Online-Verkauf erweitern VVS verspricht Schlangen-Beschwörung

Von Konstantin Schwarz 

Auch am Rotebühlplatz ist Geduld gefragt. Foto: Peter-Michael Petsch
Auch am Rotebühlplatz ist Geduld gefragt. Foto: Peter-Michael Petsch

Ein weiteres Online-Ticket soll den Ansturm auf Verkaufsstellen zum Schul- und Semesterstart bremsen. Bis jetzt gibt es lange Wartezeiten.

Stuttgart - An den Verkaufsstellen der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) ist einmal mehr Geduld gefragt. Schüler und Studenten bilden auf dem Weg zum Scool-Abo und Studi-Ticket lange Schlangen. Der Verkehrsverbund  sinnt auf Abhilfe. Er will den Online-Verkauf erweitern.

„20 Minuten musste ich hier anstehen, und es sieht in der Innenstadt überall gleich aus!“, moniert eine Kundin des Verkehrsverbunds (VVS) am Mittwoch den schleppenden Abbau der Warteschlange vor dem SSB-Kundenzentrum in der Rotebühlpassage. „Ich habe gut 15 Minuten gewartet, es waren nur zwei von vier Schaltern geöffnet, der dritte hat erst um 9.30 Uhr aufgemacht“, zeigt eine junge Frau am Kundenzentrum beim Charlottenplatz, dass ihre Geduld endlich ist.

Kurz nach dem Schul- und wenige Wochen vor dem Semesterstart wird der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) von jungen Zeitkarten-Käufern überrollt. „In diesem Jahr ist es besonders schlimm, wir haben den doppelten Abiturjahrgang, dazu kommen viele Berufsschüler“, räumt VVS-Geschäftsführer Horst Stammler die Service-Misere ein. Ihm bleibe zurzeit nur, „unsere Kunden um Entschuldigung zu bitten“. Technische wie räumliche Möglichkeiten der Verkaufsstellen, die jeweils von den Verbundunternehmen bestritten werden, seien beschränkt, der zusätzliche Aufbau von Infrastruktur hier kaum möglich.

Stammler gelobt dennoch Besserung: „Im nächsten Jahr werden sie so lange Schlangen nicht mehr sehen“, verspricht er Linderung. Die soll vor allem das Internet bringen. Nach einer Pilotphase zum Sommersemester 2011 mit zwei klinkten sich vor wenigen Wochen weitere sechs Hochschulen in den Online-Ticketverkauf ein. Wer eingeschrieben ist muss keinen Verbundpass mehr beantragen. Er kann sich die Semesterkarte zu 184,60 Euro am PC ausdrucken. Sie ist zusammen mit dem Studierendenausweis gültig. Vor dem Ausdruck gleicht der VVS die Daten mit den Unis ab. Im Wintersemester 2011 verkaufte der Verbund rund 40 000 Studi-Tickets. „Wir rechnen jetzt mit zehn Prozent mehr“, freut sich Stammler.

VVS nimmt nicht nur die Studenten in Blick

Beim Online-Ticketing auffällig nicht dabei ist die Universität Stuttgart. Sie registrierte laut Sprecher Hans Herwig-Geyer allein 19 124 Bewerbungen um einen Studienplatz. Das sind 56 Prozent mehr als 2010 und immerhin noch zehn Prozent mehr als 2011. Rund 22.700 Studierende zählt die Hochschule schon jetzt. „Wir sind mit der Umstellung unseres Campus-Managementsystems vollauf beschäftigt und konnten deshalb das Online-Ticket nicht einführen“, spricht Herwig-Geyer von einem „unglücklichen Zeitpunkt des Zusammentreffens“. Das Interesse der Hochschule sei aber groß. „Wir sind zuversichtlich, dass es im nächsten Sommer klappt“, so der Sprecher. Stammler will bis dahin auch mobile Verkaufsstände auf dem Campus nicht nur der Uni Stuttgart aufschlagen.

Doch der Verkehrsverbund nimmt nicht nur die Studenten in den Blick. Die Schlangen-Beschwörung soll auch bei den Nutzern des Scool-Abo greifen. Dieses wird auf seine Tauglichkeit für den Online-Vertrieb hin überprüft. In Stuttgart werden rund 160.000 abgesetzt, im gesamten Verbundgebiet fast 1,2 Millionen. Die Mehrzahl der Schüler nutze das Abo das ganze Jahr über, „ein Teil aber fährt im Sommer nicht und schickt die Monatsmarke dann jeweils zurück“, sagt Stammler. Das kompliziert, neben dem Datenabgleich mit Schulen oder Schulverwaltungsämtern eine elektronische Lösung.

Weil man den Andrang kenne, habe die SSB im Juni rund 10.000 Nutzer mit auslaufenden Verträgen angeschrieben „und gebeten, die Abos noch vor den Sommerferien zu verlängern“, sagt SSB-Sprecherin Susanne Schupp. Die Aktion scheint nicht gefruchtet zu haben. „Jetzt setzen wir unsere gesamten Kapazitäten ein“, sagt Schupp. Wartende würden beraten und wenn möglich sogar an den Kartenautomaten begleitet. „Wir haben alles getan, arbeiten am Limit“, versichert Schupp. Den aktuellen Ansturm kann der Verkehrsbetrieb dennoch kaum bewältigen.

Lesen Sie jetzt