kulturverbindenden Projekt sind Prisca Maier-Nieden und Samta Shikhar. Die eine leitet die Böblinger DAT-Kunstschule und den Fachbereich Theater, die andere arbeitet ebenfalls in leitender Funktion an der Head Start Educational Academy in Bangalore.

Die indische Theaterpädagogin war schon früher in Böblingen. „Das erste Mal war im Jahr 2016, als sie mit meiner Vorgängerin Marcela Herrera und Böblinger Grundschülern einen Theaterworkshop angeboten hatte“, erzählt Prisca Maier-Nieden. Zwei Jahre später, damals schon unter Maier-Niedens Leitung, kam die indische Kollegin für eine weitere Koproduktion namens „One Way Ticket to Bangalore“ nach Böblingen.

Das Thema „Helden“ als kulturelle Gemeinsamkeit

Die aktuelle Produktion ist ein von allen Beteiligten selbst entwickeltes Stück. Dem Titel nach geht es um Heldinnen oder Helden im Herzen. „Wir haben nach Gemeinsamkeiten in unseren Kulturen gesucht“, erklärt Samta Shikhar, wie man gemeinsam auf das Heldenmotiv kam und dafür unterschiedlichste Figuren auswählte: von Jeanne d’Arc bis zu dem Bauarbeiter Zeki Yasik, der vergangenes Jahr in Böblingen eine Kindesentführung vereitelt hat.

Auf die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede zwischen Deutschland und Indien kommt es im Stück besonders an, denn es soll nicht nur in Böblingen aufgeführt werden: Ende Juli wird Prisca Maier-Nieden zur Head-Start-Academy nach Bangalore reisen. Auch dort soll es Jugendliche an einen mystischen Ort verschlagen und auch dort sollen die Heldinnen und Helden Hilfe von einem fernen Ort bekommen: nämlich aus Böblingen.

Mit ihren Gegenparts in Indien sind die Böblinger Jugendlichen per Videokonferenz seit einiger Zeit im intensiven Austausch. „Wir lernen viel über die indische Kultur“, sind Elena Sukulic und Arwen Holder sich einig. „Ich wurde gefragt, wie Schnee sich anfühlt“, berichtet Lina Stüve von einem Zoom-Gespräch mit Bangalore, wo man die weiße Himmelspracht offenbar nur von Fotos und Filmen kennt.

Den jungen Helden wird einiges abverlangt

Wie die beiden Regisseurinnen die Böblingen-Bangalore-Connection in Szene setzen, wird bei einem Probenbesuch in der Woche vor Ostern deutlich. Dabei wird auch klar, dass diese Produktion dem elf- bis 14-jährigen Bühnennachwuchs sowie der Technik im Hintergrund einiges abverlangt – sowohl wegen der deutsch-englischsprachigen Probearbeit, vor allem aber in Sachen Timing.

Das beginnt schon beim eingangs beschrieben Hineinkatapultieren der Heldenreisenden, die genau im richtigen Moment über ein Trampolin hinter dem Bühnenvorhang auf einer Matte landen müssen.

Mit den Worten „Erkenne dich selbst“ werden sie dann von einer Hohepriesterin begrüßt (gespielt von Janushya Suthakaran und in Vertretung von Loren Sekulic). Sieben weiß gekleidete Orakel-Geistliche halten geometrische Figuren mit weißer Oberfläche vor sich. Immer wieder fügen sie diese zu einer Projektionsfläche für Bilder und Videos zusammen. Damit der smarte Technikeinsatz auch funktioniert, muss das ganze Team auf Zack sein.

„Leute, ein bisschen hurtig“, sagt Prisca Maier-Nieden, als das Orakel-Tangram sich einmal nicht schell genug zusammenfügen will. „Zurück auf Position 3-2-2“, gibt sie vor. Hier muss jede Bewegung und jeder Einsatz flutschen, damit das Zusammenspiel aus Schauspiel, Musik und insbesondere Video die gewünschte Wirkung erzielt.

Böblinger schicken zur Rettung Brezel nach Indien

Die Einspieler sind wichtig für die Handlung. Indische Jugendliche präsentieren hier typische indische Gegenstände wie den Tonwasserbehälter Mudka, eine Figur des Elefantengotts Ganesha oder eine Süßigkeit namens Ladoo. Jeder dieser Gegenstände hilft dann auf seine Weise, den Böblinger „Heroes“ ihre ganz persönlichen Probleme und Konflikte zu lösen.

Wie das gelingt, wird sich bei der Premiere am 4. Mai zeigen. Bis dahin weiß Samta Shikhar vermutlich auch, was die Böblinger Jugendlichen für ihre Inszenierung in Bangalore in die Kamera halten werden. „Bis jetzt haben wir erst einen für hier typischen Gegenstand gefunden“, sagt Prisca Maider-Nieden, „eine Brezel.“

Termine und Vorverkauf

Aufführungen
Die Premiere von „Hero by Heart“ wird zuerst am 4. Mai in Böblingen und dann am 1. August in Bangalore uraufgeführt. Weitere Darbietungen im Städtischen Feierraum sind am 8., 16., 17., 23., 24., 25. und 28. Mai. Beginn ist jeweils um 19 Uhr, sonntags um 18 Uhr.

Karten
Tickets für 14, ermäßigt zehn Euro gibt es online bei Reservix, an der Abendkasse oder dem i-Punkt in Sindelfingen. Für 35 Euro gibt es eine Familienkarte. Weitere Infos bei der DAT-Kunstschule (steht für Dance, Art, Theater) unter Telefon 0 70 31 / 6 69 16 32.