Melanie Bogner zeigt ihre in einzelne Kategorien beschrifteten Boxen. Foto: Ines Rudel

Aufräumen, ausmisten und entrümpeln – der Frühjahrsputz steht vor der Tür. Melanie Bogner, Ordnungscoach von Wôhli aus Esslingen, gibt Tipps, wie man Ordnung schafft und warum man nicht mit dem Kleiderschrank beginnen sollte.

Der Frühjahrsputz ist für viele jedes Jahr aufs Neue eine lästige Angelegenheit. Neben Fenster putzen und Staub wischen bedeutet das auch, sich von alten Dingen zu trennen und Ordnung zu schaffen. Aber wie findet man die nötige Motivation und was ist dabei zu beachten? Dafür ist Melanie Bogner aus Esslingen die Expertin. Sie ist Gründerin von Wôhli und zertifizierte Ordnungscoach. Seit mehr als einem Jahr hilft sie Familien und Einzelpersonen beim Aufräumen und Organisieren der Wohnungsbereiche – aussortieren, kategorisieren und einrichten.

 

Ziel setzen und Schritte planen

Ein Fehler bei der Herangehensweise, der laut Melanie Bogner tunlichst vermieden werden sollte: „Beim Aufräumen sollte man niemals mit dem Kleiderschrank beginnen.“ Die emotionale Verbindung mit den Kleidungsstücken verhindere, dass das Aufräumen schnell gelingt. Küche und Bad sind für den Anfang dagegen gut geeignet.

Auch sollte man anfangs nicht zu viel auf einmal ausräumen. „Dann liegen da 20 kleine Haufen auf dem Boden, jede Schublade ist leer, aber man ist keinen Schritt weitergekommen“, sagt Bogner. Stattdessen sollte man sich ein Zeitlimit für eine bestimmte Schublade setzen und alle Sachen, die wegkönnen, in einen Karton zu packen und am Ende direkt zu entsorgen.

Unterschiedliche Organisationstypen

Von vornherein sollte jeder für sich selbst bestimmen, welchem Organisationstyp man entspricht: „Manche Menschen kommen nicht zur Ruhe, wenn zu viel Zeug rumliegt, und wollen ihre Sachen versteckt halten“, sagt Bogner. Im Gegensatz dazu gibt es jedoch auch die visuellen Typen, die beispielsweise nicht gerne Textilien aus ihrem geschlossenen Kleiderschrank herausholen und sich mit einer Kleiderstange im Raum wohler fühlen.

Ebenso unterscheide man zwischen der „Mikro-“ und „Makro-Organisation“: „Ob man zum Beispiel alle Scheren zusammen sortiert, also „Mikro-“ organisiert, oder sie in eine übergeordnete Kategorie mit anderen ähnlichen Gegenständen packt“, sagt Bogner. Die Boxen und Behältnisse zu beschriften, sei beim Kategorisieren das Wichtigste. Dadurch spart man nicht nur Zeit, die Sachen wiederzufinden, sondern vermeidet auch unnötige Doppelt- und Dreifach-Einkäufe. „Nachdem der Kunde das passende System für sich gefunden hat, geht auch das künftige Minimieren leichter von der Hand“, sagt die Ordnungscoach.

Wie schafft man es, sich von Sachen zu trennen?

Aber wie schafft man es, sich von Haushaltsgegenständen oder Kleidung zu trennen? Dazu rät die Ordnungscoach, vorab drei Fragen zu beantworten: Habe ich es in den vergangenen zwölf Monaten benutzt? Würde ich es wieder kaufen, wenn ich es nicht hätte? Habe ich mit dem Gegenstand so eine emotionale Bindung, dass ich ihn nicht weggeben will? Wenn alle drei Fragen verneint werden können, kann das Objekt guten Gewissens aussortiert werden. „Der wichtigste Punkt beim Organisieren ist es, sich von Sachen zu trennen“, sagt Bogner. Bei angesammelten Erinnerungen wie Fotos kann es hilfreich sein, sich nur eine Box anzuschaffen und festzulegen, dass, wenn der Behälter voll ist, nichts Neues mehr dazukommt. So ist man gezwungen, gezielt nur die Sachen, die für einen selbst den emotionalsten Wert haben, zu behalten. Kleidung, Bastelzeug, Spielzeuge oder andere nutzbare Gegenstände, die Bogner bei ihren Kunden ausgemistet hat, spendet sie an Kindergärten in Esslingen, dem „Spenden-Lädle“ vom Frauenhaus und an den Verein Bürger für Berber.