Sebastian Braun interviewt die Spitzenkandidaten für die OB-Wahl. Foto: z

Wo hat Sebastian Turner in seiner Jugend in Stuttgart geskatet? Wo chillt Fritz Kuhn? Und will Bettina Wilhelm, dass nachts mehr Busse und Stadtbahnen in Stuttgart fahren? Sebastian Braun, 16 Jahre, aus Möhringen, hat für den Online-Sender Stuggi.TV die Kandidaten befragt.

Filder – Zwölf Minuten. So lange dauert – gefühlt – so manche Politikerantwort. Die jungen Macher des Stuttgarter Online-Senders Stuggi.TV haben es geschafft, in dieser Zeit viele Fragen an die Stuttgarter OB-Kandidaten Fritz Kuhn, Sebastian Turner und Bettina Wilhelm zu stellen. Auch für die Antworten hat die Zeit gereicht. Moderiert hat die Talkrunde am Dienstag im Rathaus Sebastian Braun, 16 Jahre alt, aus Möhringen. Jetzt ist die Sendung online.
Herr Braun, wie nervös waren Sie, als Sie die Spitzenkandidaten für die OB-Wahl in Stuttgart interviewt haben?
Ich war nicht besonders aufgeregt. Vor meiner ersten Sendung für Stuggi.TV war ich wesentlich nervöser. Es ist natürlich inhaltlich schon ein Sprung: vom Urban Gardening zu einer Talkrunde mit Politikern. Aber insgesamt würde ich eher von einer gesunden Anspannung sprechen.

Doch was hätten Sie gemacht, wenn sich die Kandidaten vor laufender Kamera beharkt hätten? Die Sendung ist zwar aufgezeichnet worden, aber die Bedingungen waren die einer Livesendung. Herausschneiden war nicht möglich.
Da hatte ich keine Bedenken. Ich habe den Wahlkampf intensiv verfolgt, er wird bislang sehr ruhig geführt.

Im Team von Stuggi.TV ist der Älteste 25 Jahre alt. Sie richten sich an ein Publikum diesseits der 25. Warum war der jüngste OB-Kandidat, der 32-Jährige Hannes Rockenbauch von SÖS/Die Linke, nicht in der Runde?
Ohne Frage hätten wir ihn sehr gerne dabei gehabt. Er wäre auch sehr gerne gekommen, das hat er uns persönlich versichert. Es gab da wohl ein Kommunikationsproblem in seinem Wahlkampfbüro. Wir hatten uns Mitte Juli mit unserer Anfrage an die vier aussichtsreichsten OB-Kandidaten gewandt. Von Fritz Kuhn, Sebastian Turner und Bettina Wilhelm haben wir sehr schnell eine Zusage bekommen, vom Büro von Hannes Rockenbauch kam auch auf Nachfrage keine Antwort. Und als er dann zusagte, stand das Konzept unserer Sendung schon fest.

Die Sendezeit ist knapp bemessen. Nach welchen Kriterien haben Sie und die Stuggi.TV-Redaktion die Fragen ausgewählt?
Wir haben uns gefragt, welche Themen interessieren Jugendliche in diesem OB-Wahlkampf? Wenn man nur eine Frage pro Thema an jeden Kandidaten stellen kann, dann sucht man sehr genau aus.

Die Fragen drehen sich darum, ob sich die Kandidaten in Trendsportarten auskennen und wie sie ihre Jugend in Stuttgart verbracht haben. Jetzt machen Sie selbst gerade Ihr Sozialpraktikum in einem Kindergarten. Das Kita-Problem ist eines der großen Probleme in Stuttgart...
... das stimmt. Aber es betrifft Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren noch nicht.

Wer weiß? Bis die geforderten Skaterbahnen gebaut sind, sind sie vielleicht schon in einem Alter, in dem sich die Interessen gewandelt haben.
Ich glaube nicht, dass es einen 15-jährigen Schüler jetzt im Moment interessiert. Aber grundsätzlich haben Sie damit Recht.

Mode und Auftreten ist ein wichtiges Thema. Wie lange haben Sie überlegt, was Sie für das Interview anziehen?
Wir haben das in der Redaktion schon diskutiert. Ich will einerseits natürlich rüber kommen. Wenn ich in Anzug und Krawatte aufgetreten wäre, dann hätte das komisch gewirkt. Andererseits kann man in dieser Sendung, im Gegensatz zu anderen von Stuggi.TV, nicht irgendwas anziehen.

Was wäre nicht gegangen?
Mein Lieblingspullover, ein orangefarbener Kapuzenpulli. Das hätte zu sehr an die orangefarbenen Schriftzug auf den Plakaten von Hannes Rockenbauch erinnert. Aus dem gleichen Grund war auch ein schwarzes, grünes oder rotes Oberteil tabu. Letztlich habe ich mich für ein blaues Hemd entschieden.

Und eine knielange Shorts in Beige.
Die sieht man auf dem Video nicht. Ich muss sagen, dass mir die kurze Hose an diesem Nachmittag echt das Leben gerettet hat. Denn im Gegensatz zu den Kandidaten, die nur zwölf Minuten in dem Raum im Rathaus standen, haben wir den ganzen Dienstagnachmittag dort aufgebaut. Draußen war es warm, im Raum selbst aber sehr heiß. Im Video sind wir sowieso alle nur bis zur Hüfte zu sehen. Das ist also genauso wie bei den Sprechern der Tagesschau.

Sie haben das Interview souverän geführt, aber können Ihr Wissen am Wahltermin am 7. Oktober gar nicht praktisch nutzen – denn Sie sind 16 Jahre alt und dürfen noch nicht wählen.
Das stimmt, leider. Ich habe mir natürlich trotzdem eine Meinung über die Kandidaten gebildet, das Interview hat diese auch nicht geändert. Aber als Journalist möchte ich neutral bleiben und kann deswegen nicht mehr dazu sagen.
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