Stuttgart VVS verbessert Datennutzung für Fahrgäste

Von Jan Georg Plavec 

Die Daten des VVS sollen Kunden den Anschluss sichern. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die Daten des VVS sollen Kunden den Anschluss sichern. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Auch im öffentlichen Nahverkehr fallen Unmengen Daten an. Der VVS wertet sie im großen Stil aus – auch zum Nutzen der Kunden. Die können die Daten künftig ab sofort auch selbst analysieren.

Stuttgart - Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) fasst nicht nur den öffentlichen Nahverkehr in der Region zusammen, sondern auch all die Daten, die dabei anfallen. So gut wie alle Busse und Bahnen im Verbund senden mittlerweile live ihren Standort an die VVS-Datenbank. Daraus können die Datenexperten in der Zentrale an der Rote­bühlstraße tief greifende Erkenntnisse ziehen – weil die neuen Verträge mit den Verkehrsunternehmen mittlerweile auch das Speichern und Verarbeiten der Pünktlichkeitswerte ihrer Fahrzeuge zulassen.

Im Gespräch mit unserer Redaktion gaben Volker Torlach und Jan Neidhardt von der Abteilung Fahrgastinformation einen Einblick, was alles möglich oder in Arbeit ist – und inwiefern vor allem die 600 000 täglichen Nutzer der VVS-App davon profitieren.

Pünktlichkeit

Schon seit einiger Zeit ist es über die VVS-Smartphone-App und die Website möglich, sich live die Pünktlichkeitswerte der Busse und Bahnen anzeigen zu lassen. Neu hinzugekommen ist die Funktion, auch Umsteigeverbindungen aktiv überwachen zu lassen. Falls eine Verspätung auftritt, weist die App den Nutzer darauf hin. Die Funktion, „VVS Ticker“ genannt, ist in der App derzeit recht gut versteckt – weil sie, so der Verbund, zunächst im Testbetrieb läuft.

Künstliche Intelligenz

Seitdem die neuen Verträge mit den Verkehrsunternehmen im Verbund gelten, darf das VVS-Datenteam Verspätungsdaten auswerten. Das Fernziel ist, Verspätungsschwerpunkte und -ursachen zu identifizieren – für jede Haltestelle jeder Linie. Derzeit analysiere er drei Buslinien intensiv, sagt Jan Neidhardt vom VVS. In die Analyse sollen künftig auch Daten zur aktuellen Verkehrslage einfließen. Damit kann auf lange Sicht insbesondere für Busse detailliert ermittelt werden, an welchen Stellen sie besonders viel Verspätung anhäufen. „Wir wollen dafür auch künstliche Intelligenz einsetzen“, erklärt Neidhardt. So werde deutlich, an welchen Stellen eine Busspur die Pünktlichkeit verbessern kann.

Vorhersage

Solche tief greifenden Datenanalysen sollen es auch möglich machen, Verspätungen vorherzusagen. Für Fahrgäste ist das besonders dann wichtig, wenn sie einen Anschluss erreichen müssen. Falls das aufgrund der Datenlage unwahrscheinlich ist, kann die VVS-App unterwegs Alternativen vorschlagen.

Livekarte

Schon seit einiger Zeit findet sich in der VVS-App eine Livekarte. Sie zeigt die aktuellen Standorte sämtlicher Fahrzeuge im VVS-Gebiet an – und ob sie verspätet sind. Was bisher eher wie eine Spielerei wirkte, ist jetzt um die aktuellen Standorte von Mieträdern und -autos erweitert. Fahrzeuge von Car2Go, Stadtmobil oder Regio-Rad (bisher Call a bike) lassen sich künftig direkt aus der Kartenansicht reservieren.

Offene Daten

Bereits im vergangenen Jahr angekündigt, stellt der VVS seine Daten künftig unter www.openvvs.de zur Verfügung. Dort veröffentlicht der Verbund beispielsweise Fahrplan- und Pünktlichkeitsdaten zur freien Verwendung. Das Portal ist Teil eines größeren Projekts, an dem fünf weitere große Verkehrsverbünde beteiligt sind (http://www.opendata-oepnv.de). Während Laien mit den Daten wenig anfangen können, hilft der erleichterte Zugang Programmierern, datenbasierte Anwendungen zu entwickeln. Die Daten sind kostenlos, aber unter bestimmten Nutzungsbedingungen. Der VVS folgt damit beispielsweise der Deutschen Bahn, die seit mehreren Jahren proaktiv ihren Datenschatz öffnet und regelmäßig Hackertreffen veranstaltet, auf denen mit diesen Daten gearbeitet wird. Jenseits kommerzieller Dienste wird es damit auch für Privatleute einfacher werden, Angebote wie S-Bahn-Chaos zu entwickeln.

Nutzen

„Die Daten schaffen vor allem Transparenz. Fahren müssen immer noch die Verkehrsbetriebe“, sagt Volker Torlach von der Abteilung Fahrgastinformation. Will heißen: Der VVS sammelt Daten, wertet sie aus und gibt die gewonnenen Informationen da an den Fahrgast weiter, wo es ihm sinnvoll erscheint. Pünktlicher wird die S-Bahn dadurch nicht und der Bus steht möglicherweise trotzdem im Stau. Aber wenn alles glatt läuft, zeigt die App dem Kunden zumindest den schnellsten Weg ans Ziel.

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