Ausgangspunkt aller Überlegungen: Opernhaus in Stuttgart Foto: dpa

Mit großen Erwartungen hat der Verein Aufbruch Stuttgart dafür plädiert, die geplante Opern-Sanierung in Stuttgart neu zu denken. Stadt, Land und Staatstheater wollen am vereinbarten Zeitplan festhalten

Stuttgart - Aufbruch Stuttgart nennt sich ein Verein, der Ideen für die gestalterische Zukunft der Landeshauptstadt sammelt. Jüngst bat der Verein um den Architekten Arno Lederer und den ehemaligen Fernsehmann Wieland Backes fünf Architekturbüros zu einem Wettstreit der Ideen. Das Thema: Die Weiterentwicklung des von Kultureinrichtungen geprägten Stadtzentrums. Wie bereits berichtet, soll das Opernhaus Stuttgart saniert und das gesamte Staatstheater-Areal im Zentrum der Landeshauptstadt erweitert werden.

Architekten-Vorschläge im Stadtpalais zu sehen

Renommierte Büros folgten der Einladung – Allmann Sattler Wappner (München), Herzog & de Meuron (Basel), KAW (Rotterdam), Christoph Mäckler Architekten (Frankfurt am Main) sowie U-TT (Zürich). Noch bis einschließlich diesen Sonntag sind die Vorschläge der Büros im Stadtpalais Stuttgart zu sehen.

Staatstheater: „Prüfaufträge sind erteilt“

Der knappen Botschaft von Lederer und Backes, die geplante Sanierung und Erweiterung des Staatstheater-Areals sei neu zu denken, mögen die direkt Beteiligten jedoch nicht folgen. „Der Verwaltungsrat der Staatstheater“, sagt Marc-Oliver Hendriks, der Geschäftsführende Intendant des Staatstheaters Stuttgart, „hat sich intensiv mit den diversen Aspekten der bevorstehenden ­Sanierung beschäftigt: Standorte wurden geprüft und wieder verworfen, Bedarfe identifiziert und schlussendlich bestätigt.“

Kein Grund also, den Prozess neu zu denken? „Die weiteren Prüfungsaufträge zum möglichen Interimsstandort und den Gesamtbaukosten“, sagt Hendriks, „sind ebenfalls erteilt und werden derzeit bearbeitet. Daneben stehen natürlich auch die Aspekte der städtebaulichen Gestaltung im Raum.“ „Diese“, betont Hendriks, „können jedoch nicht die Staatstheater verhandeln; das ist eine Frage, die sich an die ganze Stadtgesellschaft richtet.“

Stadt: „Debattenbeitrag zur Diskussion“

Auch an der Spitze des Stuttgarter Rathauses bleibt man zurückhaltend. „Ganz allgemein gesagt“, so formuliert es der Sprecher von Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne), „die Arbeit von Aufbruch, auch den eigenen Ideen-Workshop, sehen wir als ­Debattenbeitrag zur Diskussion um die ­Sanierung des Littmann-Baus und die ­Entwicklung des Neuen Stadtraums B 14, der ja auch von der Stadt größer gedacht ist als die Beschränkung auf den Abschnitt vom Gebhard-Müller-Platz bis zum Charlottenplatz.“

„Erstaunlich nur,“, sagt der OB-Sprecher weiter, „dass da niemand mehr von einer Unter­tunnelung der B 14 spricht, was ja in den ­Anfängen von Aufbruch noch wichtig war.“

Am 18. Dezember präsentiert Aufbruch Stuttgart die Ideen im Rathaus

Am 18. Dezember ist der Verein Aufbruch Stuttgart eingeladen, die Ideen der fünf ­Büros im gewichtigen Ausschuss für ­Umwelt und Technik zu präsentieren. Aus Sicht des OB-Sprechers Andreas Scharf nichts Besonderes: „Auch andere Vertreter von ­Initiativen oder Firmen“, sagt Scharf, ­„haben immer wieder mal in Fachausschüssen präsentiert und mit den Stadträten ­diskutiert, wenn es ein konkretes, aktuelles Thema gibt.“

Keinen Zweifel lässt Scharf am Zeitplan. „Wir wollen“, sagt der OB-Sprecher, „den Littmann-Bau sanieren und erweitern, so dass Oper und Ballett dort spielen können. Würde man das Ganze jetzt wieder anhalten, würde der Spielbetrieb gefährdet. Der ­Prozess läuft in dem Zeitplan, wie vom ­Verwaltungsrat der Staatstheater in seiner Sitzung vom 5. November beschlossen. Da gibt es nichts zu korrigieren.“

Land: Kostenschätzung soll 2019 kommen

Das sieht man im direkten Umfeld von ­Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) offenbar genauso. Auch das ­Staatsministerium verweist auf den ­Beschluss des Staatstheater-Verwaltungsrats. Danach, so das Staatsministerium, „bittet der Staats­theater-Verwaltungsrat Vermögen und Bau Baden-Württemberg auf Grundlage des ­genehmigten Bedarfs der Württem­bergischen Staatstheater von 10 450 Quadrat­metern zusätzlicher Nutzungs­fläche das Umsetzungskonzept für die ­Sanierung und Erweiterung der Württembergischen Staatstheater gemeinsam mit den Württembergischen Staatstheatern und der Stadt Stuttgart abzuschließen und eine Kostenschätzung bis Sommer 2019 zu ­erstellen.“

Aufbruch Stuttgart: Vergebene Chancen

Genau diese Zeitlinie stellt der Verein Aufbruch Stuttgart als „Irrweg“ infrage. „Unser Ideenwettbewerb“, sagt der ­Vorsitzende Wieland Backes, „hat deutlich gemacht, welch große Chancen Stuttgart hat“. Diese, so Backes, „dürfen nicht aus Mutlosigkeit aufs Spiel gesetzt werden“.

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