Bei den KSK Music Open im Hof des Ludwigsburger Residenzschlosses bieten die Fantastischen Vier am Samstagabend eine Show, die kaum etwas vermissen lässt. Im Regen bringt die Stuttgarter Combo eine große Hitdichte – und auch einen neuen Song.
Ganz artig mit hinter dem Rücken verschränkten Armen stehen Smudo, Thomas D. und Michi Beck am Samstagabend um 20.50 Uhr auf der Bühne im Hof des Ludwigsburger Residenzschlosses. Eben noch waren von einigen der 10 000 Fans im Publikum erste Unmutsbekundungen ob der langen Wartezeit – Einlass war um 17 Uhr – zu hören, aber jetzt explodiert die Stimmung bei den Zuschauern.
Eingeheizt von DJ Thomilla und seinem Set von 1990er- und 2000er Hip-Hop-Hits ist der Schlosshof ab den ersten Worten von „MfG“ bereit. Auch wenn beim ersten Song des Abends noch nicht alles sitzt, stellen sich bald bei den Fantas und ihren Fans so etwas wie wohlige Heimatgefühle ein. Für die Fantas, die Stuttgarter Rap-Gruppe schlechthin, ist auch das vor den Toren der Landeshauptstadt gelegene Ludwigsburg ein „Hoimspiel“ wie Thomas D. erklärt. Weil drei der vier Fantas seit Langem nicht mehr in schwäbischen Gefilden beheimatet sind, sondern in ganz Deutschland verstreut wohnen, ziehen ihre Heimspiele die Massen besonders an.
Thomas D. als ehemaliger Ditzinger und Gerlinger fragt schnell ab, wer aus den Kommunen im Kreis da sei, und auch der in Gerlingen aufgewachsene Smudo hat eine Verbindung zum Kreis Ludwigsburg. „Die engste Verbindung zur Stadt hat unser Manager, Bär Läsker, der wieder in seine Heimatstadt gezogen ist“, sagt Thomas D.
Die Fans freut es, aber auch sie kommen aus der gesamten Region, es ist nämlich bis zum Dezember das einzige „Hoimspiel“ wie es Thomas D. nennt. Neben dem erwartbaren Lokalkolorit mitsamt kleinen Spitzen, in denen Ludwigsburg als „Ditzinger Hinterland“ bezeichnet wird, freuen sich die Fans vor allem darüber, dass sich die Fantas nach 35 Jahren Bandgeschichte nicht zu schade sind, an diesem Abend genau jene Bandgeschichte musikalisch Revue passieren zu lassen. Nach dem Auftakt geht es mit „Yeah, Yeah, Yeah“ von der 2007 erschienenen „Fornika“-CD weiter. In der Folge springen die Fantas, die ihren Auftritt routiniert absolvieren, immer wieder zwischen älteren Stücken wie „Was geht?“ und „Tag am Meer“ zu Songs wie „Hitisn“ oder „25“, die in den vergangenen zehn Jahren entstanden. Mit „44 000“ gibt es sogar einen Einblick in das frisch fertig gewordene Album der Band. Es erscheint am 4. Oktober.
Smudo mit einem Appell für Demokratie
Der Veranstaltungsort im Schlosshof ist auch für die Fantas etwas Besonderes. Michi Beck flachst zwischendurch, dass das ideal sei, weil komplett umbaut, und „so kann keiner abhauen“. Die Gefahr besteht an diesem Abend trotz des immer wieder einsetzenden und am Ende in Dauerbegleitung übergehenden Regen nicht. „Das passt alles“, sagt Michi Beck: „Super Location, super Wetter. Besser geht es nicht für ein Picknick.“
Nicht nur bei Liedern wie dem „Picknicker“ zeigen sich die tausenden Fans textsicher. Selbst die, die 1996, als das Stück veröffentlicht wurde, selbst noch nicht geboren waren. Überhaupt fällt beim Blick ins Publikum auf, dass viele Kinder dabei sind. Nach 35 Jahren Bandgeschichte machen nun offensichtlich häufig Eltern mit ihren Töchtern und Söhnen einen Familienabend bei den Fantas im gediegenen Ambiente des Schlosses. Das passt, denn neben wenig obszönen Texten liefern die Rapper an diesem Abend in Form einer kleinen Rede von Smudo einen klaren Appell für Demokratie und gegen Ausgrenzung von einzelnen Bevölkerungsgruppen.
Zu den musikalischen Höhepunkten des Abends gehört der erste Nummer-1-Hit der Band „Sie ist weg“. Das fast 30 Jahre alte Stück wird dabei von tausenden Kehlen textsicher mitgerappt. Auch der Solo-Auftritt von Thomas D. mit seinem „Krieger“ begeistert. Ganz in rotes Licht wird dabei die Bühne getaucht und der Rapper zeigt, dass er es sich auch mit 55 Jahren noch leisten kann, das Stück oberkörperfrei und mit vollem Körpereinsatz darzubieten.
Ein wenig Verwunderung löst dann bei den Fans aus, dass nach 70 Minuten erst mal die Show vorbei ist. Wenige Minuten später geht es dann aber mit einer Zugabe, die es in sich hat, weiter. Mit ihrem ersten Hit „Die da!?!“ erreicht die Nostalgie den Höhepunkt, vor allem weil die drei Frontmänner auch den aus dem Video bekannten Tanz aufführen. Bei „Ernten was wie säen“, das rocklastig mit langem Gitarrensolo daherkommt, fühlt man sich kurz auf ein Rockkonzert versetzt. Und mit „Zusammen“ appellieren die Vier an das Gemeinschaftsgefühl, dass sich an diesem Abend zwischen Publikum und Band eingestellt hat. „Ohne euch hätten wir die 35 Jahre nicht durchgehalten“, sagt Michi Beck. Angesichts des Zuspruchs nicht nur an diesem Abend ist bei den Fantas denn auch erst mal kein Ende in Sicht. Thomas D. verabschiedet sich mit dem Spruch „bis Dezember“. Dann spielt er mit And. Ypsilon, Smudo und Michi Beck wieder in Stuttgart – zum Jahresausklang ein weiteres Heimspiel.
Was noch ansteht im Schlosshof
Nächstes Konzert
Nach ein paar Tagen Pause bei KSK Music Open steht am Mittwoch, 31. Juli 2024, ab 17 Uhr das „Rabatz & Rabauken Festival“ an. Mit Heavy Saurus und Kool Katz steht der Tag ganz im Zeichen der jüngsten Musikfans.
Weitere Highlights
Am Donnerstag, 1. August, tritt die Bietigheimer Band Pur im Schlosshof Ludwigsburg auf. Einen Tag darauf folgt Popsänger Wincent Weiss, und den Abschluss der diesjährigen Open-Air-Konzerte im Residenzschloss bildet am Samstag, 3. August, der Auftritt von Paul Kalkbrenner.