Aufbauarbeiten vor dem Mercedes-Benz-Museum für das am 13. August startende Open-Air-Kino Foto: Lichtgut/Volker Hoschek

Laue Abende unter prächtigem Sternenhimmel, dazu cineastische Leckerbissen auf der Leinwand: Das Stuttgarter Open-Air-Kino vor dem Mercedes-Benz-Museum beginnt an diesem Donnerstag, 13. August. Insgesamt werden 16 Filme gezeigt.

Stuttgart - Wie klug, dass die Architekten beim Bau des Mercedes-Benz-Museums daran gedacht hatten, wie man die Umgebung für außergewöhnliche Ereignisse nutzen kann. Das in Beton gegossene Amphitheater jedenfalls eignet sich für Konzerterlebnisse wie bei den Stuttgarter Jazz Open ebenso wie für offene Gottesdienste etwa beim Kirchentag. Oder eben für Filmdarbietungen unter freiem Himmel. Nach der Aufgabe des früheren Standorts am Berliner Platz bei der Liederhalle ist es die mittlerweile neunte Auflage vor der prächtigen Museumskulisse. „Vor allem bei Sonnenuntergängen gibt es wunderbare Lichtspiele an der Fassade des Museums, die genoppten Aluminiumplatten erzeugen tolle Lichtreflexe“, erläutert Maike Sigloch, Eventmanagerin des Museums und Projektleiterin fürs Kino.

In den Tagen kurz vor Beginn des Kinos wird noch kräftig gewirbelt. Die Leinwand wird hochgezogen, die Stühle werden mit Nummern versehen und auf die Treppen platziert. „Wir lassen an den Seiten immer ein wenig frei, so dass von jedem Platz aus gute Sicht auf den Film besteht“, sagt die 30-Jährige – die übrigens selbst „gerne Full Screen“ hat, also möglichst viel Filmfläche, und deshalb zumeist eher vorne in der Mitte sitzt. Außerdem wird der Projektionscontainer per Kran von außen in den Innenbereich des Amphitheaters gehievt. Der Container ist innen voll klimatisiert – Voraussetzung dafür, dass die sensible Digitaltechnik nicht schlappmacht. Seit 2013 gibt es diese moderne Technik – was zugleich bedeutet, dass das bei vielen Kinofreunden beliebte, heimelige Surren der Filmspulen nun der Vergangenheit angehört. „Mit der Bildqualität haben wir seit zwei Jahren einen enormen Sprung gemacht, die ist jetzt super“, verspricht Sigloch.

700 Plätze stehen zur Verfügung, was dem Erlebnis eine intime Atmosphäre verleiht. Die Vorverkaufsquote liegt derzeit bei gut 75 Prozent. Drei Vorstellungen waren bereits nach drei Tagen ausverkauft. Für die Hälfte der 16 Vorstellungen gibt es keine Karten mehr. „Wir setzen in der Auswahl aber bewusst nicht komplett auf Mainstream“, erläutert Maike Sigloch, „sondern zeigen auch Arthaus oder Nischenfilme.“ An sechs Abenden werden im Vorprogramm kurze Streifen aus dem Wettbewerb des diesjährigen Internationalen Trickfilmfestivals gezeigt. Karten gibt’s beispielsweise noch für „Birdman“ am 16. August, „Selma“ am 21. August oder „Love & Mercy“ am 23. August über den legendären Beach-Boys-Musiker Brian Wilson. Den Abschluss am 30. August bildet „Interstellar“: Raumschiffabenteuer unter dem Sternenhimmel, das passt nach Siglochs Einschätzung doch ideal.

90-Prozent-Auslastung angepeilt

Nach dem vom schlechten Wetter geprägten Vorjahr sind die Veranstalter zuversichtlich, heuer wieder an jene 90-prozentige Auslastung von 2013 anknüpfen zu können. Auf alle Fälle liegen genügend Regenponchos parat, „und die sind bei Bedarf auch ruck, zuck ausgeteilt“. Erst einmal musste in den acht Jahren ein Filmabend wegen Gewitter und Hagel abgesagt werden.

Filmbeginn ist gegen 21 Uhr. „Pro Tag kommt die Dunkelheit zwei Minuten früher“, sagt Sigloch. Längere Filme werden deshalb eher ans Ende des Programms gestellt, denn dann kann man etwas früher starten. Dies gilt insbesondere für „Interstellar“ mit seinen 169 Minuten; zum Abspann ist dann Mitternacht nicht mehr fern.

Noch offen ist der Wunschfilm am Donnerstag, 27. August, aus den 90er Jahren, den die Zuschauer noch bis Ende dieser Woche über Facebook auswählen können. Derzeit hat „Pulp Fiction“ die Nase vorn. Für ein besonderes Open-Air-Feeling sorgt am Dienstag, 18. August, die European Outdoor Film Tour mit ihren Abenteuer- und Sport-Filmen. Ein Stargast der besonderen Art ist am 22. August zu bewundern: Zum Science-Fiction-Streifen „Jurassic World“ wird das originale Mercedes-Benz GLE Coupé ausgestellt, das auch im Film zu sehen ist.

Besucher können kostenlos in der Museums-Tiefgarage parken. Der Eintritt kostet neun Euro. Vorab stärken kann man sich in der ohnehin den Sommer über aufgebauten Mercedes-Benz-Lounge oder an der ­Cine-Bar neben der Leinwand.

Freiluftkino in der Region

Ludwigsburg: Das 23. Sommernachts-Open-Air-Kino in der Barockstadt dauert bis 16. August und befindet sich somit auf der Zielgeraden. Vor der mit 200 Quadratmetern größten Leinwand in der Region Stuttgart finden 2700 Besucher Platz. Ein Highlight ist an diesem Mittwoch die Deutschland-Premiere der Komödie „Coconut Hero“ mit Regisseur und Filmteam.

Fellbach: Im fliegenden Wechsel mit Ludwigsburg (es stehen ja auch dieselben Macher dahinter) folgt im Rathaus-Innenhof der Stadt unterhalb des Kappelbergs das Sommernacht-Open-Air-Kino von Samstag, 15. August, bis Samstag, 22. August.

Schorndorf: Das Sommerfilmfestival in der Geburtsstadt Gottlieb Daimlers dauert noch bis Donnerstag, 20. August. Vor der Kulisse des Burgschlosses sind beispielsweise noch zu sehen „Die Gärtnerin von Versailles“ (Mittwoch, 12. August) oder zum Abschluss am Donnerstag, 20. August, „Nur eine Stunde Ruhe“.

Kirchheim/Teck: Das 13. Sommernachtskino bietet mit dem Martinskirchplatz und umsäumt von Fachwerkgebäuden eine der schönsten Freiluft-Kino-Kulissen in Baden-Württemberg. Zwischen Donnerstag, 13. August, und Sonntag, 6. September, werden insgesamt 25 Streifen gezeigt.

Vaihingen/Enz: Das Open-Air-Kino in der Stadt im Kreis Ludwigsburg bietet bis Sonntag, 23. August, Programm unter freiem Himmel. Aber Achtung, es gibt einen neuen Standort, nämlich hinter der Stadthalle.

Oppenweiler: Das Open-Air-Kino in der Gemeinde im Rems-Murr-Kreis dauert zwar nur einen Tag, hat aber mit dem Schlosspark eine besonders schöne Kulisse in romantischer Atmosphäre. Geboten wird am Samstag, 22. August, „Honig im Kopf“.

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