Szene aus „Così fan tutte“ im Wilhelma-Theater Foto: Christoph Kalscheuer

Die Opernschule der Musikhochschule inszeniert im Stuttgarter Wilhelma-Theater „Così fan tutte“ – ein toller Abend!

Die Schule der Liebenden: So lautet der Untertitel der Oper „Così fan tutte“. Offenbar ist Mozarts große Ensemble-Oper aber auch eine Schule der Singenden. 2019 hat die Opernschule der Stuttgarter Musikhochschule das Stück zuletzt im Wilhelma-Theater aufgeführt, jetzt hat es dort erneut Premiere gefeiert.

 

Das Orchesterspiel kling luftig und gut ausbalanciert

Am Pult des Stuttgarter Kammerorchesters, das, ergänzt um Studierende, seit Langem die szenischen Hochschulproduktionen begleitet, steht jetzt Bernhard Epstein, und der gibt der zweiten Vorstellung am Montagabend schon bei der Ouvertüre Feuer und ein sehr rasches Tempo vor. In dieser „Così“ geht’s richtig zur Sache, und man kann nur staunen, wie genau, wie luftig und wie gut ausbalanciert das Orchesterspiel klingt. Selbst die schnellen Bläserfiguren kommen auf den Punkt.

Am Ende des „Ah guarda, sorella“ der beiden Frauen will die Koordination zwischen Bühne und Orchester mal nicht recht klappen, aber das bleibt eine Ausnahme, und im Laufe des Abends pegelt sich auch die dynamische Balance so gut ein, dass kein Sänger, keine Sängerin mehr Kraft investieren muss, als seiner oder ihrer Stimme guttut. Den Chor hat man ohnehin gestrichen.

Nur Seoho Park hat mit ihrem feinen Sopran manchmal Mühe, sich durchzusetzen – was aber nicht ins Gewicht fällt, weil sie eine quirlige Despina gibt, auf die jedes Profitheater stolz sein würde. Neben ihr überzeugt Marius Sebastian Aron als Don Alfonso: ein Frustrierter, den es hier ins Priesteramt getrieben hat. Inés López Fernández durchglüht die Dorabella mit farbreicher, beweglicher Stimme; Tamuna Melanishvili meistert zwar nicht alle weiten Intervallsprünge in den Arien der Fiordiligi pannenfrei, zeichnet aber packend das Porträt einer zerrissenen Frau. Mit der Arie „Un aura amorosa“ läuft der Tenor Dustin Drosdziok zu großer Form auf, singt den Ferrando mit weichem Fluss und ungefährdeter Höhe. Neben ihm bringt Hannes Nedele als Guglielmo viel geschmeidige (und laszive) Körperlichkeit ein. Die Aussprache ist bei allen sehr gut, gelegentliche intonatorische Unklarheiten darf man als lässliche Jugendsünden verbuchen. Schließlich klappt an diesem Abend, was selbst bei Profis nicht selbstverständlich ist: das Einfühlen in die großen Ensembles, von denen Mozarts Oper maßgeblich lebt. Sie sind exzellent einstudiert.

Zurück in die Bilder- und Gedankenwelt Pedro Almodóvars

Der Regisseur Guillermo Amaya versetzt gemeinsam mit Jörg Zysik (Bühne und Kostüme) „Così fan tutte“ in die frühen 80er Jahre, genauer: in die Bilder- und Gedankenwelt der damaligen Filme von Pedro Almodóvar. Das karge Mobiliar – gelbes Sofa, roter Sessel, grüner Stuhl, blauer Beistelltisch – wird von den Spielenden ständig umgeräumt. Dabei geht es um Status, aber auch um die Frage, wie man sich einrichten will im Leben. Und das Verwirrspiel um die wechselnde Zuordnung der Paare, das Amaya im ersten Akt begann, endet nicht mal mit dem Fallen des Vorhangs. Das amüsiert, und es tut weh. Toller Abend!

Così fan tutte: am 12., 14., 18., 20., 22. und 24. Juni. Infos: www.wilhelma-theater.de