Zauberhaftes Finale: Sopranistin Gudrun Ingimarsdottier herzt Bernd Munk. Foto: Mathias Kuhn

Oper und Wein verwöhnten beim Manufakturzauber der Weinmanufaktur die Gäste. Sopranistin Gudrun Ingimarsdottir sang Arien zu den erlesenen Tropfen, dazu gab’s Schmankerl aus der Sternenküche.

Untertürkhem - Wer schon einmal an einer Weinprobe teilgenommen hat, weiß: Augen, Nase und Gaumen geben den perfekten Eindruck vom eingeschenkten Tröpfchen. Weinexperten betrachten die Farbe der Flüssigkeit im Glas, erschnuppern das Bouquet und schmecken das Aroma mit den Sinneszellen im Mundraum und auf der Zunge. Beim Manufaktur-Zauber im feierlich geschmückten Keltersaal kam ein weiteres Sinnesorgan dazu: die Ohren.

„Nur bei uns in Untertürkheim hören Sie die Melodie der Weine“, versprach Bernd Munk, der Weinmanufaktur-Vorsitzende. Er sollte recht behalten. Berauscht von einem zauberhaften Abend unter dem Motto „Oper & Wein“ verließen die Besucher nach drei Stunden die Kelter. Die exquisite Weinauswahl durch Kellermeister Jürgen Off, die köstlichen Schmankerl aus der Sternenküche von Rolf Straubinger (Burg Staufeneck) sowie die Gesangsdarbietung von Sopranistin Gudrun Ingimarsdottir waren ein Erlebnis für alle Sinne.

„Ich lade mir gern Gäste ein“

Mit einem Weißburgunder-Sekt startete der Abend spritzig. Passend dazu der erste Auftritt der isländischen Sopranistin: Temperamentvoll durch die Tischreihen tanzend sang sie „Ich lade gern mir Gäste ein“ aus der Operette „Die Fledermaus“. Auf dem Tisch standen ein frischer Riesling sowie ein fein-fruchtiger Grauburgunder aus dem Offschen Keller. Die fundierten Erklärungen zu den Tröpfchen als auch zu den Arien servierte Weinakademiker Dietmar Maisenhölder. Ein Trio außergewöhnlicher Gewächse samt passenden Canapés forderten die Besucher beim zweiten Durchgang heraus. Ein Drei-Stern-Riesling, ein feiner Drei-Stern-Chardonnay und eine Überraschung, ein Orange-Wein – eine Cuvée aus Chardonnay- und Grauburgunder-Trauben, die auf der Haut vergären durften. Eine, so die Meinung vieler Tester, gelungene Premiere der Weinmanufaktur. Ingimarsdottir und „ihr“ Pianist Lars Jönsson spielten dazu den Kusswalzer von Arditi.

Kalbschwanz und Schweinebäckle

Halbzeit, Teller- und Farbwechsel: Untertürkheims Rote aus dem Jahr 2016 wurden eingeschenkt: Mönch Berthold, ein Zwei-Stern-Lemberger und ein Siegerwein: der Drei-Stern-Trollinger. Im Trollinger-Wettbewerb gewann er den ersten Preis in der höchsten Kategorie „Individualist“. Top-Qualität auch bei den Begleitern der Roten: Straubinger reichte eine Krokette von Kalbschwanz mit Trüffelmayo, eine Quiche von roten Zwiebeln zum Lemberger und einen hausgemachten Rinderbrustschinken mit Kürbiswürfeln zum Trollinger. Dazu gab’s Puccinis italienischen Ohrenschmaus „O mio babbina Cara“. Vielen Festgästen fiel es schwer, die letzte Köstlichkeit auf dem Teller nicht anzutasten: gepökeltes Schweinebäckle mit Senfkörner-Kartoffel-Vinaigrette und Filderkrautsalat. Dazu passte der Sommelier Blend No. 1. Mit 18 angehenden Sommeliers kreierten Off und Maisenhölder eine feine, noch junge Cuvée aus roten Rebsorten. Ihr zur Seite gesellten die Manufakturzauber-Macher einen wuchtigen Drei-Stern-Merlot – der kulinarische Schlussakt des Abends. Den emotionalen Höhepunkt setzte aber Gudrun Ingimarsdottir. Zuerst mit dem Trinklied aus Verdis „La Traviata“ und nach dem frenetischen Applaus mit zwei weiteren Lobliedern auf den Wein von Johann Strauß: dem Schwipslied und „Im Feuerstrom der Reben“ – wieder aus der „Fledermaus“.

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