Chefarzt Thomas Ebinger übt mit dem siebenjährigen Mohammad. Foto: Sana Kliniken

Seine Hände sahen aus wie Fäustlinge. Nach einem Unfall war unklar, ob der kleine Mohammad aus Afghanistan je wieder ein normales Leben führen könnte. Doch dann passierte etwas Wunderbares.

Stuttgart - Die Ärzte in Afghanistan hatten bereits aufgegeben. Zu komplex sei die Operation, die zu Fäustlingen entstellten Hände des kleinen Mohammad wieder hinzubekommen. Im Alter von zwei Jahren hatte er sich der Junge aus Afghanistan schlimm die Hände verbrüht. Fünf Jahre später wurde er in Deutschland mehrfach operiert, begonnen im April. Heute, vermeldet das Karl-Olga-Krankenhaus, könne der Bub seine Hände fast ohne Einschränkungen benutzen. „Wir sind alle sehr froh, dass wir ihm eine Zukunft schenken konnten“, sagt Thomas Ebinger, Chefarzt der Klinik für Hand- und Mikrochirurgie.

Dass Mohammad überhaupt operiert werden konnte, ist dem Friedensdorf zu verdanken. Die Organisation mit Sitz in Köln bringt Not und Hilfe zusammen, indem sie Kinder aus der Dritten Welt eine medizinische Versorgung durch Experten in Deutschland ermöglicht, die ihnen in ihren Heimatländern verwehrt bleiben würde.

Genau dieses Glück hatte Mohammad. Das Friedensdorf wurde auf den Jungen aufmerksam und vermittelte ihn erfolgreich an die Spezialisten des Karl-Olga-Krankenhauses, einem der vielen Partnerinstitutionen der Hilfsorganisation. Um Kosten zu sparen, flog Mohammad alleine nach Deutschland – ganz ohne seine Familie. Hier hielt er sich zwischen seinen Krankenhausaufenthalten in einer Einrichtung des Friedensdorfs in Dinslaken bei Essen auf und wurde dort betreut.

Drei Kliniken lehnten ab

Selbst für einen erfahrenen Chirurgen wie Thomas Ebinger war der Befund eine echte Herausforderung. „Die Finger waren aufgrund der Verbrühung so stark vernarbt, dass es nicht möglich war, die Hände zu öffnen“, erinnert sich der Chefarzt. Dass drei deutsche Kliniken den Eingriff zuvor abgelehnt hatten, da sie ihn für zu anspruchsvoll oder für wenig erfolgsversprechend hielten, machte die Hoffnung für Mohammad nicht größer.

Sechs Operationen später hat Ebinger die Bedenken offenbar widerlegt: „Jetzt sind feine und grobe Greiffunktionen mit beiden Händen möglich.“ Mohammad könne jetzt Fahrradfahren, beispielsweise ein Stück Brot in die Hand nehmen und sogar schreiben – was vorher völlig undenkbar gewesen wäre.

Dabei sah die Prognose nach der ersten Operation noch etwas anders aus. „Es wird noch dauern, bis Mohammad seine Hände so gut einsetzen kann, wie es nach einem so schweren Unfall eben möglich ist“, hatte Thomas Ebinger seine Worte damals noch etwas vorsichtiger gewählt.

Rückkehr nach Afghanistan

Eine Nachbehandlung ist laut den behandelnden Ärzten nicht nötig. Ende August geht es für Mohammad wieder zurück zu seiner Familie nach Nordafghanistan. „Während seiner beiden stationären Aufenthalte bei uns hat Mohammad auch Physio- und Ergotherapie erhalten“, sagt Ebinger. Die erlernten Übungen werde er auch künftig anwenden, um seine Hände weiter zu trainieren.

Und das Friedensdorf? Die ausschließlich über Spenden finanzierte Organisation ist auf der Suche nach weiteren Kindern, denen zum Beispiel im Karl-Olga-Krankenhaus geholfen werden kann. Seit 13 Jahren wird dort mittlerweile etwa ein Kind jährlich über das Friedensdorf vermittelt und behandelt. Es wird wohl nicht die letzte Erfolgsgeschichte gewesen sein.

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