Krankenkassen stellen einen Organspendeausweis kostenlos aus Foto: dpa

Nach dem Organspende-Skandal 2012 hat der Sinkflug der Spender-Zahlen ein Ende. Sie seien jetzt „stabil schlecht“, heißt es. Patientenschützer kritisieren trotz neuer Gesetze nach wie vor die Regeln der Vergabe.

Nach dem Organspende-Skandal 2012 hat der Sinkflug der Spender-Zahlen ein Ende. Sie seien jetzt „stabil schlecht“, heißt es. Patientenschützer kritisieren trotz neuer Gesetze nach wie vor die Regeln der Vergabe.

Stuttgart - Schließlich steht Josef Theiss auf, schüttelt der Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) die Hand und hält ein Plakat in die Kameras der Fotografen. Es zeigt die Botschaft, die er an diesem Montagvormittag vermitteln will. Auf dem Bild zu sehen sind ein halbes Dutzend Menschen, die ihr Schicksal mit Josef Theiss teilen, und alle ein Schild mit einer Zahl darauf notiert vor sich halten. Eine Zwanzig steht auf dem Pappschild von Theiss. „Es sind die geschenkten Lebensjahre. Ich habe 20 Jahre durch meine Organspende gewonnen“, sagt er.

Solche Bilder wollen die Verantwortlichen des Tags der Organspende auch am kommenden Samstag in der Stuttgarter Königstraße produzieren. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) und Patientenverbände verteilen dort Spenderausweise und informieren über ein Thema, zu dem die meisten Deutschen eine widersprüchliche Haltung haben.

Laut einer aktuellen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind die meisten Menschen in Deutschland zwar zu einer Organspende bereit. Doch nicht einmal jeder Dritte hat einen Organspendeausweis ausgefüllt. Dabei ist es alles andere als kompliziert, einen Ausweise zu beantragen. Das Dokument kann hier aus dem Internet geladen werden.

Zahl der Spender sank auf Rekordtief

„In Deutschland warten 11 000 Schwerkranke auf ein Spenderorgan“, stellt die Sozialministerin Altpeter am Montag fest. Die Zahl der Spender allerdings sinkt seit Jahren – vor allem seitdem im Jahr 2012 in einzelnen Kliniken Manipulationen bei den Wartelistendaten bekannt wurden. Auf ein Rekordtief von 876 Spenden sank die Zahl der Transplantationen im vergangen Jahr (mehr als 16 Prozent weniger als im Jahr 2012). Dem Vorschlag, Bürger automatisch im Verzeichnis der Organspender zu führen wie in Spanien, erteilt Sozialministerin Katrin Altpeter dennoch eine Absage. „Für mich gehört ein positiver Willensausdruck und eine ganz bewusste Entscheidung dazu.“

„Immerhin geht die Bereitschaft zu spenden aktuell nicht weiter zurück, sondern ist stabil schlecht“, sagt Axel Rahmel von der Deutschen Stiftung Organtransplantation. In Baden-Württemberg gab es im vergangenen Jahr 98 Organspender. Derzeit warten 1371 Menschen auf das lebensrettende Organ eines Spenders.

Patientenschützer kritisieren Vergabe-Verfahren

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisiert die Organvergabe dennoch scharf. „Die Bevölkerung will sicher sein, dass die Regeln für die Organspende für alle Empfänger gleich sind“, sagt der Vorsitzende Eugen Brysch unserer Zeitung. Für die Schwerstkranken auf der Warteliste sei unklar, vor welchem deutschen Gericht sie eine Entscheidung der Ärzte überprüfen lassen können. „Es kann nicht sein, dass der Gesetzgeber Organempfänger in dieser Frage allein lässt. Verwaltungs-, Sozial- und Landgerichte schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu.“

Der Patientenschützer Brysch fordert den Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zudem auf, klare Regeln für den Umgang mit ausländischen Patienten zu schaffen. Dabei gehe es nicht um Bürger aus den Ländern der Vermittlungsstelle Eurotransplant. Das sind neben den Beneluxländern, Österreich, Ungarn, Slowenien und Kroatien und Deutschland.

„Bisher gab es hier eine Fünf-Prozent-Regel für Spenderorgane an Patienten, die nicht im Eurotransplant-Gebiet wohnen“, erklärt Brysch. „Diese Regel war immer schon Willkür und wurde nun von Eurotransplant aufgelöst. Jetzt kann jedes Transplantationszentrum machen, was es will.“

Es gehe um viel Geld, betont er. „Denn diese ausländischen Patienten sind Privatzahler. Hier muss schnell eine staatliche Lösung her“, sagt der Patientenschützer.

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