Silke Roller (links) und Claudia Sack sind jetzt Geschäftspartnerinnen. Foto: Tilman Baur

Im vergangenen Jahr ist der Optiker Stefan Sack aus Stuttgart-Degerloch gestorben. Für seine Frau waren die Monate darauf sehr turbulent. Hier erzählt sie, wie sie weitermacht.

Degerloch - Fragt man Claudia Sack danach, wie es nach dem Tod ihres Mannes im vergangenen Herbst weiterging, kommt ihre Antwort spontan und mit Nachdruck: „Chaotisch“, sagt die Inhaberin von Optik Thorausch an der Felix-Dahn-Straße. Ihr Mann Stefan, der das Geschäft in den 1980er-Jahren vom damaligen Eigentümer übernommen hatte und wie seine Frau zu den allgegenwärtigen Händler-Urgesteinen in Degerloch zählte, war nach kurzer, schwerer Krankheit im November gestorben.

Langsam ebbt der bürokratische Wust ab

Mit dem tragischen Einschnitt kamen viele Aufgaben auf Claudia Sack zu, die man in einer solchen Situation am wenigsten brauchen kann. Vor allem mit Bürokratie und Papierkram musste sich Claudia Sack herumschlagen. „Das fängt damit an, dass man stundenlang im Beerdigungsinstitut sitzt und sich Vorträge anhört“, so die Händlerin. Unmengen an Post habe sie bearbeiten müssen, Versicherungen musste sie kündigen, eine Sterbeurkunde beantragen, und nicht zuletzt den Mietvertrag des Hauses kündigen und eine neue Wohnung anmieten. „Was soll ich in so einem großen Haus allein?“, so Claudia Sack.

Erst vor vier bis fünf Wochen ist der bürokratische Wust etwas abgeebbt – abgeschlossen ist er aber noch nicht ganz. „Habe ich das tatsächlich alles gemacht?“, diese Frage habe sie sich nicht nur einmal gestellt angesichts dieses nun fast einjährigen Marathons, sagt Claudia Sack. Und gibt gleich eine bündige Antwort darauf, die man so oder ähnlich oft von Menschen hört, die mehr schultern müssen, als man für möglich hält: „Irgendwie macht man es dann halt.“

Viel Zuspruch und Unterstützung

Zuspruch und Unterstützung habe sie von ansässigen Händlern erhalten, auch von Außendienstmitarbeitern, die immer wieder gefragt hätten, wie sie helfen können. Parallel dazu musste die Geschäftsfrau nicht ganz unwichtige Entscheidungen über die Zukunft des Optikerladens treffen, den sie und ihr Mann lange zusammen betrieben hatten, mal mit Mitarbeitern und Azubis, mal ohne. Ein Verkauf habe jedenfalls nie zur Debatte gestanden, betont Claudia Sack. Der Kontakt zu Silke Roller, die heute Mitinhaberin ist, kam bereits früh zustande. Roller, die schon länger in Degerloch wohnt und bislang ein Optikergeschäft in Wildberg im Schwarzwald leitete, gehörte zum Bekanntenkreis der Sacks. Zunächst sei sie einmal wöchentlich zum Messen vorbeigekommen, doch schnell zeigte sich, dass es passt zwischen den beiden. „Gesucht und gefunden“, fasst Claudia Sack die neue Geschäftsbeziehung knapp zusammen. Mittlerweile ist Silke Roller zu 50 Prozent an dem Optikergeschäft beteiligt.

Angesichts der hohen Kundenfrequenz an jenem Vormittag dürften sich die Sorgen ums Geschäft in Grenzen halten. So sieht es auch Claudia Sack. Die Konkurrenz durchs Internet fürchtet sie nicht. „Unsere Kunden kommen gern in den Laden und schätzen das Gespräch.“

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