Zuschauermagnet: In den vergangenen Jahren bot das Open-Air-Kino in Ludwigsburg bis zu 3000 Besuchern Platz. In diesem Jahr werden deutlich weniger Zuschauer in den Genuss eines echten Kinoerlebnisses unter freiem Himmel kommen. Foto: Kinokult/Reiner Pfisterer

Beliebte Freiluft-Kinos in Esslingen und am Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart sind abgesagt. In Ludwigsburg und Kirchheim/Teck finden sie hingegen statt. Was ändert sich in diesem Jahr – und gibt es überhaupt genug gute Filme?

Ludwigsburg/Kirchheim unter Teck - In den vergangenen Jahren strömten jeden Abend durchschnittlich 1500 Besucher zum Sommernachts Open-Air-Kino in den Innenhof der Ludwigsburg Karlskaserne. Ähnliche Veranstaltungen in der Region konnten sich über zu wenig Publikum ebenfalls nicht beklagen.

In diesem Jahr wird das Kinoerlebnis unter freiem Himmel aber eher eine exklusive Veranstaltung. Auf das Gelände in Ludwigsburg dürfen gerade einmal 500 Zuschauer, viele andere Möglichkeiten, draußen Filme zu sehen, gibt es sonst nicht. Auf der Burg in Esslingen wird in diesem Jahr keine Leinwand aufgebaut. Ebenso abgesagt sind die Veranstaltungen vor dem Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart und im Fellbacher Rathaushof.

Rainer Storz mit seinem Verein Kinokult ist einer der wenigen, der sich traut, trotz erheblichem Mehraufwand, ein Freiluftkino zu organisieren. „Das ist die Plattform, um Kino wieder groß zu präsentieren“, sagt Storz. Denn das ist offenbar notwendig. In den Ludwigsburger Häusern Caligari und Luna jedenfalls läuft es seit der Wiedereröffnung nicht gut. Das Orfeo in Fellbach ist sogar noch geschlossen.

Wegen der Abstandsregeln dürfen sowieso nur wenige Zuschauer in die Säle, trotzdem bleiben häufig viel mehr Plätze frei als eigentlich müssten. Auch deshalb ist Kinokult-Chef Storz froh, bald Filme unter freiem Himmel zeigen zu können. Obwohl er mit deutlich weniger Einnahmen, die sonst auch den festen Kinos zu Gute kommen, rechnet.

Programm wird nach und nach bekannt gegeben

Natürlich spielt die Corona-Pandemie trotz reichlich Platz und frischer Luft auch beim Open-Air-Kino eine Rolle – allerdings nicht die Hauptrolle. Ein Hygiene- und Sicherheitskonzept ist zwar unabdingbar, ohne Maskenpflicht, Bodenmarkierungen, Hinweisschilder und in diesem Jahr auch erstmals Platzkarten geht es nicht. Storz und sein Team hoffen trotzdem, dass die Atmosphäre zumindest annähernd so sein wird wie in den vergangenen Jahren. Denn von ihr lebt das Freiluft-Kino. Die Besucher kommen früher, halten ein Schwätzchen, essen etwas. „Sehen und gesehen werden, das gehört schon dazu“, sagt Storz. Gelegenheiten dazu gibt es in diesem Sommer reichlich: Weil weniger Zuschauer im Innenhof des Kunstzentrums Karlskaserne Platz finden, dauert das Kino – statt der üblichen 18 Tage – fast den gesamten August. Mit der deutlich längeren Spielzeit „können wir auch den ein oder anderen Film zeigen, den wir uns sonst verkniffen haben“, so Storz. Daneben laufen aber auch Klassiker und Oscar-prämierte Filme wie „A star is born“, „Joker“ und „Bohemian Rhapsody“. Noch haben die Organisatoren nicht das komplette Programm veröffentlicht, weil sie flexibel bleiben wollen. „Wenn die Nachfrage bei einem Film besonders groß ist, können wir ihn auch nochmal zeigen“, sagt Storz. Der 57-Jährige lässt es auch offen, kurzfristig neue Filme oder Previews ins Programm aufzunehmen, die eigentlich erst im September oder Oktober in den Kinos anlaufen.

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Zu den Mutigen, die in der Pandemie ein Open-Air-Kino veranstalten, gehört auch das Kino auf dem Schlossberg in Herrenberg. Es läuft bereits – und geht noch bis zum 16. August. Und auch Raimund Fischer traut sich. Ausgerechnet in dem Jahr zu pausieren, in dem sein Sommernachtskino auf dem malerischen Platz vor der Martinskirche in Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) volljährig wird, kam für ihn nicht in Frage. „Wir ziehen das voll durch“, sagt Fischer. So können sich die Freiluftkinofreunde vom 6. bis zum 30. August auf unterhaltsame Kinoabende freuen, wobei Fischer den Zuschauen vor allem die französische Komödie „Das Beste kommt noch“ am 8. August ans Herz legt. Wie in Ludwigsburg auch spielt Corona zumindest eine wichtige Nebenrolle.

Ein merkwürdig anmutender Appell

Statt 1000 Zuschauer werden pro Abend maximal 500 Gäste auf das Gelände gelassen. Um diese Zahl überhaupt ermöglichen zu können, greift Fischer zu einem in diesen Zeiten ein wenig merkwürdig anmutenden Appell: Er fordert das Publikum auf, sich, wenn möglich, die Tickets in Gruppen von bis zu 20 Personen zu kaufen und als solche Gruppe dann auch zu erscheinen. Denn zwischen jeder Gruppe müssen zwei Stühle frei bleiben. Je größer die Gruppen sind, desto weniger freie Stühle gibt es, hofft Fischer. Dabei werde, so verspricht er, sehr genau darauf geachtet, dass die Corona-Abstandsregeln auch eingehalten werden. „Dass wir mit den Corona-Vorgaben umgehen können, haben wir mit unserem Autokino beim Bahnhof unter Beweis gestellt“, sagt Fischer. „Wir werden alles dafür tun, dass sich niemand ansteckt“.

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