Die „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“, kurz Schufa, besteht schon seit 1927. Foto: dpa

Die Initiative „Open Schufa“ will mit Hilfe eines Crowdfunding-Projekts und Schufa-Selbstauskünften von Verbrauchern den Algorithmus hinter der Berechnung des Schufa Scores analysieren. Die Schufa selbst nennt das Projekt irreführend.

Stuttgart - Eine neue Wohnung mieten, ein Auto finanzieren oder einen Handy-Vertrag abschließen – für diese und andere Verbindlichkeiten sollten Vertragspartner eine möglichst weiße Schufa-Weste vorweisen können. In diesem Zusammenhang wird eine Schufa-Auskunft – also eine Auskunft der „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ – als aussagekräftiger Nachweis über die Zahlungsmoral der Verbraucher angesehen.

Die Schufa als sogenannte Auskunftei hilft mit dieser Bonitätsauskunft Unternehmen bei der Einschätzung der Kreditwürdigkeit von Verbrauchern. Zur Berechnung nutzt die Schufa ein Punktesystem und legt somit den Schufa-Score fest.

Open Schufa will den Score analysieren

Aber wie berechnet die Schufa eigentlich diesen Score genau? Eine neue Initiative namens „Open Schufa – Wir knacken die Schufa“ hat sich zur Aufgabe gemacht, den zugrunde liegenden Algorithmus zu analysieren.

Seit dem 14. Februar sammelt die Initiative auf der Crowdfunding Plattform Startnext Spenden. Am Montag hatten zahlreiche Unterstützer zusammen knapp 25 000 Euro bereit gestellt, damit ist das erste Funding-Ziel über 30 000 Euro fast erreicht. Mit dem gesammelten Kapital will Open Schufa nach eigenen Angaben eine Open-Source-Software entwickeln, „die es uns ermöglicht, die SCHUFA-Bescheide einzuscannen, auszulesen und die Daten sicher zu übertragen & speichern.“ Dies soll ab Mai 2018 möglich sein.

Sobald das zweite Funding-Ziel von 50 000 Euro erreicht sei, soll die Auswertung der Daten durch Experten beginnen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Die Initiative sammelt Nutzerdaten

Neben Spenden ruft die Initiative Unterstützer außerdem dazu auf, unter selbstauskunft.net/schufa eine persönliche Selbstauskunft zu beantragen und diese „Open Schufa“ zur Auswertung zur Verfügung zu stellen.

Auf Twitter gaben die Verantwortlichen bekannt, bereits über 7600 Schufa-Anfragen erhalten zu haben.

Hinter der Initiative Open Schufa stehen die beiden Non-Profit-Organisationen „AlgorithmWatch“ und „Open Knowledge Foundation“. Diese gemeinnützigen Einrichtungen wollen dem Prozess der algorithmischen Entscheidungsfindung Transparenz verleihen, um die algorithmusbasierten Resultate besser einzuordnen.

Schufa äußert Kritik

Die Schufa selbst nennt das Projekt der „Open Schufa“ in einer Stellungnahme auf ihrer Homepage irreführend und sieht darin eine Gefahr für die Sicherheit, sowie einen Konflikt mit den Datenschutzbestimmungen in Deutschland. Auch sei die Unabhängigkeit der Initiative zweifelhaft, da die Non-Profit-Organisation AlgorithmWatch von der Bertelsmann-Stiftung unterstützt wird. Zum Bertelsmann-Konzern gehört wiederum eine andere Auskunftei namens Arvato, die zur Schufa-Konkurrenz zählt.

Die Weitergabe der Schufa-Selbstauskunft und allen damit verbundenen persönlichen Daten hält die Schufa für kritisch. Es sei nicht sichergestellt, ob im Rahmen des Open-Schufa-Projekts „die notwendigen Vorkehrungen für Datenschutz und Datensicherheit der eingesandten Daten getroffen worden sind“, so das Unternehmen in seiner Stellungnahme.

Score-Berechnung wurde geprüft

Dem Argument der Initiative, die Schufa würde den Algorithmus zur Berechnung des Scores geheim halten, begegnet die Schufa ihrerseits mit Transparenz. Als einzige Auskunftei habe sie ihr Verfahren zur Score-Berechnung bereits 2010 von den Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder prüfen lassen.

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