Wieland Backes vom Verein Aufbruch Stuttgart ärgert sich über OB Fritz Kuhn. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Wieland Backes vom Aufbruch Stuttgart wehrt sich gegen die heftige Kritik von OB Fritz Kuhn an den Opernplänen des Vereins. Die Mehrheit im Gemeinderat lehnt die geforderte Verlegung des Königin-Katharina-Stifts ab.

Stuttgart - Nach der scharfen Kritik von OB Fritz Kuhn (Grüne) an den Opernplänen des Vereins Aufbruch, den dieser eher als „Verein Abriss“ sieht, wehrt sich Wieland Backes von der Bürgerinitiative „entschieden gegen diese Art von Diffamierung“. Der frühere „Nachtcafé“-Moderator warnte am Sonntag in einer Pressemitteilung die Rathausspitze davor, „bürgerschaftliches Engagement zu diskreditieren“. Der neue Verein habe „in wenigen Monaten mehr erreicht hat, als die offizielle Stadtpolitik in Jahren“.

Zwar könne die Initiative verstehen, wenn der OB „vor einer möglichen Wiederkandidatur eine beschlossene Opernsanierung als seinen Erfolg vorweisen möchte“. Dies sollte ihn aber nicht dazu verleiten, „den guten Stil eines fairen Dialogs aufzugeben“, erklärte Backes. Kuhns Aussage, die Schülerzahlen des Königin-Katharina-Stifts seien durch die von Aufbruch Stuttgart ausgelöste Diskussion zurückgegangen, sei falsch. Schon vor dem Auftreten der Initiative seien die Anmeldungen zurückgegangen. Das denkmalgeschützte Gebäude an der Schillerstraße, so Backes, könnte auch beim Bau einer neuen Oper „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ erhalten und integriert werden. Falsch sei außerdem, dass der Verein „Bildung gegen Kultur“ ausspielen wolle und dass die Littmann-Oper, wie vom OB behauptet, nicht die Ansprüche an ein Konzerthaus erfülle.

Der Verein wird am 15. Mai im Ausschuss gehört

Ausführlich kann die Initiative ihre Sichtweise darlegen, wenn sie am 15. Mai im Technischen Ausschuss zur Kulturmeile gehört wird. Davor zeichnet sich bereits ab: Der Vorstoß der mit Prominenten aus der Kultur- und Architektenszene gespickten Bürgerinitiative um Wieland Backes und den Stuttgarter Architekten Arno Lederer, das Königin-Katharina-Stift zu verlegen und an seiner statt eine neue Oper zu errichten, stößt nicht nur bei der Schulgemeinschaft, sondern auch im Gemeinderat auf wenig Gegenliebe. Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass die bisherige vage Kostenschätzung für das Operninterim am Rosensteinpark in Höhe von rund 50 Millionen Euro deutlich höher ausfallen könnte.

„Wir hören uns alles an und sind auch bereit, mit Herrn Backes und Herrn Lederer zu diskutieren. Ich sehe aber keine Notwendigkeit, den Schulstandort erneut infrage zu stellen“, so der Chef der CDU-Fraktion, Alexander Kotz. Aus seiner Partei wurde in der Vergangenheit die Forderung erhoben, dem mehr als 100 Jahre alten Gymnasium Bestandsschutz zu garantieren. Für die Grünen im Rat ist definitiv klar: Am Schulstandort wird nicht gerüttelt. „Unsere Haltung ist da eindeutig“, sagt Fraktionschef Andreas Winter. Über alle anderen Ideen bezüglich der Kulturmeile könne man reden.

„So kann man mit der Schule nicht umgehen“

Auch Martin Körner (SPD) findet, dass das Königin-Katharina-Stift nicht der Leidtragende bei der Umgestaltung der Kulturmeile sein darf: „So kann man mit der Schule nicht umgehen.“ Allerdings meldet Körner Zweifel an der Nachhaltigkeit der finanziellen Investitionen in das Postgebäude am Rosensteinpark an. „Die SPD sieht da weiterhin Fragezeichen“, so Körner. Nach den ursprünglichen Plänen soll das Paketpostamt nach einer fünfjährigen Interimsnutzung als Ausweichoper während der Sanierung des Großen Hauses der Erweiterung des Rosensteinparks im Zuge von Stuttgart 21 weichen. Daran hält die SPD fest. Im Gegensatz dazu kann sich die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus eine dauerhafte Nutzung des Paketpostamts als kulturelle Einrichtung vorstellen. „Das wäre ein Highlight für Stuttgart“, sagt Fraktionssprecher Hannes Rockenbauch. Den möglichen Abriss des altehrwürdigen Gymnasiums zugunsten eines Operngebäudes wäre dagegen nach seiner Auffassung ein weiteres Negativbeispiel dafür, „wie in Stuttgart mit historischer Bausubstanz umgegangen wird“.

Jürgen Zeeb (Freie Wähler) will sich Lederers Ideen zwar anhören, ist aber ebenfalls skeptisch: „Das bringt doch die ganzen Planungen nur durcheinander.“ Auch Bernd Klingler vom Bündnis Zukunft Stuttgart 21 spricht sich gegen die Pläne zur Verlagerung des Schulstandorts aus. Nur die FDP im Rat, deren Landtagsabgeordnete Gabriele Reich-Gutjahr den Lederer-Vorstoß in den höchsten Tönen lobt, findet Gefallen an der Idee, die Schule abzureißen und durch einen Neubau an geeigneter Stelle zu ersetzen: „Ich halte das für eine überdenkenswerte Variante“, so FDP-Sprecher Matthias Oechsner.

Nur die FDP findet Gefallen an den Ideen des Aufbruchs Stuttgart

Unterdessen gibt es vor der Sitzung des Verwaltungsrats der Württembergischen Staatstheater am 18. Mai Spekulationen über die Kosten für den Umbau des Paketpostamts in ein Operninterim. Nach Informationen unserer Zeitung rechnet die Abteilung Vermögen und Bau des Finanzministeriums, die die Federführung bei den Plänen für die Interimsoper hat, mittlerweile mit bis zu 100 Millionen Euro. Unklar ist, ob diese Summe die Kosten für einen Umzug des noch bestehenden Postbetriebs an einen anderen Standort beinhaltet.

Der Verein Aufbruch lädt „aus aktuellem Anlass“ für Dienstag, 15. Mai, 20 Uhr, zu einer Podiumsdiskussion mit den Fraktionsvorsitzenden der drei großen Parteien, Architekt Arno Lederer und dem ehemaligen Direktor der Staatsgalerie, Christian von Holst, in den Hospitalhof ein.

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