Die Oper „Carmen“ vor zwei Jahren war im Rennfahrermilieu angesiedelt. Foto: Horst Rudel/Archiv

Das Nürtinger Konzertensemble präsentiert im Sommer die Komische Oper „Zar und Zimmermann“. Die Verwechslungskomödie zeichnet sich durch markante Charaktere und ein überzeichnetes Spiel aus. Die Premiere ist am 19. Juli.

Nürtingen - Nürtingen liegt in diesem Sommer an der Küste. „Zar und Zimmermann“ heißt die komische Oper, die vom 19. bis zum 27. Juli bei den Nürtinger Opern-Air-Festspielen aufgeführt wird. Das Stück ist im niederländischen Zaandam – in der Schauspielvorlage von Albert Lortzing heißt der Ort „Saardam“ – angesiedelt. Für das Bühnenbild hat Volker Illi auch eine Windmühle entworfen. Diese wird sich während den Aufführungen drehen, und zwar immer dann, wenn es turbulent zugeht. Und an Turbulenzen mangelt es dieser Oper wahrlich nicht.

Der Kirchplatz wird zu einer holländischen Werft

Zum Setting gehören auch ein Schiffsbug aus Holz und Planken, die einen Schiffsbauch skizzieren. In der Verwechslungskomödie, zu der er selbst das Libretto schrieb, lässt Albert Lortzing den Zaren Peter von Russland (Emanuel Fluck) inkognito auf einer holländischen Werft Werkspionage betreiben. Verwirrung entsteht, da ein weiterer Peter (Alexander Tremmel), desertiert aus der russischen Armee, ebenfalls auf der Werft arbeitet.

Dieser hat sich in Marie, die hübsche Nichte des Bürgermeisters von Saardam, verliebt. Diesen Peter plagt die Eifersucht, denn die Schmeicheleien eines französischen Gesandten, der auch auf der Jagd nach dem Zaren ist, lassen Marie nicht unbeeindruckt. Doch schließlich fügt sich bei der komischen Oper alles zu einem glücklichen Ende.

Manche Singtexte sind zu Sprechtexten gemacht worden

Bei den vergangenen Opern-Air-Festspielen vor zwei Jahren griff das Nürtinger Konzertensemble für die Adaption in die Handlung des Stücks ein. Der malerische Kirchplatz mit der Silhouette der Stadtkirche St. Laurentius verwandelte sich in ein Motodrom, denn die Oper „Carmen“ war im Rennfahrermilieu angesiedelt. Auf eine vergleichbare Veränderung wird bei „Zar und Zimmermann“ verzichtet. „Wir werden die Oper in ihrer Zeit belassen und keine Story daraus machen“, sagt Hans-Peter Bader, der die musikalische Gesamtleitung des Opern Air innehat.

Laut der Regisseurin Janne Wagler geht die Inszenierung „mit Vollgas auf die klar umrissenen Figuren zu“. Bei der Oper handle es sich „nicht um einen feinpsychologischen Stoff, sondern das deftige, überzeichnete Spiel steht im Vordergrund. Das Ganze kommt frisch und flott daher“, kündigt Janne Wagler an. Schnelle Auf- und Abgänge sind kennzeichnend für die Komödie. „Das macht die Bühne mit“, freut sich die Regisseurin auf die Oper. Die Verantwortlichen haben das Libretto gekürzt, und der besseren Verständlichkeit wegen sind manche Singtexte in Sprechtexte umgewandelt worden.

Der musikalische Leiter Hans-Peter Bader macht weiter

Eigentlich hatte sich Hans-Peter Bader aus der musikalischen Gesamtleitung nach und nach zurückziehen wollen. Doch jetzt ist der erfahrene frühere Leiter der Nürtinger Musik- und Jugendkunstschule weiter an Bord. „Ich freue mich darauf“, sagt Hans-Peter Bader über den bevorstehenden Festspiele-Sommer 2019.

Die Zuschauertribüne bietet mehr als 450 Sitzplätze

Ensemble
Der Nürtinger Kammerchor entstand 1982 als Chor der Musikschule Nürtingen. Gleichzeitig formierte sich auch die Nürtinger Kammersymphonie, jeweils unter der Leitung von Hans-Peter Bader. Drei Jahre später bildeten beide Ensembles zusammen das Nürtinger Konzert­ensemble. Bei den Opernabenden werden neben dem Chor und dem Orchester acht Solisten die Bühne betreten.

Termine
Die Premiere von „Zar und Zimmermann“ ist für den 19. Juli terminiert. Die weiteren Aufführungen sind am 21., 24., 25. und am 27. Juli. Der Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr auf dem Kirchplatz vor der Stadtkirche. Bei schlechter Witterung findet die Vorstellung konzertant in der Stadthalle statt. Die erhöhte Zuschauertribüne bietet mehr als 450 Sitzplätze. Tickets kosten je nach Kategorie 39, 33 und 23 Euro. In den Kategorien II und III gibt es auch ermäßigte Karten. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Karten sind erhältlich unter der Telefonnummer 0 70 22 / 94 64 - 1 50.

Regie
Die Regisseurin Janne Wagler leitet das vor sechs Jahren gegründete freie Tourneetheater Gobelin in Tübingen. Janne Wagler absolvierte ihre Schauspielausbildung am Winterstein-Theater im erzgebirgischen Annaberg-Buchholz. Seit dreieinhalb Jahren arbeitet sie als freie Regisseurin am Naturtheater Renningen und ist seit diesem Jahr Intendantin des Theaters am Torbogen Rottenburg.

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