Hier spielt die Opernschule: Wilhelma-TheaterFoto:Veranstalter Foto:  

Regisseur Bernd Schmitt zeigt in der Produktion von „Les Contes d’Hoffmann“ ein gutes Händchen für die komischen Momente von Jacques Offenbachs fantastischer Oper und inszeniert vielfach punktgenau die Verbindung von Musik und Szene.

Stuttgart - „Fantastische Oper“ nennt Jacques Offenbach seinen Fünfakter „Les Contes d’Hoffmann“. Bernd Schmitt nimmt diese Kategorisierung in seiner Inszenierung im Wilhelma-Theater ganz wörtlich und zeigt den Titelhelden als eine Figur auf der Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Aus diesem Grund gibt es diesen Hoffmann gleich zweimal. Tianji Lin und Roman Poboinyi –Studenten der Opernschule an der Stuttgarter Musikhochschule – teilen sich diesen Part. Mal kriecht der eine auf dem Boden der Wohnküche rum (Bühne und Kostüme: Birgit Angele), mal turnt der andere auf einem Podest samt Glitzervorhang. Allerlei seltsame Figuren begegnen Hoffmann dort, eine Puppe im sexy Weihnachtskostüm, ein Fiesling im Reptilienlook, ein fast nackter Gollum. Sie alle sind Ausgeburten seiner überreizten Fantasie. Bernd Schmitt zeigt in dieser Produktion ein gutes Händchen für die komischen Momente dieser Oper und inszeniert vielfach punktgenau die Verbindung von Musik und Szene, etwa bei den Auftritten der Bösewichter Lindorf, Coppelius und Mirakel, aber auch bei den emotionalen Momenten zwischen Hoffmann und den Frauenfiguren. Manchmal überreizt der Regisseur das allerdings und so gehen einige romantische Passagen in der allgemeinen Heiterkeit unter.

Kernige Stimmen

Gelungen ist diese Produktion auch auf der musikalischen Seite. Lara-Sophie Scheffler als Antonia und Anais Sarkissian als Giulietta begeistern mit lyrischen Stimmen, die Baritone Philipp Franke als Coppelius und Arthur Cangucu als Mirakel geben mit kernigen Stimmen die Bösewichter. Geradezu sensationell zelebriert Clémence Boullu die halsbrecherischen Olympia-Koloraturen. Nicholas Kok steuert das junge Ensemble und die Instrumentalisten sicher durch den Abend. Entgegen kommt allen Beteiligten dabei die von Jan-Benjamin Homolka eingerichtete Kammerfassung mit reduziertem Streicherapparat, einigen Streichungen und subtilen Ergänzungen. Vor allem die beiden Tenöre in der Titelrolle profitieren davon und bewältigen die große Partie staunenswert.

Weitere Vorstellungen am 11., 13., 15., 17. und 19. Juni.

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